Aachen - Sinfonieorchester Aachen „Über den Wolken”

Sinfonieorchester Aachen „Über den Wolken”

Von: Perdro Obiera
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Zu kosmischen Höhenflügen „Über den Wolken” hob das Aachener Sinfonieorchester in seinem zweiten Abonnementskonzert im ordentlich gefüllten Eurogress an. Detlev Glanert bezog die Inspiration für sein „Doppelkonzert für zwei Klaviere und Orchester”, das als deutsche Erstaufführung live im Deutschlandradio Kultur übertragen wurde, aus galaktischen Impressionen.

Ähnlich, wenn auch mit denkbar anderen Ergebnissen wie der Brite Gustav Holst mit seiner berühmten Suite „The Planets” aus dem Jahre 1914. Eine direkte Verbindung besteht allerdings nur in der Tatsache, dass beide Komponisten eher an mythischen Interpretationen der Planetennamen interessiert sind als an den astronomischen Phänomenen. Sätze wie Holsts „Mars” (der Kriegsbringer) haben in ihrer martialischen Plastizität mit ihren sphärischen Klängen ganze Generationen von Filmkomponisten beflügelt.

Allerdings ging es Marcus R. Bosch in seiner vorzüglichen Interpretation nicht um cineastische Effekthascherei, sondern um die Suche nach reizvollen, teilweise zukunftsweisenden Feinheiten, die weit mehr aufweisen als klingenden Postkartennaturalismus. Die Sätze erhielten so ein sauber ausgearbeitetes Eigenprofil mit erheblichen Anforderungen, die die Aachener Sinfoniker auf hohem Niveau erfüllten.

Bosch ließ sich auch in den (wenigen) martialischen Teilen nicht zu unkontrollierten Gefühlswallungen hinreißen, so dass eine Interpretation entstand, die das Werk in seiner ganzen kompositorischen und originellen Qualität angemessen präsentierte. Ein Lob verdienen hier auch die Damen des Opernchors und des Sinfonischen Chors für ihren kleinen, aber kniffligen Part im „Neptun”-Finale.

In kleinerer Besetzung, dafür durch zwei Soloklaviere ergänzt, nähert sich Glanert der Thematik. Glanert, dessen Opernprojekt „Nijinskys Tagebuch” im vergangenen Jahr im Theater Aachen uraufgeführt wurde, gehört zu den nicht allzuvielen Komponisten, die Anspruch mit Spielbarkeit und Verständlichkeit verknüpfen. Das Doppelkonzert besteht aus neun kurzen Sätzen, die sich formal übersichtlich in drei Großabschnitte gliedern lassen, die allesamt mit Landschaftsnamen des Mars überschrieben sind.

Der Reiz des 25-minütigen Werks besteht einerseits in der virtuosen Farbenpracht des Orchesterparts, andererseits im diffizilen Verhältnis der beiden Klavierstimmen, die teils in kontrastierendem Dialog gegeneinander in Erscheinung treten, teils sich in harmonischer Eintracht vertragen.

Das alles klingt spannend und handwerklich exzellent ausgearbeitet. Dabei bedarf es schon erstklassiger Künstler wie dem perfekt aufeinander eingespielten Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher sowie eines versierten Orchesters mit einem hellhörigen Dirigenten wie Bosch.

Begeisterter Beifall, auch für den anwesenden Komponisten.
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