Spitzenmäßig: „Der Kontrabass“ mit Mario Thomanek im Das Da Theater

Von: Eckhard Hoog
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Glänzend: Mario Thomanek in dem Solo „Der Kontrabass“ im Aachener Das Da Theater. Foto: Achim Bieler

Aachen. Stöhnend umfasst er ihre Taille, tätschelt ihren Hals, lässt die Hand nach und nach immer tiefer rutschen – bis ein rhythmisch grunzendes Schrumm-SchrummSchrumm dem Höhepunkt entgegenstrebt. – Erotik pur erfüllt die Szene auf der Bühne des Aachener Das Da Theaters.

Allein: „Sie“ besteht überwiegend aus Holz und ein bisschen Draht und wird eigentlich ganz maskulin benannt: „Der Kontrabass“. Der Mann, der hier im Überschwang der Gefühle und im Rausch des Alkohols mal eben seine Hand anlegte und mit dem Bogen herumschrummelte, wähnte sich einen Moment lang am Ziel seiner unerfüllten Träume.

Und das heißt Sarah, ist eine junge Mezzosopranistin und eigentlich so nah und doch so unerreichbar wie der Mond. Was bleibt, ist nur dieses „Drecksinstrument“ . . . und die Hassliebe eines mittelmäßigen Orchesterbeamten.

Wortkaskaden ohne Hänger

Die Mutter aller feinsten Solostücke, der geniale Wurf von Patrick Süskind aus dem Jahr 1981 hatte am Donnerstagabend mit Mario Thomanek, in der Regie von Tom Hirtz, eine phänomenale Premiere. Allein die knapp 90-minütigen, emotional die ganze Skala hinauf- und hinunterschwingenden Wortkaskaden ohne Hänger zu überwinden, ist eine wahre Meisterleistung – Mario Thomanek hat sie souverän bewältigt.

Wodurch die liebevolle Inszenierung und das grandiose Spiel bestechen, das ist die ironisch gebrochene Auffassung dieser tragikomischen Figur, die mehr und mehr ihr zerrüttetes Seelenleben offenbart. Keine Überzeichnung macht hier den subtilen Witz des Stücks kaputt, und auch keine steife, moralinsaure theatralische Demonstration einer in Biederkeit versumpfenden Beamtenschaft ernüchtert als Typus den Zuschauer. Die Gratwanderung zwischen diesen Extremen, sie gelingt vollauf.

Mit viel Bewegung auf der Bühne, einer Turneinlage am Kronleuchter und viel Bier wird dem Stück ein ungeahntes Maß an dramaturgischer Abwechslung entlockt. Mario Thomanek erntet immer wieder Lacher auf offener Szene – und das mit winzigen, aber wirkungsvollen Kleinigkeiten. Wenn er in Gedanken an seine unerreichbare Sarah schwelgt und die Zunge kess in die Wange stülpt – dann fühlt man förmlich, was sich an unaussprechlichen Vorstellungen hinter seiner Stirn verbirgt . . . Talentlos, zu kurz gekommen – und wer ist schuld?

Dieses eigentlich für Musik völlig ungeeignete Biest von Kontrabass! In einer plastischen Orchesterszenerie (Bühnenbild: Frank Rommerskirchen), zunächst im Bademantel, am Ende haargegelt im Frack, zieht der wunderbare Schauspieler Mario Thomanek alle Register eines leichtfüßigen Pendelspiels zwischen Hochnäsigkeit und Weinerlichkeit, zwischen unbeherrschten Wutausbrüchen und purem Selbstmitleid. Das alles stets mit einer herrlich augenzwinkernden Note.

Das sind 90 Theaterminuten voller Hochgenuss! Viel Beifall.

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