Theater K: Theatralische Obduktion von Marilyn Monroe im Ludwig Forum

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Ein Sexsymbol mit Gummibrüsten: Mona Creutzer, Annette Schmidt und Romi Maria Goehlich in „Marilyn – Ikone“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Eine ganz normale, alternde Frau.“ Das schillernde Hollywood-Klischee gleich am Anfang zum Bröckeln gebracht: Marilyn Monroe, die Ikone, das Sexsymbol, hatte zum Zeitpunkt ihres Todes einen dunklen Ansatz im blondierten Haar, die Beine seit Wochen nicht rasiert und Gummieinlagen mit aufgesetzten Brustwarzen im Kleid. Mit „Marilyn – Ikone“ wirft das Ensemble des Aachener Theater K einen Blick auf die „private“ Monroe.

Regisseurin Agma Formanns und die drei Akteurinnen haben sich am „kollektiven Gedächtnis“ bedient, an Aussagen und Texten von Zeitgenossen und der Diva selbst. Die Vielseitigkeit und Zerrissenheit des Stars werden dabei konsequenterweise von gleich drei Schauspielerinnen verkörpert: Mona Creutzer, Annette Schmidt und Romi Maria Goehlich.

Sie habe manchmal das Gefühl gehabt, nur ein Kunstprodukt zu sein, soll die Monroe gesagt haben. Im Ludwig Forum schaut das Theater-K-Ensemble hinter die Fassade des Kunstproduktes und hinein in die Abgründe: Monroe schwankt zwischen dem Bewusstsein über das Begehren um ihre Person und plagenden Selbstzweifeln, zwischen schlagfertigen Antworten gegenüber Reportern, der Überzeugung von der eigenen Schauspielkunst und dem Versagen am Set.

Die Kluft zwischen dem disziplinierten Perfektionieren des eigenen Erscheinungsbildes und den vermeintlichen Unzulänglichkeiten wird so groß, dass sich Monroe zunehmend in Tabletten und Alkohol flüchtet.

In Szenen, Liedern und Monologen bietet das Ensemble einen kurzweiligen, humorvollen Exkurs in Karriere, Liebesleben und Qualen des Filmstars. Das Premierenpublikum goutierte die hervorragenden Gesangsleistungen aller drei Darstellerinnen mit mehrfachem Szenenapplaus. Besonders überzeugend hat sich Creutzer in ganz besonderem Maße die Gestik, Neuzugang Goehlich die typische Artikulation der Monroe zu eigen gemacht.

Die Bühne in der Mulde des Ludwig Forums zeigt, entsprechend dem Fokus auf das Private, ein Zimmer, nach hinten begrenzt durch einen Bühnenvorhang. Im Verlauf des Stücks wird der Vorhang geöffnet, so dass Raum entsteht für den Auftritt von Regisseuren, Verehrern und Filmpartnern – Rollen, die die drei Darstellerinnen wechselnd übernehmen. So bekommt sogar King Kong Raum zum Toben. Jedoch leidet unter der Öffnung des Raumes auch die ansonsten gute Akustik, die bis zu diesem Punkt keine Mikrofone vermissen lässt.

Vom düsteren Einstieg schlägt „Marilyn – Ikone“ den Bogen bis zum Höhepunkt von Monroes Karriere, dem Gewinn des Golden Globes, und gibt der Diva damit den Glanz zurück.

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