Aachen - Sinfonieorchester und Cappella Aquensis geben packendes Konzert

Sinfonieorchester und Cappella Aquensis geben packendes Konzert

Von: Eva Onkels
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Völlige Ablehnung war die erste Reaktion auf Teile des Brahm‘schen Opus 45 „Ein deutsches Requiem“ in Wien im Jahr 1867, damals wohl auch wegen der Unzulänglichkeit der Ausführenden. Rund 150 Jahre später kann in Aachen davon nicht mehr die Rede sein.

Gemeinsam mit den Chören Cappella Aquensis und Ars Cantandi spielte das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Thomas Beaujean am Samstag ein packendes Konzert mit vielen Höhepunkten.

Seit einigen Jahren hat sich die griechisch-orthodoxe Kirche St. Michael mitten im Herzen Aachens als Aufführungsort einen guten Ruf erarbeitet. Wegen ihrer beeindruckenden Akustik ist die Kirche ein wahrer Schatz für Aachen. Dieses Konzert war ganz dem Komponisten Brahms und der Themenwelt des Todes gewidmet.

Den Beginn des Konzertes bildete Brahms‘ Vertonung des Gedichtes „Nänie“ von Friedrich Schiller. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Totenklage“. Das lange, getragene Oboensolo zu Beginn durchdrang die Kirche bis auf den letzten Platz. Der sanfte Sopraneinsatz passte in Ton und Dynamik perfekt zum Orchester. Beim Einsatz der Männerstimmen gemeinsam mit den Celli war kein Unterschied mehr hörbar. Die klaren und positiven Schlusstöne blieben lange im Gewölbe der Kirche hängen.

Sein Requiem schrieb der damals noch nicht einmal dreißig Jahre alte und wenig gläubige Komponist Brahms in Erinnerung an seinen verstorbenen Freund Robert Schumann und seine Mutter; bibelfest wie er war, suchte er sich die Textpassagen selbst aus. Anders als viele andere Requiems ist Brahms‘ Werk von Text und Melodie her eines, das dem Tod schon früh den Schrecken nimmt und Versöhnung sucht.

Die Texte sind eher tröstender Natur. Der erste Satz des Stücks, ein dunkles, aber auch zärtliches Werk, kommt völlig ohne Violinen aus; das lange und hervorgehobene Bratschensolo passt dafür umso hervorragender in den tiefen und weichen Gesamtklang. Hier zeigte der Stimmführer beeindruckendes Können am Instrument.

Der folgende zweite Satz „Denn alles Fleisch ist wie Gras“ ist ein deutlicher Trauermarsch im kraftvollen Dreiertakt. Die Dramatik des Vanitas-Gedankens wird dadurch unterstützt. Schließlich ist der Schluss des Satzes versöhnlich, nicht nur in der Musik, sondern auch im Text: „Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird weg müssen.“ Obwohl nicht an allen Stellen der Chor synchron aufhörte, kann man sagen, dass Chor und Orchester das Stück gemeistert haben. Als Baritonsolist sang sich Martin Berner kraftvoll und zugleich sanft in die Herzen des Publikums. In den Koloraturen des dritten Satzes „Herr, lehre mich doch“, blieb er klar und präzise. Auch Katharina Hagopian zeigte als Solosopran ihr umfangreiches Tonspektrum.

Etwas musikalisch nichtssagend blieb der letzte Satz des Werks, allerdings waren hier Orchester und Chor wieder perfekt aufeinander abgestimmt. Im Gesamteindruck hinterließ das Konzert einen positiven Eindruck: „Wundervoll, einfach wundervoll“, meinte eine Zuhörerin nach langem Applaus.

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