Tiefreligiöse Reflexionen über Tod, Trauer und Hoffnung

Von: Pedro Obiera
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Mit großer Sensibilität: Dvořáks „Stabat Mater“ im Aachener Krönungssaal. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Aufführungen von Antonín Dvoáks wohl bedeutendstem Chorwerk, dem groß angelegten „Stabat Mater“, sind so selten wie beeindruckend. In Aachen trat vor 14 Jahren Berthold Botzet sein Amt als Domkapellmeister mit dieser Kostbarkeit an, jetzt stellten sich Georg Hage und der Aachener Bachverein der Herausforderung.

Ob der Krönungssaal des Rathauses ideale Voraussetzungen für ein groß besetztes Oratorium bietet, darüber mag man streiten. Allerdings suchte Georg Hage in Dvoáks tiefreligiösen Reflexionen über Tod, Trauer und Hoffnung ohnehin weniger die Nähe zu opernhafter Opulenz, sondern betonte die dominierenden introvertierten Seiten des Werks, so dass es zu akustischen Problemen allenfalls in der strahlenden Schluss-Apotheose kam.

Davor reihen sich neun in mäßigen bis langsamen Tempi gehaltene Teile aneinander, die nicht den geringsten effektheischenden Ehrgeiz erkennen lassen. Angesichts der ernsten Grundstimmung keine leichte Aufgabe, nicht in den bleischweren Tonfall eines Grabgesangs zu verfallen. Hage umging die Gefahr, indem er die Tempi so geschickt steuerte, dass der musikalische Fluss niemals ins Stocken geriet, weder in den expressiv elegischen Teilen noch in den schlichten Bittgesängen.

Eine herausragende Rolle kommt dem Orchester zu und hier verdient die seit sechs Jahren von Jeremy Hulin betreute Aachener Sinfonietta ein besonderes Lob. Sowohl im orchestralen Gesamtaufriss als auch mit delikaten solistischen Beiträgen konnte das seit über 60 Jahren bestehende Orchester voll überzeugen. Und dass der Aachener Bachverein seine Aufgaben mit gewohnter Stilsicherheit, Intonationsstabilität und Klangschönheit erfüllte, versteht sich nahezu von selbst. Auch wenn Dvoák dem Chor keine extremen Herausforderungen abverlangt und ihn überwiegend mit tröstlich warmen Lyrismen betraut, erfordert die nötige Klangsensibilität einen erstklassig geschulten Chor.

Schlug der Chor vor allem verhaltene Töne an, präsentierten die Solisten ihre Bitten an die Gottesmutter fordernder und expressiver. Herausragend wieder einmal Marion Eckstein, die mit ihrem glühenden, jugendlich frischen Mezzo Gefühlsintensität ohne aufgesetztes Pathos auf glänzendem stimmlichem Niveau verströmte. Auch dem Bassisten Manfred Bittner gelang es, Eindringlichkeit und Stimmkultur in Einklang zu bringen. Nicht ganz so ausgeglichen wirkten Patricio Arroyo und Silke Schwarz in den Tenor- und Sopranpartien.

Begeisterter Beifall für eine mehr als hörenswerte Begegnung mit einem der bedeutendsten Chorwerke des 19. Jahrhunderts.

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