Stimmungsvoll, melancholisch und heiter

Von: Susanne Schramm
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Gelernt ist gelernt: Mit ihrer Stimme und ihrer Ausstrahlung zog die Schauspielerin bei der Lesung von Fitzgerald-Romanen im Kölner Schauspielhaus das Publikum in ihren Bann. Foto: Thomas Brill

Köln. Manchmal ist weniger mehr. Insofern fällt eine Veranstaltung wie diese umso angenehmer auf. Inmitten der diesjährigen lit.Cologne, die sich, auch abseits des traditionellen „Literatur-Marathons” (22 Stunden-Lesung), gerne in Überlänge inszeniert, ist der „F.-Scott-Fitzgerald” Abend im Schauspielhaus ein herausragendes Erlebnis.

Wenn Schauspielerin Maria Schrader (39), ihr Kollege Tom Schilling (27) und der Schriftsteller und Literaturkritiker Paul Ingendaay (48) den großen Gatsby treffen, dann trifft das mitten ins Herz.

Es gerät ebenso leise wie stimmungsvoll, melancholisch und heiter zugleich, ungemein erhellend und dabei menschlich anrührend, und - kommt mit gut 90 Minuten aus. Ohne, dass man dabei das Gefühl hätte, etwas sei vergessen worden.

Großartige Konzeption

Verantwortlich für die großartige Konzeption dieses großartigen Abends ist Paul Ingendaay. Der Kulturkorrespondent der FAZ, der in Madrid lebt und selbst schon, übers Feuilleton hinaus, literarischen Ruhm für sich verbuchen konnte, hat für die Lesungen Auszüge der Romane „Der große Gatsby” (1925), „Zärtlich ist die Nacht” (1934) und „Die Liebe des letzten Tycoons” (1941 unvollendet erschienen) sowie der Essay-Triologie „Der Zusammenbruch” (1945 posthum als Buch veröffentlicht) gewählt.

Aus den Hunderten von Kurzgeschichten, für die Fitzgerald, zu Glanzzeiten, von Zeitungen pro Stück 4000 Dollar (heute mal acht zu multiplizieren) bekam, erklingt keine Zeile.

Zu Recht, denn eben jene Romane waren es, die Fitzgerald zum feinfühligen Chronisten der fiebrigen, von Jazz getriebenen, Moderne zwischen den beiden Weltkriegen machten, und zum erklärten Vorbild solcher Schriftsteller wie Richard Yates und John Irving. Und die Essays sind die erschütternde Beichte eines Mannes, der am Ende ist, und genau darüber reflektiert.

Abwechselnd lesen Schilling und Schrader Passagen aus Fitzgeralds Texten, wobei besonders die klare, ruhige und sehr warme Stimme der Schrader in Bann zieht.

Dazwischen erzählt Ingendaay aus dem Leben des Autors, der 1896 in St. Paul, Minnesota (USA) geboren wurde, sehr früh sehr berühmt und sehr reich wurde, ein Liebling der High-Society, ein nimmermüder Partylöwe und ungemein attraktiver Kerl mit einer ungemein attraktiven Frau an seiner Seite.

Um dann, 1940 in Hollywood, mit gerade 44, zu sterben. Allein, gesundheitlich ruiniert, in der Liebe, im Leben und im Beruf gescheitert, „ein großer Bildhauer, der als Klempner eingesetzt wurde” (Billy Wilder).

Zuletzt schrieb er Drehbücher, um sich über Wasser zu halten. Nur eins davon wurde verwendet. Ingendaay muss ihn sehr lieben, diesen Fitzgerald, der „schrieb wie ein Engel, litt wie ein Hund und noch die Kraft hatte, darüber zu schreiben”. Denn mit Auszügen aus Briefen, Zitaten von Zeitgenossen und seinen Texten lässt er ihn als Menschen aus Fleisch und Blut vor uns erstehen, dessen kometenhafter Aufstieg und umso tieferer Fall uns zuinnerst berühren.

So zärtlich kann die Nacht sein, denkt man am Ende. Und nimmt sich vor „Der große Gatsby” noch einmal zu lesen. Oder zumindest die Verfilmung von 1974 mit Robert Redford und Mia Farrow noch einmal zu sehen.

Eine Zwischenbilanz: 90 Prozent der Veranstaltungen sind ausverkauft

Am achten von insgesamt zehn Tagen (12. bis 21. März) kann Europas größtes Literaturfestival eine durchweg positive Zwischenbilanz ziehen.

Über 90 Prozent der bisher 104 Veranstaltungen waren ausverkauft. Das gilt für ganz große Säle wie die Kölner Philharmonie (2200 Plätze) ebenso wie für ganz kleine wie das Arkadas-Theater (130 Plätze).

Abgesagt werden mussten lediglich zwei Veranstaltungen, bei Ausfällen aus terminlichen Gründen konnte schnell Ersatz gefunden werden.

Viele der Veranstaltungen schlugen auch den Bogen zu anderen Bereichen wie Film und Drehbuch, Internet und Video, Musik und Hörspiel. Sehr erfolgreich hat sich auch die lit.kid etabliert.

Als eigenständiger Bereich für die Leser von morgen, unter Federführung von Angela Maas, verbucht „das Festival im Festival” inzwischen ein Drittel aller Veranstaltungen für sich.

Auch die meisten der mehr als 50 Lesungen für die Zielgruppe vier bis 15 Jahre waren ausverkauft. Zum Beispiel die Veranstaltung der Komikerin Cordula Stratmann bei der „Lit.kid.Cologne”. Bevor sie aus dem Buch „Wilbur & Charlotte” von E.B. White vorlas, verteilte sie Plastikspinnen.
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