Stachlige Liebesträume in der Praxis: „Kaktusblüte” im Grenzlandtheater

Von: Grit Schorn
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Eine sehr vergnügliche Boulevard-Komödie: „Die Kaktusblüte” im Aachener Grenzlandtheatem - mit (von links) Zeljka Preksavec, Martin Zuhr, Gudrun May, und Heinz Simon Keller. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Boulevardtheater will gekonnt sein - das Motto „Nichts ist schwerer als das Leichte” gilt hier besonders. Beschwingt und leichthändig kommt die einfallsreiche Inszenierung von Peter Kühn auf die kleine Bühne des Grenzlandtheaters.

Kongenial unterstützt von Charles Copenhavers vielfältigem Bühnenbild, kann sich „Die Kaktusblüte”, eine Komödie von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy, hier voll entfalten.

Der Stoff, aus dem die etwas stachligen Liebesträume sind, ist mehr als vier Jahrzehnte alt. 1969 adaptierte Hollywood das französische Theater-Lustspiel, das in der Star-Besetzung mit Ingrid Bergman, Walter Matthau und Goldie Hawn zum Kino-Erfolg wurde.

Das Thema ist nicht neu: Ein Mann, hier der elegante Zahnarzt Julien, gibt sich seiner Geliebten gegenüber als Ehemann und Familienvater aus, um jeglichen Hochzeitsgelüsten seiner jungen Freundin aus dem Wege zu gehen. Und um weiterhin auch kleine sexuelle Abenteuer mit anderen Damen erleben zu können. Dann muss die Ausrede „meine Familie braucht mich” herhalten...

Was thematisch inzwischen etwas verquast anmutet, wird im Grenzlandtheater mit erstaunlicher Frische, viel Charme und doppelbödigem Witz umgesetzt. Mit durchweg guten Schauspielern, die sich die komödiantischen Bälle lustvoll zuspielen.

Imponierend von der ersten Szene an Zeljka Preksavec als zunächst so tüchtige wie biedere Sprechstundenhilfe Stephanie, die für ihren Chef, den trickreichen Dentisten Julien, einfach unentbehrlich ist. Die gebürtige Kroatin, in Aachen bereits als Mutter Millerin in „Kabale und Liebe” zu sehen, kann jetzt als aufblühende „Kaktusblüte” alle Register ziehen.

Als arbeitsame, schon etwas altjüngferliche Arzthelferin überzeugt sie ebenso wie als feinfühliger und aufrichtiger Mensch und später als begehrenswerte liebende Frau. Diesen Prozess der „Entstachelung” mit ihr zu erleben, ist reines Vergnügen, zumal so witzige und doch subtile Szenen zwischen Stephanie und Juliens Freundin Antonia wunderbar ankommen und zeigen: Leicht muss nicht seicht bedeuten.

Julien, von Heinz Simon Keller attraktiv und überzeugend in Szene gesetzt, geht bald völlig unter in den Irrungen und Wirrungen, die seine Lügerei angerichtet hat. Denn nach einem Selbstmordversuch seiner Freundin Antonia, die die ewigen Ausreden ihres „verheirateten” Lovers leid ist, will Julien dann doch seine reizende Geliebte ehelichen. Doch zuvor wird eine „Scheidung” gebraucht.

Zauberhaft unverkrampft spielt Sonja Isemer die junge Geliebte, die von ihrem Nachbarn Igor (Raphael Grosch) gerettet wird. Boulevard vom Feinsten. Dank an Marga Renders, die für die flotte Choregrafie sorgte. Kostüme: Heike M. Schmidt (Leitung). Beifallsstürme für die rundum gelungene Inszenierung und die Akteure.

Weitere Aufführungen im Aachener Grenzlandtheater in der Elisen-Galerie täglich bis zum 30. November, Beginn 20 Uhr. Danach Vorstellungen in Spielstätten der Region bis zum 17. Dezember. Karten: 0241/4746111.

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