„Shadowland 2“: Magie, die aus der Kiste kommt

Von: Susanne Schramm
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Schattenspiele auf höchstem Niveau: Mitglieder des Künstlerkollektivs Pilobolus im „Shadowland“. Foto: Beowulf Sheehan

Düsseldorf. „Do not open boxes“ (Macht die Kisten nicht auf). So steht es in großen Lettern geschrieben. Und es geschieht, was geschehen muss. Einer der Arbeiter in der Fabrik, die Tag für Tag – uniformiert, vom unbarmherzigen Aufseher angetrieben – jene Kisten schleppen, stapeln und für die Lagerung vorbereiten müssen, tut es dann doch. Und entdeckt etwas wahrhaft Magisches.

Das aber zuerst vor unseren Augen verborgen bleibt. Das, was wir sehen, ist lediglich der staunende Blick von Fess (Shawn Fitzgerald Ahern), dem Arbeiter, der aus der Reihe tanzt. Und das Leuchten, das aus der Kiste dringt. Aber wer, oder was, besitzt so viel Strahlkraft?

In „Shadowland 2“ ist es erneut die Fantasie. Vor fünf Jahren handelte die erste Geschichte aus der Welt der Schatten von einem Mädchen, das auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist und sich in Träume flüchtet. Nun sind die Macher des US-Künstlerkollektivs Pilobolus dort angekommen, wo die Kleine niemals hinwollte. In einer grauen Zukunft, in der für Freude kein Platz mehr ist.

Der Vorspann, in dem wir erleben, wie kanisterköpfige Soldaten alles Schöne, Lebendige mit Schläuchen einsaugen und in die eckigen Kartonagen verpacken, trägt Züge des Totalitären. 78 Minuten, eine wunderbare Lichtregie und die wie Filmmusik anmutenden Kompositionen von David Poe braucht es, um dem wieder Farbe einzuhauchen. Die düsteren Schatten werden so bunt wie ein Comic.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie die sechs Tänzer und drei Tänzerinnen mit ihren zu Schatten verschmelzenden Körpern ganze Caféhaus-Szenerien entstehen lassen, Bauwerke wie Big Ben oder den Eifelturm, Tiere, Fahrzeuge oder fantastische Arabesken. Wie sie in schummrige Bars entführen, auf Blumenwiesen oder hoch in die Lüfte, als Reisegesellschaft in einem Ballon. Dafür brauchen sie kaum Requisiten. Und immer wieder lösen sie die Illusion dann auf – um großartiges Tanztheater zu zeigen, mit Protagonisten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten.

Am Grunde der Kiste sitzt – ein Vogeljunges. Ein tapsiger, flusiger Federbusch auf zittrigen Beinen, halb Straußenküken, halb Menschlein. So wie es zaghaft Zutrauen gewinnt, erstarken auch Fess und seine Gefährtin. Vor unseren Augen rollt ihr Leben ab, so wie es sein könnte. Mit Liebe, Reisen und Kindern. Doch bis die beiden erkennen, dass es sich auch in der trostlosen Realität lohnt, darum zu kämpfen, legt sich das Böse mächtig ins Zeug. „Shadowland 2“ hat alles, was eine gute Geschichte braucht.

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