Standing Ovations beim letzten Auftritt: Publikum feiert Marcus Bosch

Von: Pedro Obiera
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Frenetisch gefeiert: Marcus Bo
Frenetisch gefeiert: Marcus Boschs letztes Sinfoniekonzert mit Orchester, Solisten, zwölf Chören und Mahlers 8. Sinfonie. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Dass das Aachener Publikum seinen Generalmusikdirektor schätzt, ist bekannt. Wie sehr, davon konnte und kann man sich jetzt beim festlichen Abschied Marcus Boschs vom Konzertpodium noch einmal überzeugen.

Drei ausverkaufte Abende mit Zusatzbestuhlung - der letzte in der Reihe am heutigen Dienstag um 20 Uhr - unterstreichen das Vertrauen, das man in die Leistung des neuen Nürnberger Musikchefs setzt. Es gab Standing Ovations, Blumen und Umarmungen ohne Ende.

Zu seinem Abschied vervollständigte Bosch mit der problematischen 8. Sinfonie nicht nur seinen nicht unumstrittenen Mahler-Zyklus: Mit der Einladung von zahlreichen Chören der Region, das Werk mit 350 Kehlen aufzuführen und damit den Beinamen „Sinfonie der Tausend” fast wörtlich zu nehmen, unterstreicht er seine Verbundenheit mit dem Aachener Land.

In den ersten 20 Minuten wurde es ein Schulterschluss im Dauer-Fortissimo, der nicht nur die Statik des Eurogress unter Druck setzte. Der Pfingst-Hymnus „Veni, creator spiritus”, eine krachende Orgie unter Starkstrom, ist Mahlers plakativster sinfonischer Erguss. Akustisch lässt er sich live kaum bändigen. Das verstärkte Aachener Sinfonieorchester, zwischen Chormassen und den aus voller Brust tönenden Solisten sitzend, konnte sich kaum durchsetzen, erst recht nicht der dünne Orgel-Ersatz. Stattdessen gaben die begeisterten Sänger alles, was ihre Lungen hergaben. Differenzierungen welcher Art auch immer dürfen da nicht erwartet werden.

Wesentlich kultivierter geht es im zweiten, ausführlicheren Teil mit der Schlussszene aus Goethes „Faust” zu. Die atmosphärisch starke, geheimnisvolle Instrumentaleinleitung musizierten die Sinfoniker mit Hintergründigkeit und Delikatesse. Der wesentlich kleiner dimensionierte Chorpart ließ eine gestaltende Hand erkennen. Die Solisten lösten ihre Aufgabe zufriedenstellend, auch wenn die, zugegeben, extrem exponierten Passagen in den hohen Lagen nicht immer mühelos erklangen und von einem geschlossenen Ensemble nur bedingt geredet werden kann.

Was stimmliche Qualität und Textdeutung angeht, führt Bariton Hrólfur Saemundsson als Pater Ecstaticus die Männerriege an. Bassist Woong-jo Choi erfüllt den Pater Profundis zwar mit beeindruckendem Volumen, gestaltet aber zu einförmig. Scott MacAllister als Doctor Marianus, an sich ein Heldentenor von gutem Ruf, greift den Aufbruch „Blicket auf zum Retterblick” leider nur mit halbem Schwung auf. Die Sopranistin Claudia Iten ist in den hohen Lagen extrem gefordert, was vor allem dem Eingangs-Hymnus nicht zu mehr vokaler Schönheit verhilft. Katharina Hagopian und, von der Empore singend, Irina Popova (Sopran) sowie Sanja Radisic und Daniela Denschlag in den tieferen Registern zählen zu den Pluspunkten der Aufführung, die vor allem durch ihre solidarische Geste beeindruckte.

Entsprechend frenetisch und dankbar fiel der Beifall des Publikums aus, in den auch die Chöre einstimmten: Opernchor, Sinfonischer Chor, Kinder- und Jugendchor des Theaters, Aachener Kammerchor, Aachener Bachverein, Cappella Aquensis, Carmina Mundi, der Junge Chor, Madrigalchor Aachen, Eupener Knabenchor, Heinrich-Schütz-Chor Aachen und schließlich der Rundfunkchor Riga.
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