Spätromantik trifft Impressionismus: Oliver Kern beim Klaviersommer

Von: Thomas Beaujean
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Begeisternd: Der Pianist Oliver Kern eröffnete den Klaviersommer Geilenkirchen. Foto: Boun-Sook Koo

Geilenkirchen. Nahezu jeder Stuhl war in der Kreissparkasse in Geilenkirchen besetzt, als dort das 4. Internationale Piano Festival, der Klaviersommer Geilenkirchen, eröffnet wurde. Zu den Konzerten, den Meisterkursen und dem Klavierwettbewerb haben sich 120 Teilnehmer aus 33 Ländern angemeldet.

Oliver Kern, Professor an der Musikhochschule in Frankfurt, setzte die ersten musikalischen Akzente dieser einwöchigen Großveranstaltung. Er tat dies mit einem ausgesprochen interessanten, allzu ausgetretene Pfade des Repertoires meidenden Programm, das Werke der deutschen Spätromantik mit Musik des französischen Impressionismus konfrontierte.

Kerns Umgang mit zwei Intermezzi und einer Ballade aus den Klavierstücken op. 118 von Johannes Brahms war höchst poesievoll, klanglich differenziert, frei in der Temponahme im mittleren A-Dur- Intermezzo, klanglich zurückgenommen und nicht auftrumpfend im ersten Intermezzo und in der g-Moll-Ballade. Berührend schön und das dichte Geflecht der Stimmverläufe sorgsam herausarbeitend war seine Interpretation von Ferruccio Busonis Bearbeitung des Bach-Chorals „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“, während Busonis pompöse und technisch höchste Anforderungen stellende Klaviertranskription von Bachs Chaconne aus der d-Moll-Partita für Violine solo spieltechnisch nicht ganz makellos war.

Lohnend die Begegnung mit Originalwerken aus Busonis Feder: drei Préludes aus op.37, die Kern souverän interpretierte. Dass er auch ein glänzender Techniker ist, der Virtuosität mit einer bestechenden Anschlagskultur verbindet, das bewies der Pianist mit der „L‘isle joyeuse“ und drei Préludes von Claude Debussy, die höchst delikat und klanglich sensibel gerieten. Maurice Ravels brillantes Orchesterstück „La Valse“, eine Apotheose auf den Wiener Walzer, verliert in der Fassung für Klavier sicherlich einiges an klanglichem Glanz. Anderseits gewinnt diese Fassung dem Werk einen direkteren Einblick in die kompositorischen Strukturen ab, zumal, wenn es so virtuos und temperamentvoll geboten wird wie von Oliver Kern.

Nach dem klanglichen Taumel des im Chaos endenden Schlusses gab es stehende Ovationen für einen begeisternden Klavierabend. Das Festival wird heute um 19.30 Uhr mit einem Klavierabend von Prof. Thomas Duis in der Begegnungsstätte Haus Basten, Konrad-Adenauer-Str. 118 in Geilenkirchen, fortgesetzt.

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