Kerkrade - Thomas Quasthoff erhält die Martin-Buber-Plakette

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Thomas Quasthoff erhält die Martin-Buber-Plakette

Von: Eckhard hoog
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Er bekommt die Martin-Buber-Plakette 2015 der Euriade: der Bassbariton Thomas Quasthoff. Die Preisverleihung findet am 27. November in der Abtei Rolduc in Kerkrade statt. Foto: Stock/Rainer Unkel

Kerkrade. Die Begründung ist so umwerfend einfach wie überzeugend: „Weil Du ein ganz besonderer, feiner Mensch bist!“ Das antwortete Werner Janssen, Vorsitzender der Euriade, telefonisch auf die Frage von Thomas Quasthoff, weshalb gerade er 2015 die Martin-Buber-Plakette erhalten solle.

Details der Würdigung und Wertschätzung des 1959 in Hildesheim geborenen Bassbaritons und Professors für Gesang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin offenbarte Janssen am Freitag bei der offiziellen Bekanntgabe des diesjährigen Preisträgers in der Rokoko-Bibliothek der Abtei Rolduc in Kerkrade.

Faszination und Leidenschaft

„Mit seinen ‚Aussagen‘ schafft Thomas Quasthoff es, Menschen zu erreichen, sie zu bewegen. Ihn – den Gesprächspartner, Sänger, Schauspieler, Redner – zu erleben, bedeutet Faszination, Begeisterung, Leidenschaft, Innigkeit und Verbundenheit“, heißt es in der erweiterten Begründung. „Der Zuhörer erfährt ihn als einen Menschen, der sich aufs Sorgfältigste um das Wort kümmert. Dieses, sein Wort ist für ihn Antwort! Eine Antwort auf die Frage des Anderen, auf dessen Aussehen, Text, Klang, Laut, Farbe, Stimmung, Bewegung, Seligkeit, Not . . .“

Und nicht zuletzt die Bereitschaft, mit seiner Prominenz Friedensbemühungen vor dem Hintergrund einer beispiellosen Flüchtlingswelle zu stärken und immer wieder bereitwillig bei Benefizveranstaltungen mitzuwirken, hätten den Ausschlag gegeben, Thomas Quasthoff den Preis zuzusprechen. Das ergänzten Hilde Scheidt und Christoph von den Driesch, als Aachener Bürgermeisterin und Herzogenrather Bürgermeister Mitglieder des Kuratoriums.

Quasthoff reiht sich ein in eine erlauchte Riege prominenter Preisträger – Künstler, Politiker, Denker, Visionäre und Humanisten wie Helmut Schmidt, Richard von Weizsäcker, Karl Heinz Böhm, Herman van Veen, Michail Gorba-tschow, Klaus Maria Brandauer, Peter Maffay, Waris Dirie und zuletzt Königin Silvia von Schweden. Sie alle eint, ganz im Sinne des großen Religionsphilosophen Martin Buber, „das Du im Anderen wahrzunehmen“.

Ergreifende Worte aus einem Buch Michael Quasthoffs über seinen Bruder Thomas zitierte Janssen – damit auch dessen „Lieblingssatz“: „Ich bin nur einer von 80 Millionen behinderten Deutschen. Mir sieht man es nur gleich an.“ Übergeben wird die Auszeichnung am 27. November im Rahmen einer Feierstunde in der Abtei Rolduc.

Als Laudator wünschte sich Quasthoff seinen langjährigen Amsterdamer Musikagenten Pieter Alferink, der berühmte Sänger und Dirigenten wie Hermann Prey, José Carreras, Luciano Pavarotti und eben auch Thomas Quasthoff vertreten hat. 2012 hat sich der damals 52-Jährige auf ärztlichen Rat hin als Sänger von der Bühne verabschiedet. Seither tritt er als Schauspieler und Kabarettist vor das Publikum. Wenn er im November ins Dreiländereck kommt, dann gibt er womöglich in Aachen eine kabarettistische Vorstellung, man sei gerade dabei, so etwas zu organisieren, erklärte Werner Janssen.

Der Euriade-Vorsitzende stellte am Freitag noch über die Namensbekanntgabe Quasthoffs die alljährlich mit der Martin-Buber-Plakette eng verknüpfte Veranstaltung „Jugend im Dialog“ in den Vordergrund. Vor gut 20 Jahren hervorgegangen aus einer Begegnung von Aachener und Heerlener Schülern, ist daraus mittlerweile ein Treffen von Jugendlichen aus aller Welt geworden – und vor allem auch aus Nachbarländern, die sich unmittelbar im Konflikt befinden: Russland und Ukraine, Israel und palästinensische Gebiete sowie aus Syrien.

Schüler aus Ungarn dabei

Diesmal nehmen erstmals auch Schüler aus Ungarn teil, die vom 20. bis zum 28. November gemeinsam unter dem Dach der Abtei Rolduc wohnen und Maastricht, Eupen und den amerikanischen Soldatenfriedhof in Margraten besuchen. Außerdem dabei: Jugendliche der Lebenshilfe – deren Künstlergruppe arbeitet seit Wochen an einem Gemälde, das Quasthoff als Geschenk überreicht wird.

Höhepunkt ist wie in jedem Jahr wieder das Gespräch mit dem aktuellen Preisträger der Martin-Buber-Plakette – eben mit Thomas Quasthoff, „der sich trotz oder besser mit seiner Behinderung zu einem fantastischen Mitmenschen und einem einzigartigen Künstler entwickeln konnte“. So steht es geschrieben im neuen Heft der Euriade-Zeitschrift „EuriArtes 42“, das am Freitag erschienen ist.

Herman van Veen, Preisträger des Jahres 2005, ist ein glühender Förderer des Euriade-Jugend-Dialogs. Im Gespräch ist jetzt eine Reise auf van Veens Landgut in der Nähe von Utrecht. Janssen, beinahe missionarisch überzeugt und kein hohes Wort in diesem Zusammenhang scheuend: „Es gibt nichts Wichtigeres, als junge Menschen zusammenzubringen.“

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