Maastricht - Tefaf Maastricht: „Irrsinnige Raritäten haben ihren Preis“

Tefaf Maastricht: „Irrsinnige Raritäten haben ihren Preis“

Von: Eckhard Hoog
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Ein Wachmann beschützt dieses kostbare Werk auf der Tefaf in Maastricht: die „Metallic Venus“ des amerikanischen Künstlers Jeff Koons. Für zehn Tage öffnet die Tefaf Maastricht ab heute ihre Pforten. Erwartet werden 80 000 Besucher, davon 70 000 Privatsammler. Foto: dpa
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Blick in die Koje einer jungen Galeristin: In edel wirkender Atmosphäre kommt die Kunst auf der Tefaf besonders gut zur Geltung.

Maastricht. Vor zwei Jahren kam Brad Pitt. Rod Stewart ist früher auch schon hier gesichtet worden, und Modezar Calvin Klein lässt sich eigentlich immer mal blicken: Die Tefaf in Maastricht ist jedes Jahr für Überraschungsgäste gut. Womöglich schneit in diesem Jahr sogar Madonna herein – ausgeschlossen jedenfalls ist das nicht: Immerhin sammelt der amerikanische Superstar – was auch sonst – Madonnen! Exemplare von altmeisterlicher Künstlerhand geschaffen.

Das hat uns am Donnerstag Blanca Bernheimer auf der Tefaf verraten, die Tochter von Konrad Otto Bernheimer. Der betreibt in München in vierter Generation eine der führenden Kunsthandlungen der Welt. Spezialgebiet: alte Meister, 16. bis 19. Jahrhundert. „Mein Vater hat sie in New York getroffen“, erzählt Blanca Bernheimer, die in der väterlichen Galerie die eigene Abteilung Fine Art Photography leitet und damit den Fortbestand des traditionsreichen Unternehmens in der fünften Generation garantiert.

Der Parkplatz für Privatjets am Aachen-Maastricht-Airport wird sich also wieder füllen – um die 120 sind es für gewöhnlich –, wenn die Tefaf heute für zehn Tage ihre Pforten öffnet. 260 Kunst- und Antiquitätenhändler aus 20 Ländern bieten zum 26. Mal an der Maas ihre bis zu millionenschweren Preziosen an. Alte Meister, moderne und zeitgenössische Kunst, Antiquitäten, Juwelen und Schmuck, außereuropäische Kunst, Antiken und Design – 30 000 streng begutachtete Objekte aus 6000 Jahren warten hier in edel inszeniertem Rahmen auf neue Besitzer. Der Umsatz liegt im Milliardenbereich.

Das Publikum? Bei einem Eintrittspreis von 55 Euro jedenfalls nicht Hinz und Kunz, sondern 70 000 Privatsammler aus 50 Ländern und Abgesandte von gut und gerne 200 der bedeutendsten Museen der Welt. Die restlichen 10 000, die jedes Jahr die nach Traummeilen wie den Champs Elysées benannten Gänge bevölkern, dürften dabei unter die Kategorie Zaungäste fallen.

Wie aber treibt man heute noch Raritäten vom Schlage eines Rubens, Cranach oder Isaac van Os-tade auf, um sie in den Handel zu bringen? Bernheimer, der 2002 auch die mittlerweile 250 Jahre alte Londoner Kunsthandlung Colnaghi übernahm, plaudert aus dem Nähkästchen: „Woher das stammt? Aus Privatsammlungen!“ Sein Rubens kam von einer Schweizer Familie, ebenfalls der van Os-tade, der Cranach von einer neuseeländischen Familie.

Spanien und überhaupt die südeuropäischen Länder sind als Liefergebiete für alte Meister in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Der Grund – man ahnt es schon: Die Eurokrise lastet offenbar schwer auf dem Vermögen manch gut betuchter Familie. Allein: Die Preise werden durch das gewachsene Angebot keineswegs gedrückt. Bernheimer: „Die Spitzenstücke sind irrsinnig selten. Damit ist kein Schnäppchen zu machen.“ Die Winterlandschaft von Isaac van Ostade (1621-1649), dem alten Haarlemer Meister, kostet 785 000 Euro. Immerhin: im Vergleich zu einem der teuersten Objekte der Messe, einem Männerporträt von Velazquez, das Otto Naumann (New York) für 14 Millionen Dollar anbietet, eigentlich doch noch ein Schnäppchen.

Bei Walter Senger findet sich die junge Vertreterin einer deutschen Bank ein. Ein Gemälde und eine mittelalterliche Skulptur sind ihr am Stand des alteingesessenen Händlers aus Bamberg ins Auge gestochen. Sie erkundigt sich nach den Preisen. Senger erklärt uns: „Banken vermitteln heute Kunstwerke an ihre Kunden.“

Sammler werden bevorzugt

Wenn also jemand wünscht, einen gewissen Teil seiner Einlage für Kunst auszugeben, gehört es zum Service manchen Geldinstituts, entsprechende Kontakte herzustellen.

Allerdings: „An Spekulanten verkaufe ich nicht“, sagt Senger, der Peter Ludwig gut gekannt und der ihn noch drei Wochen vor seinem Tod in Bamberg aufgesucht hat. Zwei Madonnen hatte er bereits früher bei ihm für das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum erworben. Senger verkauft nur an Privatsammler. „Das sind Bewahrer, die haben Freude an der Kunst.“ Wobei der nicht zu vernachlässigende Vorteil bei alten Meistern darin besteht, dass sie ihren gesicherten Wert behalten. „Wenn Sie 50 000 Euro für ein zeitgenössisches Werk bezahlen, ist das in dieser Hinsicht schon riskant.“

Für Senger wie für Bernheimer ist die Teilnahme an der Tefaf ein absolutes Muss, das nicht nur „adelt“, sondern auch den Kontakt garantiert zu Sammlern aus aller Welt. „Hierher kommen sie alle.“

Ob aber die gut drei Meter hohe, blau-glänzende „Metallic Venus“ von Jeff Koons bei der unhandlichen Größe in Privatbesitz übergeht, dürfte mehr als fraglich sein. Vor allem bei dem offenbar gesalzenen Preis: Das gute Stück wird eigens von einem kräftigen Mann bewacht. Die New Yorker Galerie Gagosian wollte auf Nachfrage den Preis nicht verraten. „Nur bei ernsthaftem Interesse“, hieß es.

Weltweit soll der Kunsthandel 2012 um sieben Prozent auf 43 Milliarden Euro geschrumpft sein. Die Händler der Tefaf Maastricht beteuern: „Hier ist davon nichts zu merken.“

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