Monschau - „The Photographers“ im KuK in Monschau: 130 Werke von 28 Künstlern

„The Photographers“ im KuK in Monschau: 130 Werke von 28 Künstlern

Von: Eckhard Hoog
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„The Photographers“ im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau: Gezeigt werden 130 Aufnahmen von 28 Fotografen, darunter auch Iggy Pop von Jens Boldt. Foto: Jens Boldt
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„The Photographers“ im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau: Gezeigt werden 130 Aufnahmen von 28 Fotografen, darunter auch diese Modeaufnahme „The Bicyclers“ von Hermann Landshoff. Foto: Hermann Landshoff
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„The Photographers“ im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau: Gezeigt werden 130 Aufnahmen von 28 Fotografen, darunter auch Aufnahmen von Stephan Vanfleteren und seiner Ausstellung „Belgicum“.
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„The Photographers“ im Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion Aachen in Monschau: Gezeigt werden 130 Aufnahmen von 28 Fotografen, darunter auch Werke von Anton Corbijn.

Monschau. Fast nackt, die Blöße nur bedeckt von einer Leinenwindel – ein Blick, der ins Leere geht: David Bowie, aufgenommen 1980 in der Garderobe eines Theaters in Chicago, wo er gerade den „Elephant Man“ gespielt hat. Nicht nur körperlich nackt erscheint er in diesem Moment. Völlig in sich zurückgezogen und schutzlos gibt er sein Innerstes preis.

Ein tiefernster Mensch, der zerbrechlich wirkt. Authentischer als dieses könnte ein Porträt kaum mehr ausfallen – es ist eines der Lieblingsbilder von Anton Corbijn, dem niederländischen Fotografen und Filmregisseur. Gerade ist er 60 geworden – und er hatte sie alle vor der Linse: Stars wie Mick Jagger ebenso wie Naomi Campbell, Luciano Pavarotti oder Herbert Grönemeyer. Entstanden sind dabei stets außergewöhnliche, hochsensible Porträts.

David Bowie wie in Jesuspose – das ist auch ein Lieblingsbild von Nina Mika-Helfmeier, der Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums der Städteregion Aachen (KuK) in Monschau. Es ist eine von insgesamt 130 Aufnahmen von 28 Fotografen, die sie ab kommenden Sonntag unter dem Titel „The Photographers“ präsentiert.

Zuletzt 12.000 Besucher

Kaum, dass die Vivian-Maier-Ausstellung abgebaut ist, bietet das KuK schon wieder eine Foto-Schau der Superlative an. Aber die sagenhafte Zahl von 12.000 Besuchern in gerade mal fünf Wochen wie zuletzt bei dieser amerikanischen Jahrhundert-Entdeckung ist kaum noch zu toppen. Damit hat das KuK dann aber auch seine Grenzen erreicht, wie Nina Mika-Helfmeier gerne zugibt. Bei den „Photographers“ darf es ruhig etwas entspannter zugehen – die Ausstellung dauert bis zum 19. September und damit gut drei Monate.

Zweieinhalb Jahre haben die Vorbereitungen dafür gedauert – eine kolossale Arbeit, von weltberühmten Fotogrößen wie Anton Corbijn, Helmut Newton, Jim Rakete und wie sie alle heißen, aus aller Herren Länder Werke zusammenzutragen und eine solche Ausstellung zu organisieren.

„Es sind alles meine Lieblingsfotografen“, erklärt die KuK-Leiterin, die dank ihrer besten „Vernetzung“, wie man heute zu sagen pflegt, und ihres erstklassigen Renommees breite Unterstützung von den ersten Adressen erfahren hat. Mit im Boot sitzen diesmal das Münchner Stadtmuseum, die Agentur Magnum in Paris, Berliner und französische Galerien sowie sieben europäische Sammler, die es bevorzugen, nicht namentlich genannt zu werden.

„Es geht darum, einmal die ganze Vielfalt der Fotografie zu zeigen“, sagt die Leiterin der Stabsstelle Kultur bei der Städteregion Aachen. Die gesamte Bandbreite in fünf Kategorien: Porträt, Reportage/Dokumentation, Akt-, inszenierte und Mode-Fotografie.

Kraftwerk – die Düsseldorfer Band hat ihre künstliche Musik bei ihren Auftritten fast immer mit künstlerischen Bühnenbildern unterstrichen, zum Beispiel mit lebensgroßen Puppen ihrer selbstwie aus dem Wachsfigurenkabinett. Anton Corbijn entdeckte sie Anfang der 80er Jahre nach einem Kraftwerk-Konzert in Barcelona hinter den Kulissen und proträtierte die Puppenköpfe in Nahaufnahmen.

Später sagte er: „Diese Fotos charakterisieren gewissermaßen die Musik und die Eigenart von Kraftwerk. Obwohl sie künstliche Gegenstände sind, erschienen sie mir doch sehr menschlich.“

Ikonen wie diese gehören zu der Ausstellung ebenso wie jene berühmte Aufnahme von Ian Curtis, dem Sänger und Gitarristen der englischen Post-Punk-Band Joy Division. Sie entstand 1979 wenige Monate vor dem Freitod des Musikers und wirkt im Nachhinein wie ein hellseherisch eingefangener Moment:

Curtis, depressiv vornübergebeugt, mit hängendem Kopf, die qualmende Zigarette teilnahmslos in der Hand haltend – Corbijn gelingt es, auf unnachahmliche Weise in ganz bewusster Manier, alle Regeln einer perfektionistischen Fotografie zu missachten, um verborgene Wesens- und Charakterzüge in seinen Porträts aufzudecken. Noch nie gezeigt: eine Aufnahme des jungen Sting, grüblerisch-versonnen, wie in einem unbeobachteten Augenblick „erwischt“. Seit 20 Jahren kennt Nina Mika-Helfmeier Anton Corbijn persönlich – die Faszination ist ungebrochen.

Als „eine Reise durch ein vernarbtes Land, das in der Suche nach einer unauffindbaren Identität gefangen ist, aber mit der melancholischen Seele einer 177 Jahre alten Nation ausgestattet ist“ – so bezeichnet der belgische Fotograf Stephan Vanfleteren sein großes Projekt „Belgicum“. Er gibt seinem Heimatland ein Gesicht – in der Summe gesammelter Charakterköpfe, oftmals Menschen am Rande der Gesellschaft, in deren Gesichtern sich das schwere Leben in tiefe Furchen eingegraben hat. Das sind beeindruckende Momentaufnahmen des ganz gemeinen Alltags, der doch stets das ganz Besondere in sich birgt – man muss nur hinsehen können.

Keith Richards, Dennis Hopper, John Malkovich und wie sie alle heißen – ihnen begegnet man in den außergewöhnlich qualitätvollen Studio-Porträts der 1983 in Hamburg-Eppendorf von Hilaneh von Kories gegründeten Bildagentur Photoselection. Diese Aufnahmen dürfen in dem Kosmos der Fotografie nicht fehlen: Porträts berühmter Musiker, Models, Politiker, Sportler, Schriftsteller und Schauspieler.

Das breite Spektrum der Aktfotografie repräsentieren Helmut Newton, JockSturges, Horst P. Horst und Josef Breitenbach. Dabei werden durchaus auch gesellschaftliche Veränderungen spürbar, wechselnde Frauenbilder, wie sie in der Inszenierung „starker“, selbstbewusster Frauen etwa eines Helmut Newton zu beobachten sind.

Einer der ersten Modefotografen, der seine Modelle in ganz alltäglichen Situationen und im öffentlichen Raum ablichtete, war der Münchner Fotograf Hermann Landshoff. Er emigrierte im Jahr 1933 zunächst nach Paris, 1940 in die USA. Dort entwickelte er seinen ganz eigenen Stil, heute gilt er als wegweisender Erneuerer der Bildsprache der Modefotografie nach 1945.

Beeindruckend Annegret Soltau als Repräsentantin einer inszenierten Fotografie, die sich selbst immer wieder zum Modell nimmt. Fotografieren als Selbsttherapie – auch das ist eine Möglichkeit dieser unvergleichlichen Kunst. Das schwierige Verhältnis zur eigenen Mutter, die ihr uneheliches Kind verleugnet hat, kehrt als Thema der Selbstvergewisserung wieder in Selbstporträts mit symbolgeladenen Gegenständen: schwarzem Garn zum Beispiel, als Umschreibung zwischenmenschlicher Verbindungen und Abhängigkeiten. Und so gibt es eine Menge Spannendes zu entdecken in der Schau „The Photographers“ – ein absolutes „Muss“ für Freunde der Fotografie.

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