„Spannungen” schlagen Brücke zwischen Romantik und Moderne

Von: P.OB.
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Heimbach. Zwei Oktette in identischer Besetzung standen im Zentrum des zweiten offiziellen Konzerts im Rahmen des mittlerweile schon traditionsreichen Musikfestivals „Spannungen - Kammermusik im Kraftwerk Heimbach”.

Dabei fiel auf, dass das 2004 in Heimbach uraufgeführte Oktett des damaligen „Composers in Residence”, Jörg Widmann, beim Publikum fast noch tiefere Eindrücke hinterlassen konnte als Schuberts himmelstürmender Geniestreich.

Schuberts von Irritation und Verlorenheit eingefärbte Tonsprache radikalisiert Widmann in einer Eindringlichkeit, die den mittlerweile internationalen Erfolg des Werks eindringlich erklärt.

Das sperrigste Werk des Programms löste die heftigsten Ovationen im wie gewohnt bis auf den letzten Platz besetzten Kraftwerk aus. Das „Tetzlaff Quartett” sorgte mit einer ebenso spieltechnisch perfekten wie emotional aufwühlenden Interpretation von Alban Bergs „Lyrischer Suite” in der Tat für einen Höhepunkt des Abends und bewies, dass sich Zwölftonmusik und innere Leidenschaft nicht ausschließen müssen.

Allerdings entsprang die Perfektion der Darstellung nicht der knapp bemessenen Probenzeit in Heimbach. Das Quartett um die Geschwister Christian und Tanja Tetzlaff, ergänzt durch Elisabeth Kufferath und Hanna Weinmeister, reiste mit dem Werk bereits durch die halbe Welt.

Einen Brückenschlag zum Vorabend knüpfte Jörg Widmann, der gleichermaßen als Komponist und Klarinettist herausragt. Nach dem klanglich diffizil ausgefeilten „Solo für Klarinette” des Berliner Zeitgenossen Aribert Reimann widmete er sich, zusammen mit Lars Vogt am Klavier, den Wurzeln von Reimanns stets der menschlichen Stimme nahe stehender Tonsprache, nämlich Robert Schumanns schlichten, gleichwohl stilistisch weiträumigen Fantasiestücken op. 73.

Wie sehr sich Reimann dem großen Romantiker verbunden fühlt, unterstrich er mit der Uraufführung seiner Bearbeitung der Fantasiestücke für Klarinette, Flöte, Harfe und zwei Bratschen.

Obwohl Reimann die Klarinetten-Stimme unverändert lässt und auch sonst nur marginal in den Notentext eingreift, erhält die Musik durch das fehlende Bassfundament eine irrisierend schwerelose Transparenz, die die Sätze in ein klangliches Zwielicht rückt.

Eine glänzende Bearbeitung Reimanns, auch wenn dem „Florestanschen” Vorwärtsdrang des dritten Stücks ein wenig der erdverbundenen Kraft genommen wird.
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