Sinfonieorchester spielt in Instituten der RWTH

Von: Ines Kubat
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Sie stellten „Music Lab“, die neue Konzertreihe des Sinfonieorchesters Aachen an der RWTH Aachen, vor: (von links) Generalmusikdirektor Kazem Abdullah, RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven, Musikdramaturg Christoph Lang und Matthias Brockmann vom Werkzeugmaschinenlabor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Was hat Tschaikowsky mit Werkzeugmaschinen zu tun? Und Beethoven mit Kraftfahrzeugen? Zunächst einmal nichts. Zumindest nichts, was offensichtlich wäre. Und dennoch werden die Musiker mit der Technik zusammengebracht, und zwar in einer einzigartigen Konzertreihe, die es so bislang noch nicht in Aachen gab.

„Music Lab“, heißt diese Reihe, und wie es der Name schon verrät: Es ist ein musikalisches Experiment.

Eine einzige Probe möglich

„Wir können nur ein einziges Mal proben. Und dann muss es klappen“, sagt Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und weist auf die dröhnenden Maschinen im Werkzeugmaschinenlabor (WZL). Denn genau dort, wo jetzt noch zahlreiche Ingenieure und Techniker der RWTH maschinelle Verfahren testen, werden am 3. November Musiker mit Geige, Klarinette und Tuba stehen, und ihren Zuhörern ein besonderes Klangerlebnis bieten. Natürlich dröhnen dann die Maschinen nicht mehr.

Genau dieser vermeintliche Gegensatz, Musik an Orten der Forschung, in Werkhallen, Laboren und Instituten zu präsentieren, mache die besondere Spannung der Konzerte aus.

„Music Lab“ ist das neueste Ergebnis der Kooperation zwischen dem Sinfonieorchester Aachen und der RWTH wie ihr Kanzler Manfred Nettekoven erklärt.

Insgesamt vier Konzerte soll es geben, den Auftakt bildet ein Abend im Institut für Kraftfahrzeuge (IKA) am 22. September, das letzte Konzert findet im Juni 2017 am Leibniz Institut für Interaktive Materialien statt.

Für Abdullah ist die Konzertreihe eins seiner letzten großen Projekte, denn der Generalmusikdirektor wird im kommenden Sommer zum letzten Mal in Aachen dirigieren. Das „Music Lab“ ist seiner Idee entsprungen, ungewöhnliche Orte zu finden, um klassische Musik zu spielen. „Es war immer mein Ziel, das Sinfonieorchester in Aachen etwas bekannter zu machen“, sagt er fast so, als ob er schon weg sei.

RWTH-Kanzler Nettekoven zeigt sich ebenfalls gespannt auf die Resonanz auf die ungewöhnlichen Konzert-Orte: „Ich hoffe, dass wir vielleicht auch ein paar Gäste begrüßen dürfen, die noch keinen Blick hinter die Mauern der RWTH geworfen haben.“ Denn bei den musikalischen Gelegenheiten können sich die Besucher auch über die jeweiligen Forschungsfelder der Institute informieren. „Ich bin tief überzeugt, dass die Uni auch ein sehr kultureller Ort ist“, sagt Nettekoven. Deshalb sei sein Ziel auch, das Vorurteil, das einer technischen Uni anhafte, abzubauen: Kultur und Klassik passe sehr wohl dorthin.

Und was noch nicht auf Anhieb passt, wird passend gemacht, verspricht Christoph Lang, Dramaturg der Konzertreihe. Denn das Sinfonieorchester versuche, einen inhaltlichen Bezug zwischen der Musik und dem Ort des Spielens herzustellen, beispielsweise durch die Stückauswahl.

Normalerweise nicht zu hören

Es ist ein „außerordentliches Programm mit ganz besonderen Stücken, die teilweise in normalen Konzerten gar nicht zu hören wären“, sagt Abdullah. Und das meint er durchaus ernst. Das Stück „Symphonie 3.0“ des Komponisten Moritz Eggert, das im IKA gespielt werden sollte, ist ein Walzer, der zum Teil von sechs hupenden – realen – Autos vertont werden soll. In einem Konzertsaal scheint die Idee unmöglich, in einer großen Werkshalle nicht unbedingt.

Jedes Konzert der Reihe sei auf seine jeweilige Art experimentell, im WZl beispielsweise spiele man mit den verschiedenen Klangerlebnissen eines Orchesters, das im Raum verteilt ist, beim Konzert an der RWTH-Aula werden Studenten der Architektur und Philosophie mit eigenen unkonventionellen Beiträgen involviert sein.

Was die Komponisten angeht haben die Veranstalter eine bewusste Mischung aus moderner Musik von Eggert, Ives oder Gershwin gewählt, gleichzeitig gibt es aber auch immer Klassiker wie Tschaikowsky, Strauss und Beethovens achte Symphonie. Dass gerade Letztgenannte nicht ohne eine kleine Überraschung am Ende auskommt, ist bei dieser Musikreihe auch klar.

Doch noch immer bleibt die Frage: Was haben Beethoven und Tschaikowski mit Technik zu tun? „Viel“, ist Matthias Brockmann vom WZL überzeugt: „Musik ist hochtechnisiert und hochmathematisch. Sie folgt einem strikten Ablauf und einem strengen Dirigenten. Genau so ist es auch in der Technik und bei den Maschinen.“

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