Spielerisch-leicht und unbeschwert

Von: Sarah Siemons
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Tanz voller Poesie: Die Compagnie de Danse Hallet Eghayan begeisterte das „Schrittmacher”-Publikum im Aachener Ludwig Forum. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Die Beziehung zwischen Musik und Tanz ist eine der ältesten in der Kunstgeschichte, und so wie die Musik hat sich auch der Tanz über die Jahre weiterentwickelt.

In Woche zwei des Aachener Schrittmacher-Festivals im Ludwig Forum veranschaulichte der Choreograph Michel Hallet Eghayan das mit seiner Compagnie und der Neuschöpfung von „Retour en avant”. Und zog dabei alle Register. Vor ausverkauftem Haus nahm er die 300 Tanzinteressierten mit auf eine Reise durch die Entwicklung der tänzerischen Kunst.

Nicht nur die Lichtakzente, die der Mulde an der Jülicher Straße eine vielschichtige Tiefe verliehen, auch das Spiel mit den Auf- und Abgängen hinter dem dunklen Vorhang gehörte zum Ideenreichtum des Franzosen.

Die sechsköpfige Compagnie - bestehend aus Guillaume Barre, Jacinthe Janowskyj, Ivan Julliard, Marina Morel, Marc Ribault und Maude Rieder - überzeugte jedoch auch durch ihre eigene Ausdruckskraft. Spielerisch und fast unbeschwert führten sie das Publikum 60 Minuten durch die Geschichte des Tanzes, um immer wieder zu einem klassischen Element zurückzukehren.

Menuett wird modern

Daher auch der Titel „Retour en avant” („Zurück nach vorne”). Denn für die Compagnie de Danse Hallet Eghayan gehört zum Blick nach vorne auch der Blick in die Vergangenheit.

So scheuten sie sich nicht in ihrer Darbietung des Modern Dance auch ein klassisches Menuett zu tanzen, das nach und nach moderne Züge annahm. Doch was wäre die Idee des Mannes aus Lyon ohne die unglaubliche Musik von Johann Sebastian Bach?

Ausgerechnet die starke Struktur dieser Musik war es, die dem Choreographen und den Tänzern eine große Freiheit einräumt. Eine Freiheit, die sie mit Leichtigkeit und dennoch mit atemberaubender Kraftaufwendung zu genießen schienen.

Dass der Tanz dabei durchaus unabhängig von der musikalischen Begleitung für sich alleine fortlaufen kann, bewies das Ensemble in den Momenten der Stille. Denn auch ohne Ton tanzten die sechs unbeirrt weiter, um Sekunden später wieder mit der Musik zu harmonieren.

Auch den Kampf um die Geschwindigkeit - mal tanzten sie die Schrittfolge im halben, kurz darauf im doppelten Tempo - entschieden sie für sich.

Doch neben Bach waren es vor allem auch die Kostüme, die der Idee von Eghayan ihre Basis und zuletzt auch ihren Witz gaben. Tanzten sie zu Beginn noch in einer trickreichen Kombination aus Schwarz und Weiß, erschienen sie wie von Geisterhand umgezogen plötzlich ganz in Weiß und schließlich ganz in Schwarz, bevor sie das Finale in hellen Barockhosen und -Westen tanzten. Ohne ihre Präsenz auf der Bühne dabei merklich zu unterbrechen.

Gelungen auch die einzigen Requisiten des Abends: ein überlanger gelber Schal, ein grüner Rock und ein viel zu groß geratener roter Pullover, der dem Tänzer zwar neuen Freiraum gibt, in dessen Freiheit man sich aber herrlich verfangen kann.

Und das ist es denn auch, was nach einem wunderbaren Tanzabend in den Köpfen blieb: Der Tanz hat sich weiterentwickelt, nie ohne dabei seinen Ursprung zu verlieren, der ihn stützt und ihm die Basis für neue Möglichkeiten bietet.
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