Theater Aachen: Bayreuth prallt auf Flamenco

Von: Jenny Schmetz
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Gleich hüpft er wieder auf die Bühne: Regisseur Joan Anton Rechi bei den Proben zu „Ariadne auf Naxos“ im Theater Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Oper? Das ist doch diese lahme Kunstform, in der 200-Kilo-Tenor-Tonnen und eitle Primadonnen an die Rampe rollen und ewig Unverständliches trällern, die Hände zum Herzen, die Blicke zum Dirigenten – oder? Regisseur Joan Anton Rechi kennt natürlich diese ganzen Klischees. Und er wird lustvoll mit ihnen spielen.

Mit Richard Strauss' Oper „Ariadne auf Naxos“ will Rechi einen „ironischen Blick“ auf das eigene Metier werfen. Bereits zum dritten Mal arbeitet der gebürtige Andorraner am Aachener Theater. Dabei wird er mittlerweile von viel größeren Häusern engagiert – etwa der Rheinoper (zuletzt „Madama Butterfly“) oder dem Gran Teatre del Liceu in Barcelona (demnächst „Il trovatore“).

Aber der 48-Jährige hält Aachen die Treue – nicht nur, weil in der andorranischen Nationalhymne Karl dem Großen gehuldigt wird, wie der Glatzkopf mit der roten Brille und den roten Turnschuhen betont. „It‘s like coming home“, sagt er, wie „nach Hause zu kommen“. Rechi mag das Team, die „nette Atmosphäre“. Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn Rechi inszeniert, stimmt die Stimmung – nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch im Ensemble. Da wird gelacht und gejuxt.

Mit zwei komischen Rossini-Opern hat Rechi in Aachen für Publikumskracher gesorgt, an der auch die Kritiker kaum etwas auszusetzen hatten: 2011 ließ er Aschenputtel in „La Cenerentola“ vor mehr als 50 übereinandergestapelten Waschmaschinen bügelnd auf den Märchenprinzen warten. Beim „Barbier von Sevilla“ zwei Jahre danach lockte er den Figaro ins Fernsehstudio – frech, witzig, turbulent. Also: Comedy kann der Mann, aber auch Ernsthaftes?

Strauss' Oper mit der todessehnsüchtigen Ariadne hat schließlich nicht nur „funny moments“ zu bieten. Ja, vor diesem deutschen Repertoirestück in Deutschland, da habe er zunächst schon ein bisschen Bammel gehabt, gibt Rechi zu, der immerhin schon Strauss'  „Salome“ in Bogota zur Kolumbien-Premiere gebracht hat. Aber „Ariadne“ biete ja eine ganz besondere Mischung aus opera seria und opera buffa, also ernster und komischer Oper. Und neben „drama“ auch viele Comedy- und Show-Möglichkeiten, die er so mag.

Denn Strauss und sein Librettist Hugo von Hofmannsthal nehmen in „Ariadne auf Naxos“ genüsslich den eigenen Laden auseinander. Der reichste Mann von Wien beliebt anzuordnen, dass in seinem Haus eine lockere Tanzposse „serviert“ werden müsse – und zwar gleichzeitig mit dem Trauerstück „Ariadne“. Es muss halt was flotter gehen als geplant, das Feuerwerk wartet. In diesem Theater auf dem Theater prallen zwei Welten aufeinander – bei Rechi eine spanische Flamenco-Truppe und die deutschen Opernleute. Da sieht die Oper in der Oper dann ein bisschen aus wie eine Bayreuther „Walküre“ aus den 30er Jahren, aber im griechischen Stil, meint er. Also mit dicken Perücken und großen Gesten. Dazu ringt der Komponist die Hände, der natürlich an Richard Strauss himself erinnern darf.

Einen schlichten, fast leeren Salon mit fünf Türen hat Bühnenbildner Alfons Flores diesmal gebaut. „Aber da wird sehr viel passieren!“, verspricht Rechi, der in Barcelona Geschichte und Schauspiel studiert und bei Opernregie-Könnern wie Willy Decker, Robert Carsen, Herbert Wernicke und dem bildkräftigen Spanier Calixto Bieito assistiert hat. Selbstverständlich wolle er sich nicht nur lustig, sondern auch Werbung für die Gattung machen – besonders bei denjenigen, die nur die bekannten Opernklischees im Kopf haben, sagt der 48-Jährige. Und „Ariadne“ eröffne den perfekten Operneinstieg: super Show, großes Orchester, fantastische Arien, opulente Kostüme – und das Ganze ohne Pause in nur zwei Stunden.

Nächste Saison knöpft sich der Regisseur am Theater Aachen dann Mozarts „Don Giovanni“ vor. Okay, da geht´s um einen fiesen Verführer, Mord und Vergewaltigung – aber Señor Rechi findet da bestimmt auch ein paar „funny moments“.

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