Theater K sucht das „Glück im 21. Jahrhundert“

Von: Grit Schorn
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Sieht so etwa Glück aus? Andrea Klein im Theater K. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Erfolg im Beruf, trautes Familienleben, immer noch schöner Wohnen? Ob dies alles das „Glück im 21. Jahrhundert“ ausmacht, versucht das Aachener Theater K mit Kai Hensels gleichnamiger Farce tief schürfend zu klären.

Aus einem jungen Liebespaar wird rasch ein aufstrebendes Ehepaar mit einer Tochter, die ein Einzelkind bleibt. Zwischen Kartons und Kisten – man zieht häufig um – wird das Streben nach Glück gezeigt. Der kleinen Familie geht es wirtschaftlich immer besser. Der Banker Johann steigt auf, seine Frau Anne (ein „Fuß-Model“) kann sich ganz der Tochter Jasmin widmen.

Doch Rituale ersetzen die angestrebte Nähe. Die kleine Tochter, die bereits in Casting-Shows aufgetreten ist, wird von den ehrgeizigen Eltern ebenso freundlich wie unerbittlich dominiert. Die Umarmungen innerhalb der kleinen Familie lassen frösteln. Als die „Vorzeigefamilie“ in eine teure, bewachte Wohnanlage zieht und Johann mit Unsummen von Spendengeldern jongliert, bleiben kaum noch Wünsche offen. Treffen mit den Nachbarn finden allerdings – schön überspitzt -nur im Parkhaus der Anlage statt…

Regisseur Sebastian Jacobs hat es nicht leicht, Humor, Tragik und Gesellschaftskritik zu einem mitreißenden Theatererlebnis zu verschmelzen. Was auch am zuweilen ausufernden Text liegen mag. In Hensels verzweifeltem Glücks-Szenario frisst der Kapitalismus seine Kinder. Zwischen Sarkasmus, Ironie und tieferer Bedeutung verweisen die Figuren auf den schmerzlichen Zwang, glücklich zu sein. Andrea Klein imponiert als (alt)kluge und sensible als Tochter Jasmin, die irgendwann Kontakt aufnimmt zu einem Wächter. Eine Begegnung, die dem Mädchen nicht bekommt.

Die Eltern, verunsichert und durch den sozialen Aufstieg keineswegs glücklicher, werden konsequent-künstlich von Annette Schmidt und Oliver Matthiae verkörpert. Aus dem Off erzählt Mona Creutzer die Geschichte zu Ende. Andrea Klein hat als „Zombie“ einen wirklich starken Auftritt am Schluss, eine anarchische Szene zwischen Entsetzen und Totlachen. Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus.

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