Maastricht - Tefaf eröffnet: 270 Händler bieten Kunstwerke aus 7000 Jahren an

Tefaf eröffnet: 270 Händler bieten Kunstwerke aus 7000 Jahren an

Von: Eckhard Hoog
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Eines der teuersten Werke auf der Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht: „Le Miroir“ von Paul Delvaux auf dem Stand Landau Fine Art. Das Gemälde wird für 22 Millionen Euro angeboten. Foto: Oliver Berg/dpa
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Ein Monet ist auch wieder im Angebot: „Paysage“. Bis zum 20. März werden auf der Tefaf im Kongresszentrum MECC in Maastricht rund 75 000 Besucher erwartet, überwiegend Sammler aus aller Welt.

Maastricht. Wo Multimillionäre shoppen gehen... Seit Donnerstag richtet sich der Aachen-Maastricht-Airport für die nächsten zehn Tage auf den Anflug von mindestens 350 Privatjets ein. Die Tefaf ruft – und Sammler aus aller Herren Länder werden gelockt wie die Motten vom Licht.

270 Händler aus 20 Ländern bieten diesmal, bei der 27. Ausgabe der wichtigsten Kunst- und Antiquitätenmesse der Welt, Kunstwerke aus 7000 Jahren Kulturgeschichte an. Alte Meister, moderne und zeitgenössische Kunst, Antiquitäten, Juwelen und Schmuck, außereuropäische Kunst, Antiken und Design – über 30.000 streng begutachtete Objekte warten hier auf neue Besitzer. Der Umsatz liegt im Bereich Hunderter Millionen.

Deko deutlich abgerüstet

Deutlich abgerüstet haben in diesem Jahr Veranstalter wie Teilnehmer in Sachen Dekoration und Ausstellungsarchitektur – ob als Sparmaßnahme oder einfach als Zugeständnis an den Modetrend, mag dahingestellt sein. Auf Anfrage wird jedenfalls von allen Seiten auf einen „frischen, modernen Look mit klaren Linien“ verwiesen. Polierte weiße Marmorplatten mit zwei vergleichsweise zurückhaltenden, wenngleich immer noch monumentalen Blumenarrangements dominieren nun das Entree. Und selbst die barockumrahmten Alten Meister oder das königliche ehemalige Schlossmobiliar findet sich heute nicht mehr in einem opulent ausgestatteten Dekorationsambiente, sondern vor den grauen Wänden einer sachlich-kühlen Noblesse.

„Die Gestaltung ist sparsamer“, sagt Daniel Blau, München, einer der wenigen Fotografie-Händler auf der Tefaf. „Im Vordergrund steht, die Kunst selbst sprechen zu lassen.“ Allerdings verschweigt er nicht, dass es zwei amerikanische Fachkollegen in diesem Jahr vorgezogen zu haben, Maastricht fernzubleiben. Der eine davon hatte dermaßen viel Geld in seine Standarchitektur investiert: „Das war kein gutes Geschäftsmodell.“

Sparen werden die Gäste aus Übersee, sei es der Atlantik oder das chinesische Meer, jedenfalls nicht. Dass die offizielle englischsprachige Website www.tefaf.com auch in einer chinesischen Version abrufbar ist, spricht Bände. Bereits Donnerstagmittag trafen unverkennbar große Gruppen aus dem Reich der Mitte zur Vernissage ein. Womöglich nimmt einer von ihnen das zweieinhalbtausend Jahre alte bronzene Jian-Handwaschbecken aus der alten Heimat mit, das Vanderven Oriental Art für zwei Millionen Euro anbietet.

Surrealisten sind offenbar im Kommen, allen voran Paul Del- veaux (1897-1994), von dem gleich mehrere Schätzchen ziemlich hochpreisig auftauchen: einmal das Ölbild „La grande allée“ für 3,3 Millionen Euro, dann noch das gut 30 Jahre ältere Werk „Le Miroir“ von 1935, das denn auch 22 Millionen Euro kosten soll. Erstaunlicherweise soll es erst vor einem Jahr gerade mal zehn Millionen bei Sotheby’s erzielt haben.

Die Preisentwicklung ist irrational, zumal bei der modernen, mindestens bei der zeitgenössischen Kunst. Das weiß keiner besser als Konrad Otto Bernheimer. Der betreibt in München in vierter Generation eine der führenden Kunsthandlungen der Welt. Spezialgebiet: Alte Meister, 16. bis 19. Jahrhundert. Auch dieses Jahr hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Das ist doch ein verrücktes Niveau“, sagt er. „Gegenüber den Zeitgenossen ist ja mancher fantastische Alte Meister geradezu ein Schnäppchen.“ Für ihn keine Frage: alles nur eine „Bubble“, die allmählich platzen wird. Der Weltkunstmarktbericht, den die Tefaf einen Tag zuvor vorgelegt hatte, gibt Bernheimer recht: „Die Privatverkäufe von europäischen Alten Meistern zogen 2015 besonders stark an“, heißt es da. Ein solider Markt.

Bislang unbekannter Rembrandt

Während gleichzeitig aber die Auktionsverkäufe in dem Bereich einen Einbruch erlebten – ein kompliziertes Geschäft. In dieser Sektion gibt es jedenfalls keine aberwitzigen Auktionsrekorde wie die über 120 Millionen Euro für zwei Drucke von Andy Warhol aus dem Aachener Spielcasino.

Ein besonderer Leckerbissen für die Fans meisterlichen Altöls sei bei Talabardon & Gautier empfohlen: ein bislang unbekannter Rembrandt, den das Malgenie noch als 18- oder 19-jähriger Jüngling geschaffen haben soll: „Der ohnmächtige Kranke“. 2015 wurde das Gemälde bei einer Versteigerung noch einer „kontinentalen Schule, 19. Jahrhundert“ zugeschrieben. Die Galerie ließ das Werk aufwendig restaurieren – und siehe da: Eine für den frühen Rembrandt typische Signatur soll zum Vorschein gekommen sein.

Aber die Malerei ist ja nur einer von vielen Teilen, wenn auch mit der bedeutendste der Tefaf. Allein die größte Sektion, Antiques, mit all den römischen Halsketten oder florentinischen Barockskulpturen würde jeden Besucher an den Rand der Erschöpfung bringen, wollte der auch nur annähernd alle Preziosen hier besichtigen.

Das Publikum? Bei einem Eintrittspreis von 60 Euro (inklusive Katalog) jedenfalls nicht Hinz und Kunz, sondern geschätzte 65.000 private Sammler aus 50 Ländern und Abgesandte von gut und gerne 200 der bedeutendsten Museen der Welt. Die restlichen 10.000, die jedes Jahr die nach Traummeilen wie den Champs Elysées oder der Bondstreet benannten Gänge bevölkern, dürften dabei unter die Kategorie Zaungäste fallen.

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