Temperament und Konzentration beim Sinfoniekonzert

Von: Alfred Beaujean
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Aachen. „Westwärts” lautete das Motto des Eröffnungskonzertes der neuen Spielzeit der Aachener Sinfoniekonzerte im Eurogress. Ein wenig mysteriös, wenn drei der Komponisten auf dem Programmzettel aus dem Osten kamen und der Gastdirigent zumindest der Abstammung nach aus dem Süden.

Wie dem auch sei: Die Bekanntschaft mit dem jungen Amerikaner Kazem Abdullah, der in den USA bereits eine beachtliche Karriere machte und als Assistent von James Levine an der New Yorker Metropolitan Opera arbeitet, war lohnend. Ein Dirigent, der es versteht, seine Musiker zu entfesselter Spielfreude und höchster Konzentration zu animieren; der ihnen Raum zu freier Entfaltung, zu musikalischem „Atmen” gibt, der aber dennoch die Zügel fest in der Hand hält. Vor allem die Bläser-Solisten profitieren von dieser Art der Führung.

Mögen diese Qualitäten im Falle der „Symphonie classique”, diesem Geniestreich des jungen Prokofjew, noch nicht voll zur Entfaltung gekommen sein - starke dynamische Kontrastsetzung statt elegantem Spielwitz -, so war dies umso mehr bei Tschaikowskys 5. Symphonie der Fall. Bei aller Temperamentsentfaltung setzte Abdullah keineswegs auf billige Effekte, sondern auf Differenzierung selbst im gefährlichen Finale.

Sehr klug gehandhabte Rubati, die nie in gefälligen Manierismus ausarten, dynamische Differenzierung und straffes Durchziehen des Finales bei Betonung des Rhythmischen, das alles zeichnete eine Aufführung des vielgeschundenen Werkes aus, die ihm seine symphonische Dignität zurückgab. Ein gelegentliches Abdämpfen des schweren Blechs wäre freilich wünschenswert gewesen. Immerhin: Wenn ein Orchester dem Dirigenten bereits bei seinem Erscheinen nach der Pause Beifall zollt, so sagt das alles.

Solist war der Alt-Saxofonist Daniel Gauthier, der im späten Konzert von Alexander Glasunow seiner blendenden Virtuosität freien Lauf ließ und sich in der Rhapsodie von Claude Debussy, die Roger-Ducasse instrumentierte, sehr tonschön in das impressionistische Klanggewebe einfügte, das Abdullah raffiniert zu entfalten wusste.

Ein eindrucksvoller Konzertabend, ein Fest für das hervorragend musizierende Aachener Sinfonieorchester.
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