Theater in Mönchengladbach muss saniert werden

Von: Armin Kaumanns
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Hier soll schon bald Theater gespielt werden: Noch haben allerdings die Handwerker im TiN die Vorherrschaft.

Mönchengladbach. Eine Kreissäge für den Dirigenten: Als im vergangenen Herbst das Krefelder Theater in eine ehemalige Halle der Verkehrsbetriebe umzog, fiel erst bei der Generalprobe auf, dass der Orchestergraben keinen Zugang für den Mann am Pult hatte.

Kurzerhand musste die Kreissäge ran - bei der Premiere hat niemand etwas gemerkt. In diesen Tagen stemmt das Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach das nächste logistische Mammutprojekt. Das Mönchengladbacher Haus wird zwei Jahre für Sanierungsarbeiten geschlossen. Theater gespielt wird trotzdem, im TiN, dem Theater im Nordpark - wahrscheinlich ohne Kreissäge.

Ehemalige Bundeswehr-Halle

Auf der grünen Wiese, im ehemals militärisch genutzten Nordpark, in dem vor allem der Fußballtempel der Borussia steht, hat die Stadt Mönchengladbach trotz eines Schuldenbergs von über eine Milliarde Euro für 1,3 Millionen eine Halle gekauft, in der die Bundeswehr bis vor kurzem zigtonnenweise Nahrungsmittel für Kriegszeiten lagerte.

So scheußlich zweckmäßig diese Un-Architektur auch sein mag, als Ausweichquartier für ein Theater lässt sie sich prima herrichten. Noch einmal 1,6 Millionen sind für diesen Umbau fällig. Dafür hat sich der weitgehend leere Stahlskelettbau über den Sommer erheblich verändert, innerlich zumindest.

Denn außen sind vor die Laderampe für Lkw nur ein paar Treppen gesetzt und ein Schriftzug angebracht, der über die benachbarten Fußball-Parkplätze blickt. Aber innen, auf 90 mal 57 Metern, empfängt den Besucher ein mit Kronleuchtern vollgehängtes Foyer mit Gastronomie und rotem Teppich, ein großer Saal für 558 und ein kleiner mit 278 Sitzplätzen.

Das sieht im halbfertigen Zustand schon äußerst einladend aus, vor allem die Studiobühne ist ein Schmuckkästchen im Vergleich zur alten Raumsituation.

Die Mönchengladbacher Politik hat sich lange schwer getan mit dieser Entscheidung. Kritiker der großen, alten Rats-CDU rechnen auch heute noch vor, dass eine Reaktivierung des leer stehenden ehemaligen Schauspielhauses in der Mönchengladbacher City günstiger gewesen wäre.

Aber das scheute die politische Mehrheit wie der Teufel das Weihwasser: Der außer Dienst gestellte Musentempel soll abgerissen und ein Konsumtempel hochgezogen werden. Außer möglichen Investoren gibt es da noch nichts Konkretes.

Es wird gemunkelt, die teuer umgebaute Halle im Nordpark eigne sich nach dem Auszug der Theaterleute bestens für Zwecke der in der Stadt mächtigen Karnevalisten.

Man wird sehen. Unumgänglich jedenfalls war die Schließung des Theaters im Stadtteil Rheydt: In dem erst vor 25 Jahren eröffneten Haus, das aus dem damals für 55 Millionen Mark kernsanierten Saalbau von 1928 hervorging, ist vor allem der Brandschutz unzureichend.

Viel Symbolik

Die komplette Lüftungsanlage wird erneuert, Decken, Türen, Elektrik neuen Vorschriften angepasst - für knapp sechs Millionen. Dazu erhält die Bühnentechnik für rund 2,5 Millionen eine fast neue Untermaschinerie, einen elektronisch gesteuerten Schnürboden (statt der Handzüge), eine energiesparende Lichtanlage. Baudauer: mindestens 18 Monate.

Im Rat der Stadt war erst nach langem Hickhack ein Vorschlag vom Tisch, Gladbacher Theatergänger während dieser Zeit per Shuttle in die Theaterehe-Stadt Krefeld zu verfrachten und das Ausweichquartier einzusparen.

Zurzeit also türmen sich im Rheydter Theater die Haufen herausgerissener Kabelstränge, im TiN liegt Teppichboden noch in Rollen herum, schräge Rampen in den Zuschauerräumen warten auf Bestuhlung. Neben Handwerkern sind inzwischen auch die Künstler eingetroffen.

Das Ballettensemble von Robert North kann in einem Saal mit Schwingboden für die Premiere „Verschollen” am 27. September trainieren; der „Hamlet”, mit dem die Spielzeit am 25. September eröffnet, entsteht noch auf der Krefelder Probebühne. Selbst die Niederrheinischen Sinfoniker haben im neuen Domizil einen ordentlichen Probenraum gefunden, sagt GMD Graham Jackson, der hier vor allem Wagner fürs Sinfoniekonzert probt - als Vorgeschmack auf den neuen „Ring des Nibelungen”, der am Ende der Spielzeit auf der Ausweichbühne mit „Rheingold” beginnt.

Viel Symbolik schwingt mit bei diesem Theater-Umzug. Intendant Jens Pesel bestreitet seine letzte Spielzeit mit einem auch von Sparzwängen und Zeitnot geprägten Spielplan. Sein Nachfolger Michael Grosse wird 2010 in seinem ersten Jahr nicht nur den Wieder-Umzug managen müssen, auch künstlerisch und logistisch sind große Probleme zu stemmen. Denn schon seit einem Jahr müssen sich Bühnenbildner und Regisseure des Gemeinschaftstheaters auf schlichte Bretterbühnen ohne technischen Schnickschnack einlassen. Die Übertragung von Produktionen vom großen aufs kleine Haus und umgekehrt - schon im normalen Zwei-Städte-Betrieb nur Eingeweihten verständlich - bleibt kompliziert oder unmöglich. In Krefeld glich die Tontechnik akustische Unbilden im Ausweichquartier erst in der laufenden Spielzeit aus. Das tat dem Zuspruch der Theaterbesuch jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die Auslastung des TaZ, des Theaters auf Zeit, lag bei über 90 Prozent, die Krefelder genossen die einzigartige, improvisierte Atmosphäre. Auf diese (und andere) Erfahrungen kann man zwar jetzt bauen, Unsicherheiten aber bleiben.

Dass das auch positive Auswirkungen haben kann, zeigen etliche Produktionen aus der letzten Spielzeit, in denen Phantasie und eine Rückbesinnung aufs pure Theaterspiel spürbar waren. Das gibt den knapp 500 Beschäftigten des Kultur-Unternehmens Zuversicht, nicht nur das Theaterfest am 20. September rauschend auf und über die Bühne zu bringen: In Krefeld sind die meisten, die diese ungewohnte Theaterluft schnupperten, wiedergekommen...

Im TiN geht es los mit einem Theaterfest

Die Spielzeit im TiN wird am Sonntag, 20. September, mit einem „Auswärtsspiel” an der neuen Spielstätte eingeläutet. Das Theaterfest beginnt um 11 Uhr. Den ganzen Tag können die Besucher Musik, Tanz und Beiträge des Schauspielensembles erleben.

Am Tag zuvor ist die erste Premiere im TiN zu erleben: „Heute weder Hamlet” von Rainer Lewandowski. Regie:Siegfried Hopp.

Am Freitag, 25. September, hat dann Shakespeares „Hamlet, Prinz von Dänemark” in der Inszenierung von Thorsten Duit Premiere.
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