Aachen - Theater K: Wenn die Therapeutin therapiert wird...

Theater K: Wenn die Therapeutin therapiert wird...

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Theater K "Die Schokoladend(r)amen" v.l.:Mandana Mansouri,Dagmar Rösch,Katharina Mathar,Annette Schmidt

Aachen. Der Schauspielerin Mandana Mansouri ist es zu verdanken, dass die bittersüße Komödie „Die Schokoladen-D(r)amen“ erstmalig auf einer deutschen Bühne zu sehen ist. Das Boulevardstück, das 2002 erfolgreich beim Festival von Avignon uraufgeführt wurde, stammt aus der Feder von Mansouris belgischem Großcousin Philippe Blasband, Drehbuchautor und Theaterregisseur in Brüssel.

 Die deutsche Übersetzung hat die junge Schauspielerin mit iranischen Wurzeln selbst besorgt. Bereits als Teenager hat Mandana Mansouri in der Aachener Theaterszene ihr Talent unter Beweis gestellt.

Die Minibühne

Im Foyer Rouge von Theater K genügen vier wenig bequeme Stühle in hässlichem Grün auf der Mini-Bühne, um eine etwas schräge Therapie-Atmosphäre herzustellen. In der Mitte ein gläsernes Gefäß mit dem Ojekt der Begierde: Schokolade in allen Größen und Variationen. Die vier Damen, die über ihre schokoladigen Süchte und andere Sehnsüchte sprechen sollen, wirken nervös und unsicher angesichts der souveränen Therapeutin. Die schoko-abhängigen Frauen eint nur ihr Verlangen nach schmelzenden Genüssen, ob braun oder weiß, mit Nüssen oder Trauben, mit oder ohne Alkohol, von zart-süß bis bitter-scharf dank Chili-Zusatz.

Katharina Mathar imponiert als zunächst selbstbewusste und zugewandte Therapeutin, die allerdings unbedingt das „auslösende Ereignis“ für die schwere Abhängigkeit der vier Frauen herausfinden will. Doch genau diese Forderung löst heftige Abwehr bei den Süchtigen aus, besonders bei der neurotischen Marielle, hinreißend tragikomisch von Dagmar Rösch verkörpert. Die fast autistisch wirkende Marielle hat schnell die anderen Frauen gegen sich.

Liliane, „polymorph-pervers“, schön hintergründig von Mandana Mansouri gespielt, verachtet nicht nur Marielle, sondern bald auch die „Küchenpsychologie“ der bemühten Therapeutin, die immer mehr an Boden und Haltung verliert. Auffällig auch die extrovertierte Elodie, anscheinend hoch schwanger und dauerhaft hoch erregt. Annette Schmidt kann wunderbar ihre komischen Seiten zur Entfaltung bringen – als „ex-bulimische Borderlinerin“. Doch nicht nur die Sucht nach Süßem wird hier vom Autor satirisch-kess untersucht, sondern wohl auch unsere Suche und Sucht nach Therapie. Später kommt es zu einer infernalischen Orgie. Die Therapeutin kommt an den Rand der Verzweiflung, als das Damenquartett damit beginnt, sie selbst, die erfahrene Fachfrau, machtvoll zu „therapieren“. Und plötzlich taucht auch noch Woody Allen auf. Jedenfalls sieht „Klaus“, gespielt von Ismael Hawramy, wie der berühmte Komödiant aus. Schöner kann das quirlige Stück kaum enden, das eine gemeinsame Theater K-Produktion (ohne Regisseur) ist. Begeisterter Beifall und viel Amüsement beim Premierenpublikum.

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