Stéphane Egeling: Mit neuer Gelassenheit zu neuen Zielen

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Ausgezeichnete Musiker zu Gast in Aachen: das Trio Lézard mit Stéphane Egeling, Stefan Hoffmann und Jan Creutz (v.l.). Foto: Michael Seidler

Aachen. Vor anderthalb Jahren wurden zwei Musiker des Aachener Sinfonieorchesters in Berlin mit je einem Echo-Klassik-Preis ausgezeichnet: Die Oboisten Blanca Gleisner und Stéphane Egeling erhielten die Auszeichnung als Mitglieder von Kammermusikensembles, in denen sie neben ihrer Tätigkeit im Orchester musizieren. Bei Egeling ist das das Trio Lézard, das seit 25 Jahren in unveränderter Besetzung spielt.

Die drei Musiker widmen sich besonders dem Erbe des Trio d’Anches de Paris, das 1927 von dem Fagottisten Fernand Oubradous gegründet wurde. Drei Holzbläser – Oboe, Klarinette und Fagott – in einem Trio: ein ungewöhnliche Besetzung. Wie das klingt, kann das Aachener Publikum beim nächsten Sinfoniekonzert erleben. Dort ist Stéphane Egeling mit seinen Partnern Stefan Hoffmann und Jan Creutz zu Gast. Zuvor beantwortete er Fragen unseres Redakteurs Hermann-Josef Delonge.

Herr Egeling, wie lebt es sich als Echo-Klassik-Preisträger? Hat sich für Sie und Ihr Trio Lézard seit der Preisverleihung 2015 etwas verändert?

Stéphane Egeling: Primär hat sich für uns im Anschluss an die öffentlichkeitswirksame Auszeichnung – immerhin ist der Echo der wichtigste und populärste deutsche Musikpreis – die Auftragslage spürbar verbessert. Es ist aber auch tatsächlich so, wie es mir mein Berliner Instrumentenbauer gleich prophezeit hatte: „Stéphane, Du wirst et sehn, det verändert“. Bei mir persönlich sind es bislang zwei neue Gefühle, die sich unterschwellig etabliert haben: Zum einen ein „Diesen Titel kann mir keiner mehr nehmen“ und zum anderen ein „Ich muss hier niemanden mehr etwas beweisen“. Beides führt zu einer neuen Gelassenheit und einem unbeschwerteren Suchen nach neuen Zielen und Aufgaben. Die Messlatte liegt jetzt natürlich bei jedem neuen Projekt sehr hoch, man wird immer mit anderen Echo-Preisträgern verglichen. Aber auch hier hilft die neu gewonnene Gelassenheit.

Beim Sinfoniekonzert treten Sie mit Ihrem Trio als Solisten vor Ihren Kollegen des Sinfonieorchesters auf. Ist da das Lampenfieber größer als sonst?

Egeling: Auf jeden Fall. Ich bin seit über 20 Jahren Solo-Oboist des Sinfonieorchester Aachens; meine Kollegen kennen mich mit all‘ meinen Facetten sehr gut, natürlich kennen sie auch meine Schwächen. Und gerade das fördert meine Nervosität! Aber ich bin zuversichtlich, die Anspannung in positive Energie umwandeln zu können, sobald ich das Aachener Publikum vor mir sehe. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie aufmerksam es einen Abend erlebt und welche enorme Energie zurück auf die Bühne strömt, wenn wir Musiker den „richtigen Ton“ getroffen haben. Ich freue mich jedenfalls riesig auf das Konzert!

Woher kommt Ihre Faszination für den Klang der französischen „Rohrblatt-Trios“, speziell für das Trio d‘Anches de Paris von Fernand Oubradous?

Egeling: Ich weiß, nicht ob es meine französische Familie oder meine Studienzeit in Frankreich waren, die mich zum Spezialisten für die Musik des Paris der 20er und 30er Jahre gemacht haben. Ich glaube beides eigentlich nicht. Denn gerade in Frankreich wird dieses Erbe überhaupt nicht gepflegt. Man bekommt im Gegenteil fast den Eindruck, die heutigen französischen Künstler schämen sich ob dieser speziellen Stilvielfalt des Paris zwischen den beiden Weltkriegen. Mich hat diese Vielfalt jedenfalls immer fasziniert. Hinzu kommt natürlich die Liebe zu meinem Instrument, die Oboe. Und dieses Instrument ist so typisch französisch, wie kein anderes es sein kann. Die Kammermusikbesetzung Oboe, Klarinette, Fagott – das Trio d‘anches – ist in der Tat sehr speziell.

Warum?

Egeling: Sie ergibt einen homogenen Bläserklang, der jedoch gleichzeitig – durch die sehr verschiedenen Timbres der Instrumente – eine Klarheit der Verfolgbarkeit der einzelnen Stimmen ermöglicht. „Einheit in der Vielfalt“ hatte diesen speziellen Klang der Gründer unserer Gattung, der große Fagottist Fernand Oubradous, 1927 genannt. Mit diesem großen Vorbild verbindet mich persönlich auch die Erfahrung, dass uns seine Tochter zu sich nach Paris eingeladen hatte und uns einen ganzen Tag lang von ihrem Vater erzähltet. Eine solche direkte und persönliche Erzählung über eine wichtige Persönlichkeit der Musikgeschichte macht auch die Musik, die für diesen komponiert wurde, für uns unmittelbar erfahrbar, viel persönlicher, weniger akademisch.

Auf dem Programm des Konzerts in Aachen steht das selten gespielte Konzert für Trio d’anches und Orchester von Noël Gallon. Wie würden Sie das Stück charakterisieren?

Egeling: Hell, unprätentiös und mit einem gut erkennbaren Augenzwinkern. Gallon war Oubradous‘ Kompositionslehrer am Konservatorium. Er hat für seinen Schüler 1934 zwei Werke komponiert: ein Trio und ebendieses Konzert für Trio d‘anches und Orchester. „Selten gespielt“ ist untertrieben, leider wurde das Werk nach dem Zweiten Weltkrieg maximal fünf Mal aufgeführt. Wir werden es 2018 mit dem Litauischen Kammerorchester aufnehmen und hoffen, durch eine CD-Veröffentlichung dieses wunderbare Werk, ein Stück Paris aus den 30er Jahren, häufiger auf die Konzertpodien bringen zu können.

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