Sprung zur neuen Stufe der Karriereleiter

Von: Eckhard Hoog
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Der Publikumsliebling verläss
Der Publikumsliebling verlässt zum Ende der Saison das Theater Aachen und geht nach Nürnberg: die Sopranistin Michaela Maria Mayer. In der Oper „Arabella” hat sie ihre letzte Aachener Rolle. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Schon wieder eine Traumpartie”: Michaela Maria Mayer freut sich unbändig auf ihre Rolle als „Zdenka” in Richard Strauss „Arabella” - es ist leider die letzte, die sie am Theater Aachen singen und spielen wird. Die Premiere am 1. Mai ist zugleich der Beginn eines Abschieds auf Raten.

Bezaubernd die Stimme, charmant und hübsch in der Erscheinung - das Publikum dürfte der jungen Sängerin nachtrauern, wenn sie nach dieser Saison mit Generalmusikdirektor Marcus Bosch ans Staatstheater Nürnberg wechselt.

Zauberhafte Akzente hat die gebürtige Regensburgerin in ihrem bislang gut dreieinhalbjährigen Engagement an der Aachener Oper gesetzt: als „Gilda” in „Rigoletto”, als Priesterin in „Aida”, als „Lustige Witwe” in der Titelpartie, selbst als „Gretel” im Familienkonzert und vor allem als „Pamina” in Mozarts „Zauberflöte” mit Ovationen überhäuft - in dieser Rolle überzeugte sie denn auch Staatstheater-Intendant Peter Theiler bei dessen Besuch im Theater Aachen. Ein Vorsingen in Nürnberg hatte sich damit glattweg erübrigt.

Nach drei, vier Jahren muss der Wechsel spätestens erfolgen, sonst kommt die Karriere leicht zum Stillstand - die Sopranistin, die ihre bayrische Herkunft dank eines ganz zarten Dialekts nicht verbergen kann, weiß ganz genau um die unvermeidlichen Begleiterscheinungen ihrer beruflichen Existenz. „Egal, wie gut man sich aufgehoben fühlt - es muss weitergehen”, sagt sie. Darum blickt sie umso lieber auf ihre Aachener Jahre zurück, die sie für sich in jeder Hinsicht als gewinnbringend empfindet. „Aachen war ein absoluter Glücksgriff für mich. So viel Vertrauen hat man mir hier entgegengebracht, mir so viele schöne Partien gegeben. Was dann ja auch noch gutgegangen ist...”

Vom Publikum fühlt sie sich „voll angenommen”, wie sie sagt. „Ein sehr schönes Gefühl.” So wurde sie von Theaterbesuchern angesprochen, die man nur noch als „Hardcore-Fans” bezeichnen kann: „?Wir waren jetzt vier Mal in Rigoletto, jetzt kaufen wir die Karten zum fünften Mal”, bekam sie zu hören. „Das ist doch unglaublich - oder?”

Eine neue Stufe auf der Karriereleiter steht nun in dem größeren Haus in Nürnberg an, nach Wuppertal und Aachen ihr drittes festes Engagement - zweifellos eine schöne Chance, die Michaela Maria Mayer mit beiden Händen ergreift. Wohin ihr Weg letztlich einmal führen wird, das weiß die 32-Jährige noch nicht, zerbricht sich darüber aber auch nicht den Kopf. „Ich will einfach singen, um die Menschen zu bewegen”, sagt sie. „Alles Weitere hängt von so vielen Dingen ab, die man sowieso nicht beeinflussen kann. Was nützt es da, davon zu träumen, einmal an der Met zu singen?”

Ihre erste Rolle in Nürnberg ist die Eva in Wagners „Meistersingern” - damit erweitert sich ihr künstlerisches Spektrum um ganz neue stimmliche Farben.

Eine Herausforderung

Nun aber zuerst einmal die Zdenka in „Arabella”: Durchaus eine Herausforderung, immerhin spielt sie darin ein Mädchen, das von den Eltern der Welt als Sohn vorgeführt wird, weil die Aussteuer nur für die erstgeborene Tochter - Arabella eben - ausreicht. „Eine tragische Figur: Sie darf nicht sein, was sie eigentlich ist. Sie will aber nicht so sein.”

Für die tatsächlich mädchenhafte Sopranistin heißt das, sich auf der Bühne zu bewegen wie in Junge. Und genau das macht ihr ausgesprochenen Spaß: „Ich spiele gerne einen Mann”, lacht sie und vermittelt dabei mit festem Blick den Ausdruck einer Person, die genau weiß, was sie will. „Da kann man nicht so einfach aufs Repertoire zurückgreifen.” Eine Herausforderung eben.

Dass die Liebesgeschichten mit den beiden Schwestern, die keine Schwestern sein dürfen, in der Begegnung mit dem anderen Geschlecht in ein ziemliches Chaos münden, das lässt die Grundkonstellation, die Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal sich da so munter ausgedacht haben, bereits ahnen.

Regisseur Ludger Engels betrachtet „Arabella” als typisches Konversationsstück - also als Oper, die vom pointiert-witzigen Dialog lebt, und keineswegs als Operette, wenn sie auch gelegentlich solche Züge aufweist. Den Kern der Geschichte sieht er in der Krise, die diese Familie am Rand des finanziellen Abgrunds irgendwie bewältigen muss - sie sucht händeringend einen reichen Bräutigam für die Tochter -, und der Vision, dem Traum der Arabella von der idealen Liebe.

„Der Mensch braucht Utopien”, sagt Ludger Engels. „Aber man muss aufpassen, dass man ihnen nicht erliegt.” Ein Thema von beinahe philosophischer Tragweite, das trotzdem luftig-leicht in der dreieinhalbstündigen Inszenierung daherkommen soll. Zumal bei der schwungvollen Musik und den eingestreuten ungarischen Volksweisen.

Eine Beziehung zu Aachen gibt es bei „Arabella” im Übrigen auch noch: Richard Strauss widmete das 1933 in Dresden uraufgeführte Werk dem Generalmusikdirektor der Semperoper, Fritz Busch. Und der war von 1912 bis 1919 Musikdirektor des Sinfonieorchesters Aachen. Die musikalische Leitung bei „Arabella” hat nun Marcus Bosch. So schließt sich der Kreis.

„Arabella”, Oper von Richard Strauss, im Theater Aachen. Premiere: Sonntag, 1. Mai, 18 Uhr. Weitere Aufführungen: 7., 12., 22., 28. Mai; 5. Juni, 3., 7. und 15. Juli.
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