Theater Aachen präsentiert den Spielplan der Saison 2017/18

Von: Eckhard Hoog
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Sie stellten am Donnerstag den Spielplan für die Saison 2017/18 des Theaters Aachen vor: (von links) Verwaltungsdirektor Udo Rüber, Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck, Chefdramaturgin Inge Zeppenfeld und Justus Thorau, nach dem Weggang von Kazem Abdullah ab der nächsten Saison kommissarischer Generalmusikdirektor. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Lange war die Welt nicht in einer so ungeheuren Unordnung. Vieles, was lange sicher schien, ist von Auflösung bedroht. Die EU droht an nationalen Egoismen zu zerbrechen. Autokratische und autoritäre Machtansprüche lassen sich nicht nur in der Türkei ausmachen...“ Engagiert und hautnah am Puls der Zeit – so präsentiert sich erklärtermaßen der neue Spielplan des Theaters Aachen.

So ist es als Anspruch und Präambel von Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck im Vorwort zu einem der beiden neuen Programmhefte für die Saison 2017/18 formuliert. „Herausforderung und Überforderung sind die zentralen Themen dieser Spielzeit.“ Und das stellt sich dar in sieben Produktionen des Musiktheaters, 15 im Schauspiel und einer gewaltigen Folge an Konzerten.

Übersichtliches Programmheft

Intendant Schmitz-Aufterbeck, die Chefdramaturgin Inge Zeppenfeld, Justus Thorau, ab der kommenden Saison kommissarischer Generalmusikdirektor, und Verwaltungsdirektor Udo Rüber stellten das Programm am Donnerstag vor.

Das Spielzeitheft: Es besteht aus vier Teilen und ist sehr übersichtlich gestaltet – 84 Seiten zu den Produktionen des Musiktheaters und des Schauspiels auf der großen Bühne, den Stücken in der Kammer und im Mörgens, mit Bildblöcken, Stückbeschreibungen, Grafiken und Einleitungen zu den Sparten, 48 informative Seiten zu den Konzerten.

Dazu ein siebenseitiger, gelber Service-Leporello mit allen Termin- und Preisangaben. Die gute Nachricht hier: Die Preise sind nicht erhöht worden, sondern nur „gerundet“ (Udo Rüber), mal nach unten, mal nach oben. Außerdem enthalten: eine Karte mit vielen ankreuzbaren Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit dem Theater Aachen, zu Wünschen und Vorlieben.

Das Musiktheater: Monteverdi wird die Saison eröffnen mit „Die Krönung der Poppea“ (in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln), einer Sex-and-Crime-Geschichte aus dem antiken Rom, die von Intrigen der Macht-Elite lebt und selbstverständlich rein zufällig dem Gebaren zeitgenössischer Protagonisten ähnelt . . . Der Intendant kündigt überdies einen thematischen roten Faden im Musiktheater an: „Frauendramen, die tragisch, wenn nicht tödlich enden“.

„Katja Kabanowa“ von Leoš Janaek folgt zunächst, ehe die absoluten Hits der Opernliteratur breites Publikum ansprechen dürften: Verdis „La Traviata“ und Mozarts „Don Giovanni“. Wobei Schmitz-Aufterbeck Besserung gelobt: Der „misslungene“ Giovanni von 2011 soll „wettgemacht“ werden, Garant dafür ist Erfolgsregisseur Joan Anton Rechi mit seiner mittlerweile vierten Arbeit in Aachen, ein Ausbund an Humor.

Witzig dürfte der „choreographisch-musikalisch-interaktive Abend“ von Regisseur Ludger Engels werden, der sich der ausufernden Handymanie unserer Tage annimmt. Das Einschalten und Benutzen des Handys ist bei „are you there?“ ausdrücklich erwünscht!

GMD-Nachfolge: Bei der Gelegenheit stellt sich genau diese Frage – Kazem Abdullah verlässt ja das Theater Aachen zum Ende dieser Saison, Justus Thorau fungiert dann als kommissarischer GMD. Bei „Katja Kabanowa“ und „La Traviata“ müssen sich quasi in einem Finale im November und Dezember zwei Kandidaten für die GMD-Nachfolge in der musikalischen Leitung dieser beiden Opern bewähren. Sie werden noch im Juni ausgewählt aus insgesamt zehn eingeladenen Kandidaten, die nichtöffentlich aufgeführte Konzerte mit dem Sinfonieorchester Aachen im Proberaum dirigieren sollen.

Das Schauspiel: Drei Linien leiten laut Inge Zeppenfeld hier das Programm: gesellschaftlich relevante Themen, Fragen der Zukunft und spannende menschliche Schicksale. Erich Kästners „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ markiert den Auftakt auf der großen Bühne – „kafkaesk angehaucht“.

In der Kammer geht es zu Beginn um das zeitlos aktuelle Thema „Welchen Raum gibt es für junge Menschen, sich zu verwirklichen?“ (Zeppenfeld) mit Goethes Klassiker „Die Leiden des jungen Werther“. Als „Gesellschaftspanorama an einem kleinen Ort“ kündigt die Chefdramaturgin „Unterleuten“ nach dem Erfolgsroman von Juli Zeh an – ein Drama über den unfassbaren Streit um einen Windpark in der Provinz.

Das Familienstück: Hier geht das Theater neue Wege. „Ein Familienstück für Kinder zwischen vier und zwölf Jahren funktioniert nicht“, erklärt Inge Zeppenfeld letzte Erfahrungen von der Resonanz eines zum Teil überforderten sehr jungen und eines gelangweilten etwas älteren Publikums. Stattdessen gibt es in diesem Jahr ein Stück für Menschen ab acht: „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ von Andreas Steinhöfel und ein noch nicht konkret benanntes Weihnachtsstück für die Kleinen zwischen vier und sieben Jahren in der Kammer.

Tanzangebot: Die Kooperation mit dem Parkstad-Theater Heerlen wird fortgesetzt – mit Shuttlebus und Kartenservice für versprochene „mitreißende“ Tanzabende in der holländischen Nachbarstadt: Het Nationale Ballet, Nederlands Dans Theater, das nationale Theater der Ukraine für Oper und Ballett sowie die Dance Company Nanine Linning/Theater Heidelberg erwarten dort das Aachener Tanzpublikum mit vier Produktionen.

Vorläufige Saisonbilanz: Die laufende Spielzeit wird mit geschätzten 155.000 Besuchern zu Ende gehen. In der Saison davor waren es 160.000.

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