Sinfonieorchester Aachen spielt zu Chaplins Film „Goldrausch”

Von: Jenny Schmetz
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Chordirektor „mit Dirigierver
Chordirektor „mit Dirigierverpflichtung”: Andreas Klippert (36) arbeitet seit 2010 am Theater Aachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Selbst in Jogginghose hat Andreas Klippert schon dirigiert. Bei der Orchesterolympiade im Familienkonzert. Nun, beim „Konzert ohne Frack”, soll es zwar auch etwas lockerer zugehen, aber so locker dann doch nicht.

Klipperts Jogginghose bleibt also im Kleiderschrank, ebenso wie sein Frack. Den trägt der 36-Jährige nur, wenn er Opern dirigiert.

Andreas Klippert arbeitet seit der vorigen Spielzeit als Chordirektor am Aachener Theater. Aber in seinem Vertrag steht „mit Dirigierverpflichtung”. Daher lenkt er nicht nur die Sänger des Opernchors und des Sinfonischen Chors, sondern auch schon mal die Musiker des Sinfonieorchesters. In dieser Saison zum Beispiel durch Strawinskis „Geschichte vom Soldaten” im Mörgens.

Zurzeit übt der Dirigent sogar zu Hause, vor DVD-Rekorder und Fernseher. Dort schaut er sich Charlie Chaplins „Goldrausch” immer wieder an. Nicht mit der Chipstüte auf dem Schoß, sondern mit der Partitur zur Filmmusik. Die hat Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Chaplin für seinen Stummfilm aus dem Jahr 1925 auch noch selbst geschrieben, allerdings erst 17 Jahre später, als er seinen Lieblingsfilm in einer Tonversion präsentierte.

Im Aachener Theater ist nun die ursprüngliche Fassung ohne gesprochene Dialoge zu sehen - und dazu spielt das Aachener Sinfonieorchester Chaplins Musik, die der US-amerikanische Komponist Carl Davis vor 20 Jahren neu arrangiert hat.

Mit dem Kopf fünf Minuten weiter

Klipperts Aufgabe wird es dann sein, die Bilder auf der Leinwand und die Töne aus dem Orchestergraben sekundengenau zu koordinieren. Alles eine Frage des Timings. „Da hat man keine Spielräume”, sagt Klippert. „Das muss passen.” Den Film hat er auf einem Monitor an seinem Pult im Blick, allerdings tickt da dann kein Zeitcode mehr wie auf seiner DVD zu Hause. „Mit dem Kopf muss man sowieso schon fünf Minuten weiterdenken”, sagt Klippert cool.

Manch ein Konzertbesucher mag jetzt allerdings sechs Jahre zurückdenken und anmerken: Moment mal, das Sinfonieorchester im „Goldrausch”, der Slapstick-Meister mit dem Zweifingerbärtchen auf Goldsuche in Alaska - schon wieder? Stimmt! Zum Auftakt der beliebten Stummfilm-Reihe „Konzert ohne Frack” hatte Kapellmeister Daniel Jakobi bereits die Live-Musik zu genau diesem Chaplin-Klassiker dirigiert.

Nun also, sozusagen wegen des großen Erfolges, noch einmal. Auch die Musik werden viele wiedererkennen, „zwischen Klassik und Salonmusik” ordnet Klippert sie ein. Mit etlichen Zitaten und Anklängen an bekannte Komponisten - ob Wagner und Tschaikowski, Rimski-Korsakow oder Puccini.

Das Film-Musik-Ereignis kennt der gebürtige Kasseler bisher aus dem Aachener Zuschauerraum. „Das war ein tolles Erlebnis”, erinnert sich Klippert an die vorige Saison. „Da war das Haus rammelvoll.” Sogar Popcorn haben viele gegessen. „Theater mal anders!”

Diesmal kann sich Klippert nicht so locker zurücklehnen, aber trotz des einengenden Zeitkorsetts bleibt er gelassen. „Mittlerweile habe ich den Film bestimmt 20 Mal gesehen”, sagt er. „Und ich muss immer noch lachen.” Seine Lieblingsszene? Nicht etwa, wenn der Tramp an der Schuhsohle knabbert oder mit Gabeln und Brötchen Ballett tanzt. Nein, wenn er beim Tanzen seinen Gürtel verliert und stattdessen ein Seil nimmt - an dem ein Hund hängt. „Zum Brüllen”, meint Klippert. Aber ab Samstag gilt: Lachen ist nicht. Im Kopf tickt die Uhr.

Bis dahin muss der Dirigent auch noch die Kleiderfrage beantworten. Weder Jogginghose noch Frack also. „Vielleicht ein Anzug”, überlegt Klippert. Auf jeden Fall ohne Krawatte. Ein bisschen locker darfe_SSRqs schon sein.

Drei Termine im Aachener Theater

Das „Konzert ohne Frack” mit Charlie Chaplins Stummfilm „Goldrausch” wird dreimal im Aachener Theater aufgeführt: am Samstag, 14. April, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 15. April, um 18 und 21 Uhr. Dauer: rund 95 Minuten.

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