Lüttich - Speranza Scapucci ist die neue Musikchefin der Wallonischen Oper

Speranza Scapucci ist die neue Musikchefin der Wallonischen Oper

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:
15338098.jpg
Leben zwischen Noten und Taktstock: Speranza Scapucci erhielt ihre Ausbildung als Pianistin an der New Yorker Juilliard School und am Conservatorio di Musica Santa Cecilia in Rom. Am Dirigentenpult steht sie erst seit fünf Jahren. Foto: Dario Arcosta
15338125.jpg
Ihr gemeinsames Debüt gaben sie im Mai 2017: Speranza Scapucci (Mitte, mit Taktstock) und das Orchester der Lütticher Oper. Foto: Loraine Wauters/Opéra Royal de Wallonie

Lüttich. Schaut man ihr bei den Proben zur nächsten Premiere der Lütticher Oper zu, zeigt sich Speranza Scappucci als eine Frau, die genau weiß, was sie will. Die junge Römerin ist seit dieser Spielzeit Chefdirigentin der Lütticher Oper und studiert zurzeit Giacomo Puccinis „Manon Lescaut“ für die Premiere am 19. September ein.

Der dritte Akt, an dem sie gerade arbeitete, erfordert einen Dirigenten, der heikle Chor- und Ensembleszenen koordinieren muss. Keine leichte Aufgabe. Speranza Scappucci führt die Sänger mit klaren Gesten und ihrem ebenso selbstbewussten wie charmantem Charisma sicher durch die Tücken der Partitur. Das Werk kennt sie in- und auswendig, auch wenn sie es bisher noch nie dirigiert hat.

Aber als Assistentin und Korrepetitorin von Riccardo Muti an der Wiener Staatsoper und den Salzburger Festspielen erarbeitete sie sich das Stück bis auf die letzte Note. Puccini gehört zu ihren Lieblingskomponisten, sie ärgert sich jedoch, wenn seine Musik zu stark sentimentalisiert oder zu pompös aufgeblasen wird. Das möchte sie in Lüttich auf jeden Fall vermeiden.

Dass ihre Karriere seit der letzten Spielzeit international geradezu explodierte, hat sie auch ihrem etwas ungewöhnlichen Werdegang zu verdanken. Am Dirigentenpult steht sie erst seit fünf Jahren. Der Taktstock stand dabei nie im Mittelpunkt ihrer musikalischen Träume. Speranza Scappucci: „Ich bin vor allem Musikerin und lebe für die Musik. Mein Herz schlägt nicht nur für die Oper. Ich spiele mit gleicher Leidenschaft Klavier, am liebsten Schubert, ich mache Kammermusik im Klavierquintett oder mit einem befreundeten Cellisten und auch auf dem Konzertpodium ist nichts vor mir sicher.“

Ihre glänzende Ausbildung als Pianistin an der New Yorker Juilliard School und am Conservatorio di Musica Santa Cecilia in Rom befähigte sie dazu, sich an etlichen internationalen Opernhäusern als Korrepetitorin ein großes Opernrepertoire zu erschließen.

Dass sie gelegentlich zum Taktstock griff, blieb zunächst dem Zufall überlassen. Aber ihrer ersten eigenen Produktion am Theater der Yale University in New Haven mit Mozarts „Così fan tutte“ folgten rasch weitere Einladungen nach Lissabon und dem Festival von Macerata. Man schätzt ihre Werkkenntnis, ihr persönliche Ausstrahlung, ihr künstlerisches Verständnis, aber auch ihre einfühlsame Flexibilität im Umgang mit den Sängern und Musikern. Und das spricht sich herum.

Allein in der letzten Spielzeit debütierte sie an der Wiener Staatsoper sowie den Opern von Barcelona, Rom und Los Angeles und dirigierte im Amsterdamer Concertgebouw. In dieser Spielzeit folgen unter anderem Konzert- und Opernaufführungen in Zürich, Wien, Turin, New York, Tokio, Moskau und Shanghai. Und daneben wird sie als Chefdirigentin in Lüttich nach Puccinis „Manon Lescaut“ noch Bizets „Carmen“ einstudieren.

Lüttichs Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera begegnete der jungen Dirigentin mehrmals und konnte sie im letzten Jahr in Pesaro dafür erwärmen, in Lüttich Verdis wenig bekanntes Frühwerk „Jérusalem“ zu dirigieren. Ihr Lütticher Debüt im Frühjahr wurde ein voller Erfolg und bewog Pralafera, der Italienerin mit dem üppigen rötlichen Haarschopf die musikalische Leitungsposition seines Hauses anzubieten.

Mittlerweile hat sie Wohnsitze in Wien und New York, ist noch Single und viel Zeit für aufwendige Hobbys bleibt da nicht. Früher hat sie Fußball gespielt, heute sieht sie leidenschaftlich gern Sportveranstaltungen aller Art am Bildschirm.

Und die Frage, ob sie es als Frau noch immer schwer hat, sich am Dirigentenpult zu behaupten, existierte für sie nicht: „Es kommt auf die Persönlichkeit an. Ob ein Mann oder eine Frau am Pult steht, interessiert die Musiker nicht.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert