Aachen - Theaterpremiere: Alles andere als eine Hommage an Dave Gahan

Theaterpremiere: Alles andere als eine Hommage an Dave Gahan

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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Perfektes Zusammenspiel: Karl Walter Sprungala als Dave Gahan (rechts) und Musiker Malcom Kemp. Foto: Marie-Luise Manthei

Aachen. Dave Gahan findet einen toten Fisch in seiner Badewanne. Kurze Zeit später bereitet er ihn als Forelle blau zu. Einen großen Teil der Aufführung brodelt sie im Kochtopf auf einer elektrischen Platte vor sich hin. Ob der Sänger der berühmten britischen Synthie-Pop-Band Depeche Mode gerne Forelle blau kocht, ist egal.

Ebenso, ob er mit Britney Spears um die Häuser gezogen ist. Wie so vieles, was an diesem Abend im Mörgens geschieht, muss es auf den echten Dave Gahan nicht zutreffen. „Als ich einmal tot war und Martin L. Gore mich nicht besuchen kam“ ist ein anarchisches Stück über eine Kunstfigur, großartig gespielt von Karl Walter Sprungala.

Wer die Band und einige ihrer Songs kennt, ist als Zuschauer im Vorteil. Fans, insbesondere des Frontmannes, müssen allerdings Humor mitbringen. Denn diese gute anderthalb Stunden dauernde, fantasie- und kraftvolle Inszenierung (Regie und Ausstattung: Stefan Rogge) ist keine Hommage an den Dave Gahan, der live 60.000 Menschen mitreißt. Die Kunstfigur ist auch Witzfigur. Dem Premierenpublikum gefällt das, es wird viel gelacht, gejohlt und geklatscht.

Die Textvorlage des Schweizer Autors Daniel Mezger greift biografische Motive Gahans auf, die in vielerlei Hinsicht typisch für einen Rockstar sind. Partys, demolierte Hotelzimmer, Groupies, Drogen. 1995 ein Selbstmordversuch, im Jahr darauf eine Heroin-Kokain-Überdosis und zwei Minuten klinischer Tod. Der Plan, wie Kurt Cobain und Jim Morrison mit 27 zu sterben, ging nicht auf. Auch daher kommen Neid und Komplexe. Dafür verantwortlich ist aber vor allem Bandkollege Martin L. Gore, Komponist und Texter aller großen Depeche-Mode-Hits. Das zeigt Sprungala in einer starken Szene zu Beginn, wenn er brummt, grunzt, stottert und stammelt, bevor ihm der Name Martin über die Lippen kommt.

In enger schwarzer Hose und Weste über dem nackten Oberkörper, die Haare zurückgegelt und originalgetreue bunte Tattoos auf den Armen, kommt Sprungala Gahan äußerlich sehr nahe. Auch dessen Gestik und Mimik imitiert er gekonnt, Propellertanz und Hüftschwung sitzen perfekt. Malcolm Kemp in dunklem Anzug und Krawatte steuert Gitarre und Gesang bei, übernimmt aber auch gekonnt die Rolle des stichwortgebenden Sidekicks. Zuweilen erinnert das an die Konstellation Manuel Andrack/Harald Schmidt. Einen Höhepunkt erreicht das Zusammenspiel, wenn Sprungala und Kemp, als sie selbst am Tisch sitzen und die Forelle blau verspeisen. Im Hintergrund läuft derweil ein Auszug aus Daniel Mezgers Lesung beim Radiosender Einslive im August 2015.

Zahlreiche Requisiten, darunter ein Degen, sind im Raum verteilt. Schwarz dominiert, davon hebt sich besonders die Badewanne aus weißer Emaille ab. Als Sprungala hineinsteigt, geht ein überraschtes Raunen durch die Menge, denn die Wanne ist voll Wasser.

An diesem Abend im Mörgens muss Dave Gahan richtig baden gehen.

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