Tempo und viel Getöse: „Nina Hagen − Fürchtet Euch nicht“ im Mörgens

Von: Christina Merkelbach
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Irgendwie sind wir alle Nina Hagen: Elke Borkenstein, Benedikt Voellmy, Samuel Reissen, Malcolm Kemp, Nele Swanton und Lara Beckmann (im Uhrzeigersinn) im Mörgens. Foto: Carl Brunn

Aachen. Die schwarzen Pumps landen auf dem pinkfarbenen Teppich. Weg mit den Schuhen, weg mit dem T-Shirt, weg mit den Regeln! Immer her mit dem Mikrofon! Schreien, brüllen, kreischen, begleitet von E-Gitarre und Schlagzeug. Jetzt herrscht Anarchie.

Barfuß, in hautenger schwarzer Hose und schwarzem Lederbustier beweist Nina Hagen (Lara Beckmann) im Mörgens, warum sie als „Mutter des deutschen Punk“ gilt. Aber die schrille, stimmgewaltige Berlinerin hat noch viel mehr Gesichter, ist noch so viele Ninas mehr. Davon kann man sich in der Uraufführung „Nina Hagen − Fürchtet Euch nicht“ überzeugen.

Die Regisseurin Antje Prust und der musikalische Leiter Malcom Kemp haben eine gleichermaßen hörens- wie sehenswerte Hommage geschaffen. Wer Fakten aus Hagens Leben will, sollte allerdings andere Quellen nutzen. Statt sich an biografischen Daten entlangzuhangeln, springt der Abend mit viel Getöse und Tempo zwischen den zahlreichen Ninas hin und her.

Die vielen Sprünge finden sich auch im Bühnenbild wieder, für das Ausstatterin Emma Adler ein zackenartiges Gebilde aus Spiegeln konstruiert hat, um das sich die Darsteller zeitweise drapieren und in ihrem eigenen Anblick versinken. Am Rand der Spielfläche wuchern die Zackenspiegel über Stufen hinauf zu einem Altar, über dem Neonröhren zu einem Halbkreis angeordnet sind. Am anderen Ende sitzen die Musiker Malcom Kemp und Samuel Reissen mit Schlagzeug, Gitarre und Keyboards vor einer verspiegelten Wand. In der Mitte baumeln Mikrofone von der Decke.

Die vier Schauspieler (Lara Beckmann, Elke Borkenstein, Nele Swanton und Benedikt Voellmy) säuseln, rufen, quaken und krakeelen mal solo, mal miteinander Auszüge aus Liedern und Zitate von Nina Hagen. Erst ganz in Schwarz mit Goldstaub in den Haaren, dann in mehreren Tutus und mit bunter Schminke, die im Schwarzlicht leuchtet, fordern sie sich stimmlich und körperlich.

Der wütend-wahnsinnigen Punkerin kommt Elke Borkenstein am nächsten. Zuckend robbt sie auf dem Rücken über den Teppich, reißt ein Mikrofon an sich und brüllt hinein: „Ich piss‘ dich an. Ich bin dein Hund.“ Lara Beckmann presst wie unter dem Eindruck einer spirituellen Erfahrung vier Mikrofone an ihren Kopf und spricht mit Kinderstimme einen dieser typischen Hagen-Sätze, in denen sie Deutsch und Englisch mischt: „The clouds are not so zahlreich als der Tag before.“

Nach gut 45 Minuten endet dieser lustige und skurrile musikalische Abend mit starkem Applaus.

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