„Todesfalle“ im Grenzlandtheater: Wenn die Mordlust aufkeimt

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
11665633.jpg
Das kann ja nicht guthejem: Ira levins „Todesfalle“ im Aachener Grenzlandtheater mit (von links) Jan-Friedrich Schaper, Beatrice Kaps-Zurmahr und Thomas Pohn. Foto: Kerstin Brandt

Aachen. Irgendwann an diesem Abend stellte sich jeder einmal die Frage: Ist er oder sie jetzt wirklich tot, springt er gleich wieder auf oder gibt es noch eine weitere überraschende Wendung? Für sein Kriminalstück „Todesfalle“ hat Ira Levin, der durch Thriller wie „Rosemary’s Baby“ oder „The Stepford Wives“ berühmt wurde, ganz tief in die Kiste mit der Aufschrift „Mörderisch“ gegriffen.

Die Handlung ist simpel und verzwickt zugleich, Boulevard vom Feinsten, abstrus und doch wunderbar unterhaltend. „Todesfalle“ hat für die Bühne des Aachener Grenzlandtheaters Anja Junski inszeniert, zugleich Dramaturgin des Hauses. Sie zeigt, wie man auch ein Stück mit eher überschaubarem Inhalt geschickt in Szene setzen kann, wenn ein erfahrenes Ensemble zur Verfügung steht.

Überraschende Wendungen

„Todesfalle“ bietet ein paar interessante Typen, lebt aber von den tödlichen Überraschungen und plötzlichen Wendungen. Das macht Spaß und verleiht dem Abend den Charakter eines Krimi-Rätselspiels, bei dem alle mitmachen können und grübeln, wen es als Nächsten trifft.

Der ausgebrannte Erfolgsautor Sidney Bruhl erhält per Post das Stück eines ehemaligen Studenten – das Werk ist perfekt. Er beschließt, den jungen Mann einzuladen – und zu ermorden. Das Stück würde Bruhl aus dem finanziellen Tief befreien und seine Schreibblockade übertünchen.

Was nun anläuft, ist ein Karussell der unblutig-blutigen Ereignisse und der unterschiedlichsten Mordpraktiken – vom Erwürgen über das Erschlagen bis zum Schuss per Armbrust. Anja Junski drosselt oder erhöht das Tempo je nach Situation sehr geschickt. Die Dialoge sind witzig und da ernsthaft gesprochen, wo sie auch ernst gemeint sind. Die Charaktere sind stimmig. Thomas Pohn ist als Sidney sehr schön schmallippig, ein selbstgefälliger, alternder Zyniker, der sich von seinem Krimiwissen mehr und mehr lenken und infiltrieren lässt. Seine Mordwaffen-Sammlung verspricht nichts Gutes. Hübscher Gegenpol: Beatrice Kaps-Zurmahr als Ehefrau Myra, die ihrem Gatten die aufkeimende Mordlust sehr früh ansieht und darüber entsetzt ist.

Im Bühnenbild von Barbara Krott (auch Kostüme) spiegelt sich bereits das drohende Unheil, denn im recht gemütlich ausgebauten einstigen Kuhstall mit viel Holz an den Wänden pinselt Myra an Tierporträts herum – ein giftig dreinblickendes Schwein, ein zähnefletschender Esel, ein bedrohliches Schaf neben der starrenden Kuh. Das kann nicht gutgehen. Klanginstallationen (Musik: Christoph Peters) folgen dem altbewährten Schema des „unheilvoll unheimlichen Geräuschs“, das Ahnungen weckt.

Jan-Friedrich Schaper zeigt sich als Jungautor Clifford sehr wandlungsfähig – von naiv bis geschmeidig hinterhältig. Und wer es immer noch nicht verstanden hat, dem erklärt Heike Schmidt als leicht durchgeknallte Hellseherin Gizi Barna mit echt komischer Aktion, dass hier das Böse regiert. Irgendwann ist nur noch sie mit dem biederen Rechtsanwalt Porter Milgrim übrig, solide gespielt von Thomas Kemper. Sie drehen die Schraube vom Stück im Stück schließlich ungerührt weiter. Man erwartet zwar, dass sich die beiden zum Schluss auch noch irgendwie outen – aber Boulevard unterhält nur, wenn man im schönsten Moment Schluss macht. Das hat Anja Junski geschickt und professionell beherzigt. Sie und das gesamte Ensemble erhalten viel Applaus.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert