Sinfonieorchester spielt Bruckners Sechste ein

Von: Alfred Beaujean
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Zyklus fortgesetzt: Marcus R. Bosch und das Aachener Sinfonieorchester interpretieren in der Nikolauskirche Bruckner. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Anton Bruckners Sechste Symphonie war lange Zeit hindurch eine Art von Stiefkind unter ihren Geschwistern. Auch Marcus R. Bosch, der das Werk am Pfingstmontag innerhalb der Bruckner-Reihe in der Aachener Kirche St. Nikolaus mit seinem Sinfonieorchester Aachen aufführte, hat sie fast an das Ende der Reihe gerückt.

Das ist seltsam, besitzt die Sechste im Vergleich zu anderen Symphonien Bruckners doch beinahe klassisch-überschaubare formale Proportionen.

Ausserdem überhebt sie den Dirigenten der Qual der Wahl zwischen verschiedenen Fassungen. Da das Werk zu Lebzeiten des Komponisten nie zur Gänze erklang, sah sich der mit Verbesserungssucht geplagte Bruckner nicht genötigt, nachträglich an der vollendeten Partitur herumzubasteln und die heutigen Musikwissenschaftler zur Verzweiflung zu bringen.

Vielleicht lag die Zurücksetzung des Werkes am nicht ganz so starken, auf weite Strecken von Sequenzen lebenden Finale, das auch in der Plastik der Themen den drei voraufgegangenen Sätzen nachsteht.

Wie dem auch sei: Bosch bot mit seinem bestens disponierten, mit größter Hingabe und Konzentration ans Werk gehenden Orchester eine sehr geschlossene, klanglich ausladende Wiedergabe der Symphonie, die sowohl in der Sorgfalt des Details - in der halligen Akustik der Kirche ohnehin nur schwer realisierbar - als auch in der Großzügigkeit, mit der Bosch die Architektur des Werkes nachzeichnete, überzeugte.

Das gilt insbesondere für den rhythmisch kniffligen Kopfsatz, den wohl bedeutendsten der Symphonie. In schönem, warmem Espressivo der Streicher entfaltete sich das Adagio, während die makellos sauber intonierenden Holzbläser ihren besonderen Auftritt im Scherzo hatten, diesem bei Bruckner seltenen, eher skurrilen als bäurischem Scherzosatz. Das Blech glänzte mit runder, nie grob dreinfahrender Tongebung, was vor allem den auftrumpfenden Passagen des Finale zugute kam.

Viel Beifall des Auditoriums, das sich auch bei schönstem Pfingstwetter seinen Bruckner nicht entgehen liess. Die mit Unterstützung unserer Zeitung produzierte CD mit der Aufnahme des Konzerts erscheint am 1. November.
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