Theaterensemble: Mit tierischen Rollen kennen sich die Neuen aus

Von: Jenny Schmetz
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Eine Hand voll Federn, aber kein Schnabel – zwei Pelzohren, aber keine Krallen: Marie Hacke und Hannes Schumacher verwandeln sich für Michael Endes „Wunschpunsch“ in Rabe und Kater. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Vielleicht haben Sie die beiden Neuen ja schon auf Knien über die Bühne des Aachener Theaters rutschen sehen. Mit kurzem Pastellkleidchen und knallgelben Gummihandschuhen feudeln sie da, was das Zeug hält. In „Faust 1+2 #konzentriert“ haben Marie Hacke und Hannes Schumacher vor anderthalb Monaten ihr Aachen-Debüt gegeben: als Gretchen.

Eher: als Viertel-Gretchen, denn Regisseurin Christina Rast hat die Figur für vier Schauspieler gesplittet.

„Neu am Theater – und ich spiele als Erstes das Gretchen“, da musste Marie Hacke (26) schon schmunzeln. „Voll Klischee!“ Hannes Schumacher (27) hält sich als männliches Gretchen wohl weniger für Klischee, eher für „okay“. Er hatte es sich aber „ein bisschen spannender vorgestellt“. Mehr meckern sie aber nicht, ist ja auch ihr erstes festes Engagement. Da lobt Marie Hacke lieber den „sehr herzlichen Empfang im Haus“.

Nach der Putzorgie wartet auf die jungen Schauspieler nun das „Stahlbad“: das Weihnachtsmärchen mit kreischenden Kindern und 33 Vorstellungen vor der Brust. „Für uns Anfänger hört sich das viel an. Aber andere Kollegen haben über das Jahr verteilt auch ein ordentliches Pensum zu rocken“, sagt Schumacher („Kannst Hannes sagen“) ziemlich abgeklärt. Anders als seine Kollegin hat er bereits Erfahrungen mit Kindertheater: „Du musst immer wach sein, aufpassen, was im Publikum passiert, darfst nicht in Routine verfallen.“ Daher trainieren die beiden bei der Probe schon mal das Improvisieren. Angst, dass sie von der Bühne gebrüllt werden, haben sie aber nicht, sie spielen ja auch die Guten in Michael Endes „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“.

Wie im „Faust“ gibt's da wieder einen Teufelspakt. Den schließt der Zauberer Beelzebub Irrwitzer. Mit seiner Tante, der Hexe Tyrannja Vamperl, braut er am Silvesterabend einen Trank, der Wünsche erfüllen kann. Sie wollen damit noch vor Jahresende eine Menge schlimmer Taten vollbringen. Aber die Bösewichte haben zwei Geheimagenten an ihrer Seite, die das Unheil verhindern möchten – und da kommen die Neulinge ins Spiel. Nach dem Viertel-Mädchen dürfen sie jetzt das ganze Tier rauslassen.

Marie Hacke – „das Küken“ im Ensemble, wie sie sagt – steckt ihre braunen Haare hoch, tauscht den Schlabberpulli gegen einen feinen Mantel, dazu Schal und Handschuhe, alles ganz in Schwarz. Fertig ist der Rabe Jakob Krakel – ohne Schnabel. „Ich muss auch nicht krähen! Wir haben einen anderen Sound gefunden“, sagt die Schauspielerin geheimnisvoll. „Wir wollten eher das Tierische im Menschen finden.“

Mit blaugestreifter Pyjamahose, weißem Unterhemd und Gesundheitslatschen schlappt der Kollegen daher. Seine roten Zöpfchen verschwinden unter einer Kapuze mit Ohren. Als Kater Maurizio di Mauro fährt er zwar keine Krallen aus, aber am braun gescheckten Pelzmantel baumelt ein Schwanz. Dabei weiß Hannes Schumacher natürlich, dass er als erwachsener Mann, der ein schnurrendes Kätzchen spielt, „ein guter Witz“ ist.

Mit tierischen Auftritten kennen sich beide aus. „Das war meine erste Theatererfahrung“, erzählt Marie Hacke. Mit sechs Jahren in der Waldorfschule in Berlin: „Da durfte ich eine Mücke spielen – im Eurythmiekittel, also in so einem Sack mit Gürtelchen“, erklärt sie für die Nicht-Anthroposophen. „Ich habe nur gesummt. Aber ich fand das ganz toll!“ Hannes Schumacher gab schon mal einen Hund, in der vierten Klasse in seiner Heimat Ribnitz-Damgarten, einem 15 000-Einwohner-Städtchen zwischen Rostock und Stralsund. „Auf Plattdeutsch!“, betont er. „Allerdings habe ich meinen Text vergessen.“ Und dann war da noch der Frosch auf der Schauspielschule in Rostock, im selbst geschriebenen Weihnachtsmärchen („So eine ostige Tradition“).

Als Kind haben sie Endes 1989 erschienene Öko-Fantasy beide nicht gelesen. Die gebürtige Münchnerin hat das Buch jetzt im Regal der Eltern gefunden. Der Kollege aus Mecklenburg-Vorpommern ist stattdessen mit „Schlapps und Schlumbo“ oder „Der Traumzauberbaum“ des DDR-Stars Reinhard Lakomy aufgewachsen.

Magier, Hexe, Feuerzauber

Mit 20 hat es ihn dann nach Berlin gezogen. Da hat er in der freien Szene gespielt, als Kellner, lebendes Berlinale-Schild oder Rikschafahrer gearbeitet und währenddessen drei Jahre lang Schauspielschulen abgeklappert. Marie Hacke hat gerade achtmal vorgesprochen, bis sie zum Schauspielstudium an der Universität der Künste in Berlin angenommen wurde.

Jetzt darf sie als Rabe zwar nicht fliegen, aber ist sehr gespannt auf die Kinder-Reaktionen. Er schätzt besonders die „anarchischen Momente“ des Stücks, mit Magier, Hexe, Feuerzauber, Sauforgie und Drogentrip per „Luzifers Salto Dimensionale“ (LSD). Wobei manche Wortspielerei nicht nur im Zungenbrecher-Titel wohl eher die Älteren kapieren. Das Theater hält das Ganze geeignet für alle ab sechs Jahren. Hannes Schumachers Tochter schaut sich Papa Kater aber auf jeden Fall an. Und die ist erst vier.

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