Düsseldorf - Tiger im Techno-Tank

Tiger im Techno-Tank

Von: Susanne Schramm
Letzte Aktualisierung:
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Fauchen kann er noch: Tom Jones in Düsseldorf. Foto: Thomas Brill

Düsseldorf. Einem solchen Kerl verzeiht man - fast - alles. Vorausgesetzt, er ist am 7. Juni 1940 als Thomas John Woodward in Wales geboren, hat bis heute mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft und mit seiner charismatischen Stimme ganze Generationen in Bann geschlagen.

2009 will es Mr. Woodward alias Tom Jones noch einmal wissen. Mit 69 Jahren geht er wieder auf Tour: fast zwei Stunden Programm, unterstützt von neun Musikern und zwei Backgroundsängerinnen.

Dass die Lockenpracht mittlerweile ebenso weiß ist wie sein Bart - geschenkt. Dass die einst so geschmeidigen Hüften ein wenig steif geworden sind - egal. Viel lieber lassen wir uns verzaubern. Von einer Legende. Von einem Augenaufschlag. Und einer starken und wandlungsfähigen Stimme, die „Sugar Daddy” Pfeffer gibt, James Bond in „Thunderball” verdammt alt aussehen lässt und „Delilah” schunkelfähig macht.

Bis dahin ist die Welt in der Düsseldorfer Philipshalle noch in Ordnung. Jones eint sie alle. Diejenigen, die nicht wissen wollen, was „Pussycat” nach 44 Jahren Neues zu bieten hat; diejenigen, denen es um eine Wieder-Aufladung von „Burning Down The House” von den „Talking Heads” geht, und diejenigen, die 2008 die CD „24 Hours” gekauft haben, auf der ein alter Hase jungen Hüpfern vormachte, wie das mit dem Groove funktioniert.

Zwischen Schmachtfetzen aus der „Green Green Grass Of Home”-Ära, dem Eric-Burdon-Cover „Mama Told Me Not To Come” und dem dynamischen „In Style And RhythmÓ von „24 Hours” klaffen Welten. Aber bei „She´s A Lady” springen sie alle auf. Drei Generationen glücklich vereint.

Mit „Stoned In Love” läuft der Abend dann leider unversehens komplett aus dem Ruder. Eine Synthie-Dröhnung, die den Sänger erschlägt, eine Lautstärke, die die Älteren im Publikum an die Grenzen der Belastbarkeit bringt, miese Aussteuerung, überdrehte Pegel, Playback-Gefühle - als Jones Minuten später auf die Bühne zurückkehrt, ist die Stimmung erst Mal im Eimer.

Ein Tiger im Techno-Tank kommt nicht gut. Schon gar nicht, wenn er darin ersäuft. Und diesen Fehler beim, eigentlich todsicheren, SuperComeback-Hit „Sexbomb” sofort wiederholt. Vor lauter Fiepen im Ohr bekommt man das glücklicherweise kaum mit. Mit „It„s Not Unusual” und der ersten Zugabe, dem Prince-Cover „Kiss”, können Jones und seine agile Band noch einmal punkten. Das Vergnügen bleibt, am Ende, dennoch durchwachsen.
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