Theateradaption „Ziemlich beste Freunde“: Fast so ergreifend wie im Kino

Von: Eckhard Hoog
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„Ziemlich beste Freunde“ im Aachener Das Da Theater: mit (v. l.) Wolfgang Kramer, Patrick Joseph und Ulrike Bieler. Foto: Achim Bieler

Aachen. Millionen Kinogänger haben den Film „Ziemlich beste Freunde“ gesehen – wohl alle waren berührt von dieser wahren Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft zwischen zwei Männern aus zwei ganz verschiedenen Welten. Das Aachener Das Da Theater startet mit der Bühnenfassung von Gunnar Dreßler in die neue Saison.

Die Premiere am Donnerstagabend endete nach knapp zweieinhalb Stunden mit begeistertem Applaus.

Wie ein Naturereignis rauscht Patrick Joseph als Driss in das abgeschottete Leben des gelähmten Philippe (Wolfgang Kramer). Cool, mit Kapuzenshirt und Turnschuhen, weit ausholenden Gesten, frech-witzigen Grimassen, einem riesengroßen Schandmaul und gnadenloser Ehrlichkeit offenbart er, was man bei diesem Underdog aus prekärem Milieu auf den ersten Blick nie für möglich gehalten hätte: ein großes Herz. Das selbst dann noch pocht, wenn er den Mann unsanft wie einen Sack aus dem Bett auf den Rollstuhl hievt. Die harte Nummer gefällt Philippe: endlich kein Mitleid mehr.

Patrick Joseph ist die Seele dieser Inszenierung von Achim Bieler. Mit faszinierender Spielfreude bringt Joseph den Boy aus der französischen Migranten-Ghetto auf die Bühne: eine kernige, vorlaute Type aus dem wahren, ungekünstelten Leben – hart, aber herzlich, dabei weit mitfühlender als all die professionellen Pfleger (Bernhard Schnepf, auch als Polizist). Da wirft selbst die elegante Assistentin Magalie (Lina Kmiecik), die sich bis dahin den Avancen Driss‘ erfolgreich erwehrt hatte, einmal alle spröde Zurückhaltung über Bord und tanzt mit diesem elektrisierenden Animateur.

Wolfgang Kramer hat es da naturgemäß ungleich schwerer, seinen wachsenden Lebensmut und die zurückgedrängte Depression, auch das Leiden seiner Figur zum Ausdruck zu bringen. Regisseur Achim Bieler und Bühnenbildner Frank Rommerskirchen (Kostüme Michaela Gabauer) liefern Hilfen. Halbtransparente Wände und Türen bilden die Leinwand für reichlich Projektionen selbst eingespielter Videos: vom früheren unbeschwerten Leben im Garten, vom Paragliding, das zum Unglück führte, vom Urlaub am Meer, von der Sehnsucht nach Eleonore, der Brieffreundin, von der Gefühlswelt Philippes – auch von der Ghetto-Situation Driss‘.

Da wird die Fantasie allerdings in fertige Bilder entführt, die die Nähe zu den Figuren wieder aufheben. Die Bühnenfassung eines Films selbst wieder mit Film anzufüllen – das mutet ziemlich paradox an und geht als Ersatz zu Lasten des Schauspiels.

Als hocherotisches Leder-Luder, das nach Driss‘ Idee dem Philippe die Lust am Leben wiederbringen soll, überzeugt jedenfalls Ulrike Bieler genauso wie als affektierte Galeristin. Bernard Kobbina schneit kurz als Driss‘ Bruder herein, und Lina Kmiecik gibt die Assistentin mit herrlicher Noblesse.

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