„Summer of Love“ im Das Da Theater: Politisch, musikalisch, modisch

Von: Sarah Sillius
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Die Frisur sitzt, die Schlaghose auch: Mit der Revue „Summer of Love“ entführt das Aachener Das Da Theater in die 60er Jahre. Foto: Wilfried Schumacher

Aachen. „Laika“ sitzt in ihrer Weltraumkapsel, blickt auf die Erde und kann kaum glauben, was dort vor sich geht: Vietnamkrieg, Rassismus, Studentenbewegung und Flower-Power. Die Hündin, die Ende der 50er Jahre als erstes Lebewesen ins All gejagt wurde, beamt sich per Videoprojektion auf die Bühne des Aachener Das Da Theaters.

In der Revue von Georg Kistner und Christoph Biermeier begleitet die sprechende Weltraumhündin die Zuschauer auf eine rasante Zeitreise durch die wilden Sechziger.

Spielort des „Summer of Love“ ist ein überdimensionaler Kassettenrekorder (Bühnenbild: Frank Rommerskirchen). Hier trennen sich die Wege der Aachener Abiturienten Reiner (Tobias Steffen), Hilde (Elena Lorenzon) und Ute (Mareike Voß): Hilde schließt sich der Studentenbewegung an und zieht in die Berliner Kommune des linkspolitischen Aktivisten Rudi (Toni Gojanovic), während Ute eine Stelle als Übersetzerin bei der US-Armee annimmt und sich in den Amerikaner John (Simon Berhe) verliebt. Reiner hingegen bleibt in der Heimat, um einfach nur Musik zu machen.

Während die Schauspieler auf dem Kassendeck tanzen, spielt in den Boxen die Live-Band rund um Christoph Eisenburger. Mit Elvis Presley, den Rolling Stones, B.B. King, Percy Sledge, Jimmy Hendrix, Ray Charles, Bob Dylan, Janis Joplin und sogar Heintje treffen die verschiedensten musikalischen Strömungen der Zeit hart aufeinander.

Auch politisch geht es zur Sache: Die Hauptfiguren werden immer mehr zum Teil der gesellschaftlichen Umwälzung. Sie wollen sich von der Nazi-Vergangenheit, den autoritären Strukturen und dem Spießbürgertum ihrer Eltern lösen. Die Flucht vor dem „Muff von 1000 Jahren“ führt Ute schließlich ins Hippie-Mekka San Francisco, während Hilde in die linkspolitische Szene in Berlin eintaucht. Elena Lorenzon blüht in ihrer Rolle als „wilde Hilde“ nicht nur gesanglich auf. Hin und hergerissen zwischen Großstadt und Aachen, Freiheit und Heimat, Abenteuer und Sicherheit, spiegelt ihre temperamentvolle Darbietung die verschiedenen Sehnsüchte dieser Zeit wider. Dazu gibt es nicht nur Klassiker wie „The Letter“, „All My Loving“ oder „Piece Of My Heart“, Regisseurin Maren Dupont integriert vielmehr eine ganze Collage aus authentischen Bildaufnahmen (Videoprojektionen: Achim Bieler) – vom Bau der Berliner Mauer, dem Kennedy-Attentat, der Anti-Schah-Demonstration und der Black-Power-Bewegung bis hin zum Woodstock-Festival.

Eine unterhaltsame Hommage an die Hippie-Zeit. Und nicht nur was für Alt-68er!

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