Theater K: Premiere von „Biedermann und die Brandstifter“

Von: Sabine Rother
Letzte Aktualisierung:
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Gefährlich feige: Jochen Deuticke spielt die Hauptrolle des Gottlieb Biedermann in „Biedermann und die Brandstifter“. Das Stück von Max Frisch hatte im Aachener Theater K Premiere. Foto: Gerd Plitzner

Aachen. Nichts für schwache Nerven, ein Abenteuer für Freunde des unbequemen und boshaften Spiels. Da zieht unter heftigem Getöse das Ensemble von Theater K in den Theatersaal. Die leeren Tonnen donnern unter den wuchtigen Schlägen der Akteure.

Nützt das was? Wird die Gesellschaft aufwachen und etwas gegen ihre Verführer tun? Max Frisch war pessimistisch, als er „Biedermann und die Brandstifter“ schrieb. Die erste Fassung entstand 1948, es folgten viele weitere Bearbeitungen.

Für das Aachener Theater K hat Matthias Fuhrmeister das Stück ins- zeniert. Wie er es deutet, setzen die Akteure in einer skurrilen Geschichte um. Je wilder sie wird, umso intensiver der Appell, sich vor denjenigen, die mit frecher Energie die Vernichtung der Demokratie verkünden, nicht zu ducken oder sie auch noch ans Herz zu drücken, um die eigene Haut zu retten, aus Eitelkeit, aus Ignoranz. Erzählt wird in der Rückschau.

Das Bühnenbild (Ensemble) ist spartanisch: ein Podest, Treppe rechts und links, Leinwand, darunter der Ort, wo sich später die Brandstifter mit ihren Benzinfässern einnisten.

In einigem Abstand stehen zwei Container. Darin hocken Gottlieb Biedermann (Jochen Deuticke) und Ehefrau Babette (Annette Schmidt). Sie sind tot – vom Feuer der Brandstifter in die Hölle katapultiert, aber deshalb nicht einsichtiger. Auftritt „MoGo”. Die diabolische Kommissarin der Unterwelt, hat sich als Zeichen ihrer Würde mit Leuchtketten umwickelt. Sie ist die graue Eminenz mit eingefrorenem Lächeln. Manchmal befragt sie die Biedermänner und beweist, dass diese auch nach dem Tod nichts verstanden haben und ihr Verhalten rechtfertigen.

Mona Creutzer spielt diese Rolle mit großer Präsenz. Jochen Deuticke ist zunächst ein nervöser, fader Biedermann, der den schmatzenden „Schmitz“ (Wolfgang Reuter) und dann auch noch „Eisenring“ (Anton Schieffer), den schlauen, wortgewandten Strippenzieher, in seinem Haus toleriert. Je mehr sich Biedermann einwickeln lässt, umso elektrisierter erscheint er – berauscht von Selbsttäuschung.

Annette Schmidt zeigt, wie unbehaglich sich Frau Biedermann fühlt. Aber sie macht mit, widerspricht nicht, schließlich möchte sie ihre Komfortzone nicht verlassen. Barbara Portsteffen liefert als Hausmädchen „Anna“ derbe Einlagen. Die Situation spitzt sich zu. Die Brandstifter basteln, was das Zeug hält. Schieffer ist als Eisenring die freundliche Harmlosigkeit in Person, ein einschmeichelnder Demagoge, Wolfgang Reuter ein brauchbarer Scherge für die Täter, ein Darsteller, der im Laufe des Abends viele Facette zu bieten hat.

Das Spiel steigert sich zur Farce mit Tanzeinlagen, Videos von den Katastrophen der Welt, dem Live-Einsatz der Kamera. Immer wieder „MoGos“ ironischer Blick, der sagt: „Leute, ihr werdet es nie lernen, oder?“ Matthias Fuhrmeister ist eine temporeiche Inszenierung gelungen, die Frisch in die aktuelle Gegenwart holt. Das Ensemble beweist Spielfreude und enorme Energie. Viel Applaus.

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