Theater Aachen: Praktikantenstellen werden nicht mehr besetzt

Von: hjd
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Der Vertrag des letzten Praktikanten am Theater Aachen, einem Kontrabassisten, läuft im Sommer aus. Foto: Archiv

Aachen. Zehn Praktikantenstellen waren zu Beginn der Spielzeit im Aachener Sinfonieorchester besetzt. Davon ist nur noch eine übrig geblieben. Grund für diesen Schwund ist ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg vom Mai 2014.

Ein Trompeter, der als Praktikant im Orchester in Frankfurt/Oder angestellt war, hatte die Stadt verklagt und moniert, er werde nicht als Praktikant, sondern wie ein ordentliches Orchestermitglied beschäftigt. So müsse auch sein Arbeitsvertrag bewertet werden – mit entsprechender Vergütung. Der Musiker, der in Frankfurt/Oder sehr oft und teilweise sogar als Solotrompeter eingesetzt worden war, bekam Recht (Az.: 18 Sa 290/14).

Dieses Urteil schreckte den Deutschen Bühnenverein als Vertreter der Arbeitgeber auf. Der Verband empfahl den Orchestern, Praktikantenstellen abzubauen. Die Geschäftsführung des Theater Aachen kam dem nach und besetzte die Verträge, die während der Spielzeit ausliefen, nicht mehr neu. Der Vertrag des letzten Praktikanten, einem Kontrabassisten, läuft im Sommer aus.

Bei den Orchestermusikern und auch bei Generalmusikdirektor Kazem Abdullah stieß dieses Vorgehen auf Verwunderung. Tatsächlich hatte es nach dem Urteil des Landesarbeitsgerichts keine Klagewelle gegeben. Und die Deutsche Orchestervereinigung als Vertreter der Arbeitnehmer hatte die Einschätzung ausgegeben, durch das Urteil ändere sich für die Orchester nichts. „Wir haben hier in Aachen immer einen sehr starken Fokus auf die Ausbildung der Praktikanten gelegt. Ihnen standen immer Mentoren aus dem Orchester zur Seite. Verhältnisse wie in Frankfurter/Oder gibt es bei uns nicht“, sagt auch Arnd Sartor vom Orchestervorstand auf Nachfrage unserer Zeitung.

Das Theater hingegen verteidigt die Entscheidung, die Praktikantenstellen – flexible Jahresverträge, die ohne Probleme aufkündbar sind, wenn der Praktikant die Chance auf eine Festanstellung hat – nicht mehr besetzt zu haben. „Wir haben niemanden rausgeschmissen“, betont Personalchef Lothar Lennartz. „Wir waren aber der Meinung, auf das Urteil reagieren zu müssen.“ Doch eine Lösung des Problems ist greifbar: Das Rechtsamt der Stadt Aachen prüft derzeit den Entwurf eines Arbeitsvertrags, in dem genauer und juristisch unanfechtbar die Bedingungen formuliert werden, unter denen Praktikanten beim Orchester beschäftigt werden können. Ziel sei es, mit der neuen Spielzeit auch wieder Praktikanten einzustellen.

Klar ist: Für neue Praktikanten wird sich einiges ändern, auf die Mentoren und das Orchesterbüro kommt mehr Arbeit zu. So muss die Tätigkeit der Praktikanten in Zukunft detailliert dokumentiert werden. Der Fokus wird noch stärker auf Ausbildung gelegt. Praktikant wird nur noch, wer noch Student ist oder das Studium gerade beendet hat – und noch kein Praktikum absolviert hat. Die Praktikanten sollen außerdem alle Bereiche der Orchestertätigkeit (Oper, Konzert, Kammermusik) kennenlernen und noch enger mit den Mentoren zusammenarbeiten – einschließlich der Festlegung von „Qualifikationsmodulen“.

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