Aachen - Spannend wie ein Psychothriller

Spannend wie ein Psychothriller

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
„Rattenklatschen” von Esther R
„Rattenklatschen” von Esther Rölz zeigt „Greta - Das junge Grenzlandtheater Aachen” für Menschen ab 14 Jahren : mit Nika Wanderer als Lehrerin und Raphael Fachner als Schüler Ben. Foto: Kerstin Brandt-Heinrichs

Aachen. Wer möchte schon eine halbtote Ratte auf seinem Frühstücksbrötchen finden? Da hört der Spaß wirklich auf, denkt angeekelt die Lehrerin Saskia, die nach diesem „Scherz” ihre Schulpause vergessen kann.

So beginnt das Stück „Rattenklatschen” von Esther Rölz, ein Schauspiel von „Greta, dem jungen Grenzlandtheater Aachen”, das sich an Menschen ab 14 Jahren wendet. Im Theatersaal des Aachener Kaiser-Karls-Gymnasiums fand die Premiere statt.

Die schlichte Bühne mit Pult und raffinierter „Lichtspiel”-Tafel sorgt für Konzentration auf das Geschehen - die Aussprache zwischen der Lehrerin und Ben, einem ihrer Schüler. Der schlaksige Ben hat zwar mit der Rattensache etwas zu tun, findet das Ganze aber halb so schlimm. Zutraulich wie ein junger Hund, aber auch schnell kränkbar und jähzornig, ist der Schüler immerhin Saskia behilflich, als ihr übel wird und sie stürzt. Schnell konstatiert Ben, dass die junge Frau schwanger ist. Ein gefährliches Spiel entspinnt sich zwischen den beiden Menschen - jäh schlägt immer wieder die Stimmung um, es kommt zu bedrohlichen Situationen. Dabei ist es keineswegs hilfreich, dass der junge Mann seine Lehrerin auch als begehrenswerte Frau sieht.

Dumm ist Ben keineswegs, vielmehr witzig und fintenreich ebenso wie unbeherrscht und nicht immer ehrlich. Vor Jahren hatte die alkoholkranke Mutter Bens zahme Ratte in den Kochtopf geworfen. Er entschuldigt die Mutter sogar, und er entschuldigt sich ständig bei Saskia. Nachhilfe möchte er von der Lehrerin bekommen, die sich aber nicht zuständig fühlt.

Gruselige Szenerie

Einsprengsel von alten Märchen lassen die Szenerie geradezu gruselig wirken, und die beiden Akteure wirken beängstigend lebensecht. Saskia wird von der Schauspielerin Nika Wanderer verkörpert, die alle Facetten zwischen Angst, Mut, Zuversicht und Entsetzen sichtbar macht. Sehr beeindruckend die Leistung von Raphael Fachner, der im Februar seinen Abschluss an der Theaterschule Aachen machen wird. Der 27-Jährige gibt dem haltlosen Ben Feuer und Kraft und offenbart berührend seine Verletzlichkeit und Kindheitseindrücke von Armut und Gewalt. Ein starkes Jugendstück, das Nachwuchsregisseurin Mona Brinkmann spannend und aufwühlend wie einen Psychothriller inszeniert hat. Ein schrecklicher Zweikampf bestimmt das Ende, das jeder auf seine Weise auslegen kann. Viel Beifall und Stoff für Diskussionen.
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