Spitze Federn gegen das Klischee

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Zwischen Metropole und Provinz: Valentin Georgievs Cartoon (l.) belegte den zweiten Platz im Wettbewerb.

Aachen. Städte geben sich gerne aufregend, nicht umsonst heißt es „pulsierendes urbanes Leben”. Und dem Land wird gerne das Etikett „öde Provinz” angeheftet. Doch sind die Städter wirklich so modern und aufgeschlossen und leben in der sogenannten Provinz tatsächlich nur Frischluft-Freunde und Spießer von schlichter Denkungsart?

Ob in der Stadt der Bär steppt und auf dem Land der Hund begraben liegt, diese Frage spielt eine wichtige Rolle beim dritten internationalen Cartoon-Wettbewerb, ausgeschrieben vom Kreis Aachen, dem Kunst- und Kulturzentrum (KuK) in Monschau und dem Zeitungsverlag Aachen.

Die spannende Frage ist in Aachen durchaus aktuell, denn in diesem Jahr fusionieren ja Stadt und Kreis Aachen zur Städteregion, also zur Verschmelzung von „Metropole” und „Provinz”. Ebenso faszinierend scheint das Thema auch in anderen Ländern gesehen zu werden, etwa in Gebieten, wo zwischen riesigen Millionenstädten und kleinen Dörfern extreme Unterschiede bestehen.

Aus 35 verschiedenen Nationen wurden 462 Cartoons von insgesamt 155 Künstler/innen eingereicht. Eine große, fast unerschöpfliche Bandbreite, die der Jury aus Vertretern der Initiatoren, darunter Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung, und den beiden Cartoonisten Peter Gaymann und Dirk Meissner zur Auswahl gestellt wurde.

Nina Mika-Helfmeier, Leiterin des KuK und Kulturbeauftragte des Kreises Aachen, und Udo Kals, Redakteur unserer Zeitung, verwiesen bei der Prämierung am Freitag auf die keineswegs leichte Auswahl: Denn das auch inhaltlich und künstlerisch breite Spektrum reicht vom am PC entwickelten bis zum von Hand aquarellierten Cartoon. Witzige Geschichten tauchen ebenso auf wie die kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Verstädterung oder der sozialen und kulturellen Entwicklung in Stadt und Land.

Sechs Arbeiten traten beim langen Auswahlprozess hervor. Der erste Preis in Höhe von 3000 Euro konnte nicht vergeben werden, da das Konzept des Beitrags des Iraners Mohammad Ali Khalaji bereits bei einem Wettbewerb vor 28 Jahren verwendet worden sein soll. Der zweite und dritte Preis in Höhe von 2000 und 1000 Euro gingen an den Bulgaren Valentin Georgiev, der die dörfliche Struktur als sinkendes Schiff sieht, und den aus Polen stammenden Martin Zak, der in Köln lebt und eine freche Schlachtszene im urbanen Getümmel präsentiert.

Außerdem wurde der Pole Jerzy „STEP” Stepniak für seine filigrane Umsetzung des Themas „Ausbreitung der Städte” prämiert. Strichgenau und mit feinem Humor skizziert der nahe Leipzig lebende Zeichner und Grafiker Michael Kops ein älteres Ehepaar im Kreislauf müder Gewohnheit. Er wurde ebenfalls ausgezeichnet wie der in Berlin lebende Peter Thulke, der den satirischen Cartoon „Bauer sucht Frau” vorlegte. Stepniak, Kops und Thulke erhalten je 500 Euro.

Alle ausgezeichneten Arbeiten sowie ausgewählte Cartoons der Künstler, die im Rahmen einer Ausstellung (siehe Kasten) gezeigt werden, werden zum Jahresende versteigert. Der Erlös wird zur Förderung von Kulturprojekten an kreisangehörigen Schulen verwendet.

Die Ausstellung „Stadt = Metropole / Land = Provinz?” ist bis 4. Oktober im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) Monschau, Austraße 9, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 14 bis 17 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen 11 bis 17 Uhr. Der Katalog zum Wettbewerb ab sofort dort erhältlich.

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