Symposium der Posaunenvereinigung: Ganz unverkrampft und locker

Von: Laura Beemelmanns
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„Ein runder Klang, voll aus dem Saft“: Carsten Luz spielt und lehrt Posaune mit Leidenschaft. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Gelassen, kommunikativ, humorvoll. Halt fröhliche Typen, die immer als Letzte nach Hause gehen. So beschreiben sie sich selbst: die Posaunisten. Carsten Luz ist so ein Typ. Das muss nicht zwangsläufig an dem Instrument liegen, das er spielt. Aber es trägt dazu bei.

„Das Gefühl, wenn man Posaune spielt, ist unbeschreiblich. Man atmet gut, steht gut und bringt den Körper zum Klingen“, sagt Luz. Und da er nicht nur Posaunist im Gürzenich Orchester Köln ist, sondern auch Dozent für Posaune am Standort Aachen der Musikhochschule, will er dieses Gefühl weitergeben. Gelegenheit dazu besteht beim Symposium der Internationalen Posaunenvereinigung (IPV), das vom 27. bis 30. März erstmals in Aachen stattfindet. Luz leitet den künstlerischen Teil der Veranstaltung.

„Das gibt mächtig Lärm“

„Wir hier in Aachen sind sehr stolz darauf, dass das Symposium in unserer Hochschule stattfindet. Das gibt mächtig Lärm, wenn alle gleichzeitig spielen“, sagt Prof. Herbert Görtz, Geschäftsführender Direktor der Hochschule in Aachen. Es werden vier Tage, die voll und ganz im Zeichen des Blechinstruments stehen. „Ein Riesenevent in Posaunenkreisen“, sagt Görtz – für Jung, Alt, Laie und Profi. Jeder soll etwas davon haben.

Und vielleicht entdeckt sogar jemand das Instrument für sich. Denn Posaunisten werden händeringend gesucht, Nachwuchswerbung tut Not. Ein guter Anlass, um Konzerte mit Posaunisten aus ganz Deutschland zu veranstalten, bei denen jeder zuhören darf – auch ohne Posaunist zu sein. Aber auch Workshops und Einzelunterricht gehören zum Programm.

Ein Thema, das Luz besonders am Herzen liegt, ist die Körperarbeit. Damit will er Fehlstellungen der Musiker korrigieren beziehungsweise Präventionsarbeit leisten. „Jeder Musiker sollte bis ins hohe Alter schmerzfrei musizieren können“, sagt er. Die Posaunisten sollen lernen, wie sie richtig stehen, ihre Rückenmuskulatur stärken und die Schultern richtig bewegen. Denn nur wer mit einem guten Körpergefühl spielt, ist entspannt. „Mit einem Krampf im Körper kann nichts gut klingen“, sagt Luz.

Auch Lampenfieber und mangelnde Bühnenpräsenz gehören mit zu den Problemfeldern, die bearbeitet werden. Deshalb werden in den vier Tagen Yoga und Dispokinesis, eine speziell für Musiker und Bühnenkünstler entwickelte Therapieform, angeboten. Auch mangelnde Bühnenpräsenz ist ein Thema. „Nicht jeder ist die klassische Rampensau“, sagt Luz.

Das Symposium soll also dabei helfen, der Posaune gerecht zu werden. Schließlich sei die „ein biblisches Instrument. Aber leider auch ein Spätentwickler in der Geschichte. Die Komponisten haben sie etwas stiefmütterlich behandelt“, sagt Luz. Für Posaunisten werde es erst ab der Spätromantik interessant. Vielleicht steht das Instrument auch deshalb nicht gerade unter Kult-Verdacht.

Einen „David Garrett der Posaunen“ wird es wohl eher nicht geben. Aus gutem Grund: „Die Posaune ist ein Herdeninstrument“, sagt Luz. Die Musiker müssen aufeinander hören, miteinander arbeiten. Solisten gibt es nur wenige. Kein Problem für eine Herde. Ein Problem ist eher, dass viele Menschen, die mit dem Unterricht beginnen, schnell wieder abbrechen. „Der Anfang bei der Posaune ist schwieriger als bei der Trompete. Es gibt kein richtig oder falsch am Anfang“, sagt Luz.

Einen ersten Ton kriege man aber schon nach dem ersten Unterricht raus. Mit einem guten Klang habe das dann noch nicht viel zu tun. Aber wenn man dann mal so weit ist, dann ist der Posaunenklang „der totale Wahnsinn“, sagt Görtz. „Ein runder Klang, voll aus dem Saft.“ Wenn man den einmal gehört hat, versteht man, warum Luz so leidenschaftlich gerne über die Posaune spricht – und sie spielt.

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