Heimbach - „Spannungen” warten mit Überraschungen auf

„Spannungen” warten mit Überraschungen auf

Von: Pedro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Heimbach. Auch wenn in diesem Jahr klassische Standardgattungen vom Duo bis zum Klavierquintett die Programme bestimmen, sind die „Spannungen” im Jugendstilkraftwerk Heimbach immer offen für Überraschungen und kleine riskante Abenteuer.

Benjamin Dales pfiffig-raffiniertes Sextett für sechs (!) Bratschen von erstklassigen Solisten inklusive Nils Mönkemeyer und Christian Tetzlaff serviert zu bekommen, wäre im regulären Konzertalltag kaum denkbar. Ein voller Erfolg.

Nicht ganz so geglückt wirkte Robert Schumanns letzte Violinsonate in einer Fassung für Violoncello und Klavier, auch wenn mit Steven Isserlis und Lars Vogt eine Starbesetzung aufgeboten wurde. Aber der Celloton ging vor allem in den Ecksätzen im dichten Klaviersatz hoffnungslos unter. Das Werk braucht ein Instrument wie die Violine, das den Klavierklang überlagern kann.

Zu den vielen Highlights der vergangenen Tage gehört eine ungemein zarte und dennoch intensive Interpretation von Schuberts „Rosamunde”-Quartett (mit den Geschwistern Tetzlaff, Antje Weithaas und Rachel Roberts), das mitreißende Klavierquartett Nr. 2 Es-Dur von Dvo?ák (u.a. mit Lars Vogt, Viviane Hagner und Steven Isserlis) sowie eine glühend heiße Darstellung von César Francks Klavierquintett, das in dieser überrumpelnden Interpretation eine Kühnheit und Originalität erkennen ließ, die man dem Werk kaum zugetraut hätte.

Und auch Bartóks „Kontraste” für Violine, Klarinette und Klavier können sich kaum bessere Interpreten wünschen als Viviane Hagner, Sharon Kam und die allerdings erst im Laufe des Stücks voll aufdrehende Pianistin Lauma Skride. Sharon Kam begeisterte am Tag zuvor bereits mit Bergs Klarinettenstücken op. 5.

Etwas blasser geriet die Begegnung mit dem vorzüglich gebauten Klaviertrio von Clara Schumann, das Gunilla Süssmann, Antje Weithaas und Tanja Tetzlaff zu brav gestalteten. Auch Debussys Violinsonate fiel in der Darstellung durch Alina Ibragimova und Lars Vogt zwiespältig aus. Geigerisch über jeden Zweifel erhaben, heizte die junge Russin das Werk emotional mit hochromantischer Emphase auf, sekundiert von Lars Vogt mit einem zu direkten Anschlag. Eine Interpretation ohne die notwendige kühle Distanz und gläserne klangliche Klarheit.

Heute steht in Heimbach eine Uraufführung eines Werks von Thorsten Encke, dem Composer in Residence, im Mittelpunkt, umrahmt von Meistern wie Bartók, Schumann, Crumb und Brahms. Morgen geht das Festival mit zwei Konzerten zu Ende.
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