Spannungen: Komposition von Thomas Larcher zog Publikum in seinen Bann

Von: Pedro Obiera
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Ein Bild, das die ganze Leidenschaft dokumentiert, mit der bei dem Kammermusikfestival „Spannungen” in Heimbach musiziert wird: Sharon Kam (Klarinette) und Lars Vogt (Piano), versunken in die Partitur. Foto: Sandra Kinkel

Heimbach. Thomas Larcher, der diesjährige „Composer in Residence”, setzte gewichtige Akzente in der Schlussphase des Kammermusikfestivals „Spannungen” im Jugendstilkraftwerk Heimbach.

Der österreichische Pianist und Komponist beeindruckte bereits vor acht Jahren mit dem Vokalzyklus „My Illness is the Medicine I Need”, das mittlerweile weite Verbreitung finden konnte.

Der sechsteilige, textlich auf Interview-Fetzen von Psychiatrie-Patienten basierende Zyklus verfehlte auch in diesem Jahr nicht seine Wirkung.

Die klanglich ebenso sparsam wie raffiniert ausgeleuchteten Psychogramme fanden in ihrer aphoristischen Treffsicherheit ideale Interpreten in der Sopranistin Juliane Banse, Isabelle Faust (Violine), Tanja Tetzlaff (Violoncello) und dem Komponisten am Klavier.

Besondere Sympathie

Besondere Sympathie erzielte Larcher mit dem Klavierzyklus „12 pieces for piano”. Miniaturen von großer Originalität unterschiedlichen Schwierigkeitsgrads, die drei Schülerinnen der Dürener Musikschule sowie Isabelle, die achtjährige Tochter des künstlerischen Leiters Lars Vogt, mit pochenden Herzen und geschickten Fingern vortrugen.

Lars Vogt ließ es sich nicht nehmen, den Wert der Arbeiten auch für professionelle Musiker am Schlusstag in einer Gesamtpräsentation zu demonstrieren.

Das größte Interesse zog natürlich die neue Auftragskomposition auf sich, das Klaviertrio „Äste”.

Anders als in dem introvertierten Vokalzyklus „My Illness” nutzt Larcher hier die virtuosen Möglichkeiten der Besetzung und schafft ein klanglich pralles, in seiner zweiteiligen Anlage klar gegliedertes Werk, das im ersten Teil durch einen pochenden Orgelton barocke Strenge erhält und sich im zweiten Teil in ekstatisch wilden Ausbrüchen ergeht.

All das durchzogen von feinen „Verästelungen” der Stimmen, so dass das 15-minütige Werk sowohl in seiner handwerklichen Meisterschaft als auch in seiner vitalen Beschaffenheit einem guten Ensemble dankbare Aufgaben bereit hält. Und die lösten Christian Tetzlaff (Violine), Paul Watkins (Violoncello) und der Komponist am Klavier mit der erwarteten Souveränität.

Man kann der Überfülle an Höhepunkten in diesem Rahmen nicht gerecht werden. Kurtágs umfangreiche Kafka-Fragmente etwa (mit Juliane Banse und Christian Tetzlaff) sind in dieser Vollständigkeit anderswo kaum zu kören.

Den stärksten und geschlossensten Eindruck hinterließ diesmal die Fülle russischer Werke bekannter Meister wie Tschaikowsky, Schnittke und vor allem Schostakowitsch, aber auch Einblicke in Raritäten von Anton Arenski und Mieczyslaw Weinberg.

Auch wenn die Woche mit Tschaikowskys Streichersextett „Souvenirs de Florence” entspannt und licht ausklang, gaben doch düstere Klänge den Ton an.

Das gilt sogar für Tschaikowskys Drittes Streichquartett. Eines jener Requiems für einen verstorbenen Freund, von denen es so viele in der russischen Kammermusik gibt.

Das betrifft Arenskis dunkel gefärbtes Streichquartett mit zwei Celli und vor allem zentrale Werke Schostakowitschs, in denen sich die persönliche Trauer stets mit der Erschütterung über die politischen und gesellschaftlichen Zustände in seiner Heimat und der Welt verknüpfen.

Schostakowitschs Bratschensonate, einen Monat vor dem qualvollen Tod des Komponisten entstanden, gehörte in seiner Verlorenheit zu den absoluten Höhepunkten der Werkfolge.

Ausgeführt, wie schon vor einigen Monaten in Aachen, von Lars Vogt und Rachel Roberts. Dicht gefolgt von eindrucksvollen Interpretationen seines zweiten Klaviertrios und des unproblematischeren Klavierquintetts.

Die Jugend spielte beim Festival diesmal eine besonders große Rolle

In diesem Jahr spielte in Heimbach auch die Jugend eine starke Rolle. Das betrifft nicht nur die fleißigen Turmbläser der Musikschule Düren, die seit der Gründung vor 13 Jahren zum festen Ensemble der „Spannungen” gehören. Auch nicht nur die beiden hochbegabten Stipendiaten, den 15-jährigen Pianisten Aaron Pilsan und die 18-jährige Geigerin Hyeyoon Park, sondern neben Larchers Klavierzyklus auch ein eigenes Kinderkonzert für Schüler der Region.

Außerdem wohnte ein Oberstufenkurs dem Heimbacher Treiben einen ganzen, anstrengenden Tag lang bei, einschließlich der öffentlichen Proben, eines Einführungsvortrags und des abschließenden, wie immer umfangreichen Konzertabends. Alles perfekt ausgerichtet vom Kunstförderverein Düren.
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