Starke Gefühle auf der Burg-Bühne

Von: Sabine Rother
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Souverän auf der Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg: Die Band Staff Benda Bilili aus dem Kongo begeisterte das Publikum mit einer überwältigenden Show. „Très, Très Fort”, das Motto des Programms, ist zugleich auch der Titel ihrer ersten CD. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Dieser Abend ist anders. Aufwühlende Musik, faszinierende Akteure und eine mitreißende Performance: Auf der Bühne von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg sind internationale Künstler mit weltmusikalischer Prägung zurzeit Dauergäste.

Mit der kongolesischen Band Staff Benda Bilili hatte Organisator Ulrich Pesch jedoch ein Ensemble engagiert das in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich war, eine künstlerisch wie menschlich mutige Entscheidung. Von den acht Männern im Alter zwischen 17 und 55 Jahre sind fünf behindert - Opfer der Kinderlähmung, an der im Kongo noch immer viele Menschen erkranken.

„Unsichtbares” zeigen

Da sie in keinem sozialen Netz aufgefangen werden, ist Verelendung die Folge. Aus einem Straßenmusiker-Projekt ging diese Band hervor, deren Einnahmen auch eine Selbsthilfeorganisation in Kinshasa unterstützt. Leon „Ricky” Likabu ist Kopf der Truppe, deren Name so viel wie „das Unsichtbare sichtbar machen” bedeutet.

Leidenschaftlich verkörpern sie die Botschaft, dass Behinderung nicht alles ist, dass Lebensfreude und Selbstbewusstsein heilsamen Trost spenden können. Sie leben es vor. In der ausverkauften Burg-Arena mischen sich - unter anderem Dank einer Kooperation mit der Heemann-Stiftung - Menschen mit und ohne Behinderung. Alles läuft wie am Schnürchen, unaufgeregt, rücksichtsvoll, gut vorbereitet. Helfende Hände sind jederzeit zur Stelle.

Plötzlich eine kleine Kolonne. Die Künstler nehmen den gleichen Weg, wie das Publikum - mitten durch den Zuschauerraum. Begeisterung brandet auf, die Mikrofone sind auf Sitzhöhe eingerichtet, es geht los.

Soukous, die kongolesische Rumba, Funk, Reggae und die tiefgründige Kraft des Rhythm& Blues verbinden sich bei Staff Benda Bilili zu einer Musik, die aus tiefen schwarzen Wurzeln gespeist wird, ein starker Strom, der in allen Klangfarben aufleuchten lässt, was die afrikanischen Völker jemals beeinflusst hat.

Schmerzlich wie ein Kinderweinen, wehmütig und sehr innig durchzieht die Songs immer wieder der Klang von Roger Landaus selbstgebauter Satonge, einem einsaitigen, elektrisch verstärkten Instrument, das der Jüngste aus einer Kanne eigenhändig gefertigt hat. Seine Melodien, die über, unter oder neben dem eigentlichen Song balancieren, lassen an Nervenschmerz und Klage, aber auch ans zähe Weiterleben denken.

Sprechgesang, Mehrstimmiges, Soli, hervorragende Variationen lassen die von Coco Ngambali komponierten abwechslungsreichen, sich in Intensität und Tempo steigernden Stücken zu einem großen Bild der Gefühle, Nöte und Hoffnungen zusammenwachsen. Gesungen wird in der Landessprache Lingála und in Französisch.

Und jeder hat seinen Tanzstil. Die Männer in den Rollstühlen drehen sich im Takt und lassen sich von den Rhythmen mitreißen, die Djunana Tanga-Suele sogar dazu bringen, sich kurzfristig zum Erstaunen des Publikums auf den Bühnenboden zu begeben. Die verkümmerten Beine stoppen sein atemberaubendes Temperament nicht, er tanzt!

Und bald trauen sich die Zuschauer, vor der Bühne mitzutanzen. Auch Kabiosa Kabamba, der Sänger auf hohen Krücken, bleibt beständig in Bewegung. Und der junge Roger mit seiner seltsam singenden Laute, die überall mitklingt?

Der Musik hingegeben

Er joggt manchmal fast versunken Richtung Bühnenmitte, läuft schüchtern ins Publikum, kehrt um, ganz der Musik hingegeben. Fels in der stürmischen Brandung ist Bassist Paulin „Cavalier” Kiara Maigi, der in weißem Outfit mit silbrigem Hut und Sonnenbrille hauptsächlich die Hände tanzen lässt. Zeremonienmeister ist Montana Kinunu Ntunu am afrikanischen Schlagzeug, gesangsstark und konzentriert bleibt Sänger Tho Nsituvuidi.

„Très, Très Fort”, so der Titel von Programm und CD - sehr, sehr stark ist dieses Konzert, dessen Wirkung eine geschickte Lichtregie steigert. Nach zwei Stunden winken die Musiker glücklich erschöpft mit den weißen Handtüchern. Wie es war? Eine Zuschauerin bringt es auf den Punkt: „Zum Weinen schön!”
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