Aachen - Theater Aachen: Die neue Spielzeit kann kommen

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Theater Aachen: Die neue Spielzeit kann kommen

Von: Hermann-Josef Delonge
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Das Programm steht, die neue Spielzeit kann kommen: Chefdramaturgin Inge Zeppenfeld, Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, Verwaltungsdirektor Udo Rüber und Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck (von links) im Theater Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine schlechte Nachricht vorneweg: Das Theater Aachen verzichtet auf das traditionelle Fest, mit dem seit Jahren die neue Spielzeit eingeläutet wird. „Es gibt im September einfach zu viele Festivitäten in der Stadt“, räumt Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck am Donnerstag bei der Vorstellung des Programms der neuen Spielzeit ein.

Andere Formate werden gesucht, um die Leute ins Haus zu holen, eins ist schon gefunden: Das Theater bittet am 23. Mai zum Tangoabend. Doch das ist nicht die einzige Neuerung in der nächsten Saison.

Spielzeitmotto: Gibt es nicht, aber doch einige „inhaltliche Schienen“, wie es der Intendant formuliert. Es geht um Grenzgänger, Gratwanderungen, Menschen, die etwas unternehmen – und dabei auch gerne mal scheitern.

Spielzeiteröffnung: Wie gesagt – ohne Fest. Dafür aber mit reichlich Schmelz: Ludger Engels, bis 2013 Chefregisseur und stellvertretender Intendant am Musiktheater, bringt Puccinis „Tosca“ auf die Bühne. Generalmusikdirektor Kazem Abdullah dirigiert. Premiere ist am 13. September.

Gutes Sitzfleisch: Kann im Theater nie schaden. Zwei Großproduktionen werden zur Belastungsprobe, man darf trotzdem überaus gespannt sein. Abdullah führt durch den „Tannhäuser“; es ist die erste komplette Wagner-Oper seiner Karriere. Mario Corradi („Wir wollten keinen deutschen Regisseur“, sagt der Generalintendant) inszeniert; die Rollen werden aus dem Ensemble heraus besetzt.

Und dann der „Faust“ – erster und zweiter Teil! Komprimiert zwar, aber wohl immer noch viereinhalb Stunden lang. Christina Rast wuchtet der Deutschen Lieblingsstück auf die Bühne – die Tragödie eines modernen Mannes der Tat, der stets versucht und dabei auch mal abstürzt. Spaß soll es übrigens auch machen, versichert Chefdramaturgin Inge Zeppenfeld.

Schauspiel: Was soll man tun? Muss man was tun? Probleme gibt es doch genug auf der Welt. Oder doch lieber abwarten? Viele Schauspielproduktionen widmen sich irgendwie diesem Thema. Da ist auf der einen Seite Samuel Becketts „Warten auf Godot“, den Christian von Treskow als Körperstudie inszenieren will, auf der anderen Seite Stücke von Heiner Müller oder Maxim Gorki, die die Möglichkeit und Bedingungen einer Revolution ausleuchten.

In Ferdinand von Schirachs „Terror“ wird das Publikum zu Schöffen im Gericht. Ingrid Lausunds „Benefiz“ seziert den oft folgenlosen Betroffenheitskult, wenn es um den Umgang mit Flüchtlingen geht. Und selbst im Familienstück, dem „Satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch“ nach dem Buch von Michael Ende, geht es um die Folgen einer verflixten Tat.

Musiktheater: Von Barock bis Gegenwart – alles ist dabei. Der aus der auslaufenden Spielzeit verschobene „Orlando“ beendet den Händel-Zyklus, von Abdullahs verehrten Tschechen gibt es Smetanas „Die verkaufte Braut“, die allerdings der erste Kapellmeister Justus Thorau dirigiert. Als deutsche Erstaufführung kommt „Au Monde“ des belgischen Komponisten Philippe Boesmans auf die Bühne im Großen Haus – eine preisgekrönte Oper, die sich an der französischen Musik des frühen 20. Jahrhunderts orientiert, dabei aber eine ganz eigene Sprache entwickelt, wie der begeisterte Generalintendant schwärmt.

Für „La Tragédie de Carmen“, eine unter anderem von Peter Brook konzipierte Adaption des bekannten Stoffes, die sich vor allem an junge Menschen wendet, wird noch eine geeignete Spielstätte gesucht – am liebsten eine alte Fabrikhalle.

Uraufführungen: Drei Produktionen stehen unter diesem Label: ein musikalischer Abend über die Ex-DDR-, Ex-Punk- und aktuelle Esoterik-Ikone Nina Hagen, Thomas Melles „Partner“ – beides im Mörgens – sowie ein Tanzstück, das Joost Vrouenraets, Choreograph der „West Side Story“, in die Kammer bringt. Es geht um Gewalt, Hass, Ideologie, absolute Liebe. Irgendwie kann man auch Martin Goltschs „Projekt A – Aachen Nord: Engel zu mieten“ dazu zählen. Eine alleinerziehende Frau bietet ihre Dienste als Engel an. Das Ganze führt das Publikum nicht nur ins Ludwig Forum, sondern auch in angrenzende Geschäftsräume und Wohnungen.

Regisseure: Viele bewährte Kräfte inszenieren wieder in Aachen, dazu gibt es ein paar neue Namen: Hanna Müller und Thomas Ludwig im Schauspiel, Béatrice Lachaussée im Musiktheater. Auch die Regisseure von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und des Nina-Hagen-Abends werden ihren Einstand in Aachen geben.

Wiederaufnahmen: Nicht ganz so viele wie in den vergangenen Jahren, aber doch einige – vor allem aus dem Schauspiel. Und natürlich die „West Side Story“, die grandios läuft. Der andere Dauerbrenner „Tschick“ ist nicht mehr dabei.

Spielzeitheft: Das zeigt sich wieder in prächtigem Magazin-Format und voluminöser als sonst – was nicht an mehr Inhalt, sondern am dickeren Papier liegt.

Zahlen, Finanzen, Preise: Bei den Eintrittspreisen wird sich nichts ändern, bei der Abo-Struktur auch nicht. Verwaltungsdirektor Udo Rüber rechnet für das kommende Wirtschaftsjahr mit einem Defizit von knapp 600 000 Euro, das durch den Griff in den gut gefüllten Rücklagentopf ausgeglichen werden soll. Die anstehenden Tarifsteigerungen für die Beschäftigten schlagen mächtig ins Kontor. Für die aktuelle, bald auslaufende Spielzeit zeichnet sich ein Überschuss von 78.000 Euro ab. Rund 165.000 Gäste werden das Theater nach Hochrechnungen besucht haben – 15.000 mehr als in der Vorjahressaison.

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