Sinfoniekonzert: Subtil und klangschön

Von: Pedro Obiera
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Aachen. Man kann zu den „symphonischen Riesenschlangen“ Anton Bruckners, wie sie Eduard Hanslick nicht sehr freundlich genannt hat, stehen, wie man will. Seine Achte gehört zu den anspruchsvollsten und tiefgründigsten Gipfelwerken des gesamten Repertoires.

In ihrer formalen und geistigen Ausdehnung breitet sie sich so raumgreifend aus, dass es ratsam ist, sie ohne jedes Beiwerk zu präsentieren. Der in Aachen geborene Gast-Dirigent Lothar Koenigs, derzeit Chefdirigent der Welsh National Oper, ließ es sich im dritten Sinfoniekonzert des Aachener Sinfonieorchesters jedoch nicht nehmen, diesen Brocken mit einem Schlüsselwerk Olivier Messiaens zu kombinieren: mit dessen Auferstehungs-Hymnus „L’Ascension“. Damit waren die beiden wohl eifrigsten Erz-Katholiken der Musikgeschichte in direktem Schulterschluss vertreten.

Es wurde ein langer Abend. Die Befürchtung jedoch, dass ein Gast-Dirigent angesichts zweier so komplexer Werke mit der Probenzeit in Not geraten oder dass die Aufnahmekapazität des Publikums überfordert werden könnte, erfüllte sich nicht. Erstaunlich, welche klanglichen Reserven Koenigs dem Orchester abgewann. Sowohl, was das üppige Volumen bei Bruckner angeht als auch die filigranen Farbschattierungen in der auf Transparenz ausgerichteten Partitur Messiaens. An Kontrasten mangelte es dem Abend also nicht.

Erfreulich auch, dass sich Koe- nigs viel Zeit ließ, um die klanglichen Wunder beider Werke auszukosten. Das führte vor allem bei Bruckner zu mittlerweile ungewöhnlich breiten Tempi, die genutzt wurden, um die dynamischen Steigerungen mit pathetischer Wucht auszuspielen. Abgesehen von den extremen Höhepunkten gelang Koenigs dabei auch eine nahezu ausgewogene Balance zwischen Bläsern und Streichern, wobei dem Orchester eine Verstärkung des Streicherapparats nach wie vor nicht schaden würde.

Mit klanglicher Schönheit ist es bei Bruckner natürlich nicht getan. Es gilt, die gewaltigen Dimensionen der vier Sätze unter Kon- trolle zu bringen. Und auch da behielt Koenigs den Überblick und verlor sich trotz vieler subtil ausgearbeiteter Details nicht in Einzelheiten und hielt selbst das gewaltige, klanglich überaus schön gestaltete Adagio unter Spannung. Dass er die vielen Bruchstücke des arg zersplitterten Finales nicht kitten konnte, darf man ihm und keinem seiner Kollegen anlasten. Die Finalsätze sind halt die Achillesfersen der meisten Bruckner-Symphonien.

Das Publikum im Eurogress reagierte auch nach zweieinhalb Stunden hellwach und begeistert. Und das zu Recht.

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