Sirene von Liebe und Traum

Von: Sabine Rother
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Virtuos auch am Klavier: Die a
Virtuos auch am Klavier: Die amerikanische Sängerin Vienna Teng bewies auf der Bühne von Burg Wilhelmstein vor begeistertem Publikum ihre musikalische Vielseitigkeit. Foto: Stefan Schaum

Aachen. Wenn ein verregneter Tag in einen verregneten Abend mündet, und in der anbrechenden Nacht die Gewitterschauer weiterhin auf das weiße, hohe Zeltdach prasseln, dann ist selbst das erprobte Team von Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg stark besorgt.

Unnötig: Das Publikum rückte zusammen, einige holten sich heißen Tee statt kalter Getränke, und die Technik blieb wachsam, falls die Feuchtigkeit doch noch irgendwo einen Kurzschluss auslösen würde. Und endlich wird es etwas wärmer, denn Vienna Teng, die Amerikanerin chinesischer Abstammung, betritt in ihrer herzlich unkomplizierten Art die Bühne, setzt sich rasch ans Klavier, gefolgt von Warren Williams (Cello, E-Gitarre, Gesang) und Alex Wong (Akustik-Gitarre, Gesang, Percussions), zwei extrem vielseitigen Partnern bei „Inland Territory”.

Die schlanke junge Sängerin in Jeans und burgunderrotem Seidentop trotzt dem Wetter mit ihren filigranen Songs voller Gefühl, Kraft und Nachdenklichkeit. Mal ist sie träumerisch versonnen, dann wieder bewegt sie sich völlig sicher im kreativen Raum zwischen Klassik und freiem Jazz bis hin zur Improvisation, die ihre große Reife beweist.

Hochwertige Partner

Zusammen mit Williams und Wong kann sie experimentieren. Die beiden sind hochwertige Partner, die oft sehr Spezielles beitragen, manchmal allerdings ein bisschen zu laut werden und ein paar Feinheiten der Solistin überdecken. Virtuos am Klavier, entwickelt Vienna Teng mit ihren Musikern immer wieder kammermusikalische Qualität. Sie mag den Kontakt zum Publikum, erzählt, wie ein Song entstanden ist und was sie dabei empfunden hat.

In ihrer Musik kann man diesen Gedanken nachspüren. Mit elektronischer Hilfe (Vocoder) steigert sie etwa den Kummer über Elend und Not in der Welt zum schmerzlichen Sphärenjammern der armen Seelen, flüstert dann wieder als sanfte Sirene von Liebe und Traum. Jeder hat seine Solomomente, gemeinsam berühren sie die Zuhörer mit klingenden Miniaturen und ungewöhnlichen Ideen.

Selbst feine Geräusche wie das Händereiben (Vienna Teng) oder das gelenkte Klirren von Haus- und Autoschlüsseln aus dem Zuschauerraum verwandeln sich in Musik. Natürlich beherrschen ihre Fans selbst das Flamenco-Klatschen zum entsprechend spanisch geprägten Song. Dann wieder setzt sie kleine Glanzlichter mit dem Xylophon oder entwickelt Country-Music-Temperament.

Zum Schluss gibt es drei Zugaben, unter anderem Randy Newmans melancholischer Song „I Think It’s Going To Rain Today” (wie passend), und ein stilles Gemeinschaftslied mit den Zuschauern, die erstaunlich klangschön mitsingen. Begeisterter Applaus. Alle packen ihre Schirme aus, aber der Regen stört nicht mehr.

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