Aachen - Stilsicher und schlank: Bruckner zum Auftakt der Bachtage

Stilsicher und schlank: Bruckner zum Auftakt der Bachtage

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
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Imposante Kulisse: Das erste Chorkonzert der Aachener Bachtage fand in St. Michael statt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Musik des Erzkatholiken Anton Bruckner gehört nicht unbedingt zum täglichen Brot des Aachener Bachvereins. Umso gespannter durfte man auf Georg Hages Darstellung der 3. Messe in f-Moll sein, die das Herzstück des ersten Chorkonzerts im Rahmen der 42. Aachener Bachtage bildete.

Text gut verständlich

Straffe Tempi, ein klares, schlankes Klangbild, ein eher durchhörbarer als voluminös-weicher Chorklang, Stilsicherheit, Intonationsstabilität und eine gute Textverständlichkeit, soweit es die akustischen Verhältnisse in der voll besetzten Kirche St. Michael zulassen: All diese oft hervorgehobenen Tugenden des Aachener Bachvereins fanden sich auch in der jüngsten Bruckner-Interpretation wieder.

Allerdings ging durch diesen herben Ansatz einiges vom goldschimmernden Glanz des Werks verloren. Selbstverständlich schloss sich das erfreulich präzise agierende Aachener Bachorchester Hages Vorstellung an und verzichtete auf sanfte Mischklang-Ideale.

Ein Verzicht, durch den auf der anderen Seite manche harmonische oder stilistische Kühnheit des Werks mit ungewohnt schroffer Deutlichkeit hörbar wurde. Und zwar nicht nur in der Fuge im Gloria, sondern auch in den von Hage besonders fein ausgearbeiteten Schlüsselstellen des Credos im Umfeld der Passion und der Auferstehung des Heilands.

Hier offenbarte sich der Sinn des Textes so unmittelbar, dass man gern auf die eine oder andere Weihrauchschwade verzichten konnte. Dennoch: Auch wenn Hages Umgang mit dem späten Bruckner-Opus im Fahrwasser von Dirigenten wie Harnoncourt, Herreweghe & Co. nicht ganz neu ist, bleibt er immer noch gewöhnungsbedürftig.

Der vokale Löwenanteil kommt dem Chor zu, der die hohen und vielfältigen Anforderungen mit gewohnter Souveränität erfüllte. Dem Solistenquartett kommt eher die Rolle von Stichwortgebern zu. Die erfüllten die vier Sänger allesamt ohne Fehl und Tadel. So die Sopranistin Netta Or, die Mezzosopranistin Marion Eckstein, der kurzfristig eingesprungene Tenor Wolfram Wittekind und der Bassist Raimund Nolte.

Eingeleitet wurde der Abend mit einer von großer Ruhe durchzogenen Darstellung des „Schicksalslieds“ von Johannes Brahms, das sich stilistisch trotz aller Schönheit erheblich konservativer präsentierte als Bruckners große Messe.

Unter dem etwas unverbindlichen Motto der diesjährigen Bachtage, „Im Bann der Musik“, steht im 2. Chorkonzert am 6. Dezember um 17 Uhr in der Kirche St. Michael Händels „Alexanderfest“ auf dem Programm.

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