Aachen - Sinfonieorchesters für Studenten: Die Resonanz war größer als der Saal

Sinfonieorchesters für Studenten: Die Resonanz war größer als der Saal

Von: pak
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Volle RWTH-Aula, viel Applaus: Das Aachener Sinonieorchester begeisterte die Studenten. Fotos (6): Jansen Foto: Jansen

Aachen. Abgewetzte Sneakers mit grellgrünen Nähten wippen neben akkurat polierten Lackleder-Budapestern. Klischeehafte Karohemden waren in einer Reihe mit Abendkleid und Ringelpulli zu sehen. Und gelbe Tulpen zauberten einen Hauch Frühling in die Aula des altehrwürdigen RWTH-Hauptgebäudes. Was war da los?

Es galt eben kein steifes Protokoll für das erste Sonderkonzert mit Titel „Einsteins Musicbox“, das das Sinfonieorchester Aachen für die und an der Universität spielte. Jeder war willkommen und durfte klassischen Klängen so fröhnen, wie er sich wohlfühlte. Die einen kamen herausgeputzt, die anderen leger und mit Bierflasche, vor allem aber zahlreich: Kein Platz blieb leer. „Ist ja richtig voll hier, das rockt“, stellte Manfred Nettekoven nonchalant fest, kaum dass er das Mikrofon in der Hand hatte. Der RWTH-Kanzler moderierte gemeinsam mit Theater-Dramaturg Michael Dühn launig den Abend.

„Sogar Herr Rauhut da oben hat eben ein bisschen gezuckt, als in dem Brahms-Stück das Studentenlied ‚Gaudiamus igitur‘ zitiert wurde“, deutete er auf ein Porträt des ehemaligen Rektors. Dass der Kanzler das Musikinteresse des Konzert-Namensgebers Albert Einstein teilt und Spaß am Diskurs hat, kam bei den Zuhörern bestens an. Ebenso beim Dirigenten Kazem Abdullah, der sogar sein Pult verließ, um Nettekoven Rede und Antwort zu stehen. „Ihr Titel ist Maestro, oder? Find' ich gut. Das klingt nicht so nerdy (der Begriff „nerd“ lässt sich mit „Fachidiot“ übersetzen) wie Professor“, scherzte er in fließendem Englisch. Aachens Generalmusikdirektor winkte schmunzelnd ab: „Lassen Sie uns nicht formell werden“, und gab Studierenden sein Geheimrezept für Erfolg mit auf den Weg: „Schaut links und rechts und folgt Eurer Leidenschaft.“

Mit Leidenschaft griffen auch die Musiker in die Tasten und Saiten. „Wir sind begeistert vom Publikum und genießen die gelöste Stimmung, das macht richtig Spaß“, sprach Oboist Arnd Sartor sicherlich für alle Kollegen. Abdullah schloss sich nach dem tosenden Schlussapplaus an: „Das war fantastisch. Es ist grandios, zu erleben, wie junge Leute für Musik entflammen. Ich hoffe, dass wir das noch viel öfter machen können.“ Damit teilt er die Sicht Nettekovens: „Das hat ein sehr emotionales Moment für die RWTH und baut eine Brücke zwischen Universität und Theater, was wir sehr begrüßen. Ich hoffe, dass wir das mindestens ein Mal pro Jahr als Serie fortsetzen können.“

Enttäuschte Gesichter blieben dennoch nicht aus: In einer großen Traube hatten Studenten im Foyer noch bis zu den ersten Tönen auf Einlass gewartet und zogen betrübt von dannen, als klar war, dass sie keinen Platz mehr finden würden. Die Resonanz war also letztlich größer als der Saal.

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