„Startschuss” als musikalisches Motto und Zäsur in Aachen

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
kaibild
Am Donnerstag moderiert er im Aachener Eurogress seine 100. Konzerteinführung: Musikdramaturg Kai Weßler. In zwei Wochen verlässt er das Theater Aachen und wechselt nach Nürnberg. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Startschuss” lautet das Motto des zweiten Sinfoniekonzerts der Saison am Mittwoch und Donnerstag, 17. und 18. November, im Aachener Eurogress. Ein Titel mit gleich mehrfacher Symbolkraft: Mit Ludwig van Beethovens erster und zweiter Sinfonie (C-Dur op. 21 und D-Dur op. 36) startet das Sinfonieorchester Aachen einen auf zwei Jahre angelegten Beethoven-Zyklus von der ersten bis zur neunten Sinfonie.

Gleichzeitig läutet das Konzert eine Zäsur in Aachen ein: Kai Weßler, seit acht Jahren hochgeschätzter Musikdramaturg am Theater Aachen, der hier genauso lange wirkt wie Generalmusikdirektor Marcus R. Bosch, verlässt in zwei Wochen das Haus und geht ans Staatstheater Nürnberg. Sein Chef folgt ihm im Sommer 2011, bleibt aber noch eine Saison lang gleichzeitig GMD in Aachen, um 2012 endgültig nach Nürnberg zu wechseln. Das zweite Sinfoniekonzert bedeutet für Kai Weßler ein Jubiläum: Am Donnerstag wird er seine 100. Konzerteinführung moderieren - Schlusspunkt und Startschuss zugleich.

Die stets eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn beginnende Einführung ist beim Publikum mit der Zeit immer beliebter geworden. Gut 250 Besucher nutzen jedes Mal im Schnitt das Informationsangebot, das Kai Weßler und Marcus R. Bosch im munteren Gespräch servieren. Weßler erlebt dabei mittlerweile rührende Momente: Ein „Fan” von ihm, ein älterer Herr, bedauert so sehr, dass er Aachen verlässt, dass er es ihm vor jedem Konzert immer wieder aufs Neue versichert.

Recht hat der Mann: Dem 36-jährigen gebürtigen Duisburger, der in Bochum Theater- und Musikwissenschaft studierte, gelingt es, mit klaren Worten auch noch dem letzten Klassiklaien die Hintergründe der musikalischen Werke und ihrer Komponisten auf spannende Weise zu vermitteln. So auch zum zweiten Sinfoniekonzert, in dessen „Mitte” sich ein Schmankerl verbirgt, das wohl nicht nur die Beethoven-Freunde überraschen wird.

Eingerahmt von dessen erster und zweiter Sinfonie, wird das Cellokonzert des französischen Komponisten Henri Dutilleux erklingen - eines Komponisten, der noch lebt, was sowieso immer wieder gerne zu besonderen „Entdeckungen” führt. Weßler schätzt besonders Dutilleux´ eigenständige Position in der Neuen Musik, querliegend zu den gängigen Strömungen, eher verwandt mit Debussy und Ravel.

Keine Gedankenschwere

Im Kontrast zu Beethoven, so Weßler, lastet auf ihm nicht jene Gedankenschwere. „Klangsinnlich” setzt der Dramaturg als treffende Kategorie für Dutilleux dagegen. Der 1916 geborene Komponist ist in Deutschland kaum bekannt, hat wenig geschrieben und verspricht, eine jener „Entdeckungen” zu werden, von dem das Publikum noch lange spricht. Das Werk hat er dem Cello-Genie Mstislav Rostropowitsch gewidmet und thematisiert musikalisch duftige Gedichte von Baudelaire.

„Eine Verführung” verspricht Kai Weßler, betont aber gleichzeitig eine gerne verschwiegene Nähe Beethovens zu den Franzosen, womit sich der programmatische Kreis des Abends schließt. Als deutsch-nationaler Komponist auf den Sockel gehoben, geht dessen Begeisterung zum Beispiel für die Französische Revolution im Bewusstsein des Publikums, erläutert Weßler, gern unter.

Stichwort „Startschuss”: „Mit seiner ersten Sinfonie hat Beethoven gezeigt, wie man radikal aus einfachsten Bausteinen ein komplexes Werk schaffen kann.” Aus kaum etwas anderem als der Tonleiter, ohne jede melodische Idee, entstand die „Erste”. „Das war von ihm genau kalkuliert. Er wollte auf den Sockel”, sagt der Kenner.

Gerne erinnert sich Kai Weßler an die Aufbruchstimmung, die Bosch ab 2002 von Anfang an in Aachen verströmt hat, die Aufregung und die hoffnungsvolle Erwartung, ob das Angebot mit seinen Sonderkonzerten und dem neuen Programm beim Publikum auch ankommen würde. Indes: Alles ist aufs Schönste gelungen - mittlerweile können die Kartenwünsche kaum erfüllt werden.

Das Weihnachtskonzert findet am 12. Dezember gleich zweimal statt (15 und 19 Uhr), und das Neujahrskonzert könnte vermutlich noch im Februar eine gerne angenommene Wiederholung erfahren. Nürnberg kann sich auf das Duo Bosch/Weßler freuen...

2. Sinfoniekonzert, Mittwoch und Donnerstag, 17. und 18. November, 20 Uhr, Eurogress Aachen. Das Sinfonieorchester Aachen spielt die erste und zweite Sinfonie von Beethoven sowie das Konzert für Violoncello und Orchester von Henri Dutilleux. Leitung: Marcus R. Bosch. Solistin: Anne Gastinel. Konzerteinführung um 19.15 Uhr.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert