Theater K zeigt Monolog-Stück „Schwester von“

Von: Grit Schorn
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Sie zieht das Publikum im Aachener Theater K in ihren Bann: Anna Scholten als Ismene in Lot Vekemans preisgekröntem Monolog-Stück „Schwester von“. Foto: Ludwig Moll

Aachen. Aus einem fluchbeladenen Geschlecht stammen die Schwestern Antigone und Ismene; sie und ihre Brüder sind Kinder von Ödipus und Iokaste, unwissentlich in „Blutschande“ gezeugt. Das Schicksal der mythischen Gestalten hat die niederländische Dramatikerin Lot Vekemans, 1965 geboren, zu ihrem preisgekrönten Monologstück „Schwester von“ angeregt, das jetzt im Aachener Theater K Premiere feierte.

Von Höllenhunden bewacht, setzt sich Ismene, die jüngere Schwester der unbeugsamen Heldin Antigone, mit ihrem Schicksal auseinander. Anna Scholten spielt und spricht die Ausgestoßene, die sich immer nur ein „normales“ Leben gewünscht hat, mit Mann und Kindern, unbelastet von Macht, Grausamkeiten und Tragödien. Die große Bühne im Theater K wird zum engen Gefängnis der Verbannten, die in heutiger Sprache ihr Schicksal den Zuschauern nahebringt.

Zuweilen sehr nahe, denn hier spricht eine verzweifelte Frau: „Für meine Schwester war ich ein niederes Wesen, ein unwichtiges Wesen.“

Nicht zur Heldin berufen, zeigt sich Ismene als eine durchschnittliche junge Frau, die die ältere, todesmutige Schwester anflehte, sich nicht gegen Kreon, ihren Onkel und Herrscher von Theben, zu stellen. Ismene ist geduldig und vorsichtig, während Antigone und die beiden Brüder Eteokles und Polyneikes sogar rücksichtslos gegen sich selbst sind.

Als die Brüder im Kampf fallen, soll nur Eteokles würdig bestattet werden, nicht aber Polyneikes, der als Feind der Stadt kämpfte. Wie der Mythos berichtet, lehnt sich Antigone gegen Kreons Verdikt auf und setzt einen tödlichen Kreislauf in Gang. Ismene bleibt am Leben, jedoch nicht in Freiheit. Anna Scholten zieht das Publikum tief hinein in die Verzweiflung der „kleinen Schwester ohne Bedeutung“, eine heutige junge Frau, die die großen Ideale nicht anziehen, sondern nur erschrecken. Doch vielleicht ist Ismene sogar tapferer als all die toten Helden, denn sie bleibt zutiefst menschlich und mitfühlend.

Viel verdienter Applaus für die junge Schauspielerin und Mona Creutzers subtile Regie.

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